Zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt
Japanische Regierung spricht erstmals von Rezession

Japans Regierung sieht Anzeichen dafür, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt eine Rezession durchläuft. Diese Beurteilung liegt auf einer Linie mit den Einschätzungen der meisten Volkswirte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Rezession zwar nicht tief, aber langwierig sein wird.

lud TOKIO. Das japanische Kabinettsbüro wies am Mittwoch für den Index der gleichlaufenden Konjunkturindikatoren einen Wert von 33,3 Punkten im Juni aus. Damit notiert der Indikator unter der kritischen Schwelle von 50 Zählern. "Ausgehend von den Indizes für die Geschäftslage geht das Kabinettsbüro davon aus, dass sich die Wirtschaft sehr wahrscheinlich in einer Rezession befindet", sagte ein Regierungssprecher.

Der Index misst die Geschäftsbedingungen im Unternehmensbereich, vor allem im verarbeitenden Sektor. Dieser leidet seit Monaten unter einer ausgeprägten Schwäche. Die Definition für eine Rezession gilt als erfüllt, wenn der Index der gleichlaufenden Indikatoren drei Monate in Folge unter der Marke von 50 Punkten notiert. Bereits im Mai und April hatte er bei jeweils 30,0 Punkten gelegen. Werte über 50,0 weisen auf eine Expansion der Wirtschaft hin, Stände darunter auf einen Abschwung.

Erst jüngst hatte Premierminister Yasuo Fukuda die Posten des Finanz- und des Wirtschaftsministers neu besetzt, um der festgefahrenen Wirtschaftspolitik neuen Schwung zu verleihen. In einzelnen Fällen war es der Regierung in der vergangenen Monaten zum Beispiel nicht mehr gelungen, gesetzliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft fristgerecht zu setzen. Ist nun aber Besserung in Sicht? Es wird schwierig.

Die jüngste Beurteilung des Kabinettsbüros zur Konjunktur liegt auf einer Linie mit den Einschätzungen der meisten Volkswirte aus der Privatwirtschaft, die seit einiger Zeit hervorheben, dass die sechsjährige Wachstumsphase der japanischen Wirtschaft im letzten Quartal des vorigen Jahres zu Ende gegangen sei. Tatsächlich dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Kalenderquartal 2008 (BIP) geschrumpft sein - die weiteren Aussichten schätzen die Experten ebenfalls düster ein. Im Konsens prognostizieren Volkswirte für das zweite Quartal einen Rückgang des BIP im Vergleich zum Vorquartal um real 0,6 Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutete dies einen Rückgang um 2,5 Prozent. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres war noch ein Zuwachs 4,0 Prozent für das Jahr erwartet worden. Die japanische Regierung wird die BIP-Daten am 13. August veröffentlichen.

"Ich erwarte, dass diese Rezession nicht so tief, aber sehr langwierig sein wird", sagte Norio Miyagawa, Volkswirt beim Shinko Research Institute. "Die Wirtschaft wird voraussichtlich erst im dritten Quartal des nächsten Jahres wieder an Schwung gewinnen. Zuerst muss sich die US-Wirtschaft erholen." In den vergangenen Jahren war das Wachstum der japanischen Wirtschaft vor allem von den Exporten angetrieben worden. Doch die Ausfuhren in die USA, nach Europa und auch in die asiatischen Nachbarländer sind zuletzt stark gefallen, verursacht von der schwächeren Konjunktur in diesen Regionen. Zudem dürften die steigenden Rohstoffpreise die Inlandsnachfrage bremsen.

Andere Daten weisen ebenfalls auf eine Wirtschaftsschwäche in Japan hin: Im zweiten Quartal sank die Industrieproduktion um 0,7 Prozent zum Vorquartal, womit zwei Quartale in Folge ein Rückgang verzeichnet wurde. In den vergangenen 30 Jahren rutschte die japanische Wirtschaft jedes Mal in eine Rezession, wenn der industrielle Ausstoß für mehr als zwei Quartale in Folge rückläufig war.

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