Zweitrundeneffekte unter Experten umstritten
G-10-Notenbanken warnen vor Inflationsrisiko

Die hohen Rohstoffpreise verlangsamen nach Ansicht der Zentralbanken der Länder der Zehnergruppe (G10) das an sich dynamische Wachstum der Weltwirtschaft und speziell der Ölpreis bildet ein Inflationsrisiko, das die Währungshüter im Auge behalten müssen.

HB BASEL. Jean-Claude Trichet, der Vorsitzende des Ausschusses der G-10-Notenbankgouverneure, erklärte am Montag in Basel bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), angesichts der stark gestiegenen Ölpreise müssten die Notenbanken alles tun, um die Inflationserwartungen auf einem soliden Niveau zu halten. Das gelte vor allem für die mittlere und längere Frist. Trichet, auch Präsident der europäischen Zentralbank (EZB), sprach damit eine der stärksten Inflationswarnungen der jüngeren Vergangenheit aus.

Der EZB-Chef hatte bei seinen Ausführungen die so genannten Zweitrunden-Effekte der Ölpreissteigerung im Auge. Auf der Medienkonferenz im Anschluss an die regelmäßige Sitzung der Notenbanker erklärte er mehrmals, die Währungshüter müssten verhindern, dass sich der hohe Ölpreis in steigenden Löhnen und höheren Preisen anderswo in einer Volkswirtschaft niederschlage. Die einzelnen Notenbanken würden sehr genau auf solche Zweitrundeneffekte achten und differenziert je nach Lage darauf reagieren, sagte er weiter.

Der Anstieg des Ölpreises auf bis zu 70 Dollar pro Barrel reflektiere auf der einen Seite aber auch die stark steigende Nachfrage in einer kräftig wachsenden Weltwirtschaft. Allerdings dürften die hohen Ölpreise und steigende Kosten für andere Rohstoffe die weltwirtschaftliche Dynamik in diesem und im nächsten Jahr bremsen, erklärte er weiter.

Mit Blick auf die USA sagte Trichet weiter, die Notenbanken seien sich einig, dass die Flutkatastrophe im Süden der USA das Wirtschaftswachstum in den USA im dritten Quartal verlangsamen werde. Aber der unmittelbare negative Einfluss sollte nicht von Dauer sein. Auch darin seien sich die Notenbanken weitgehend einig.

Ob der Ölpreis Zweitrundeneffekte auslöst, gilt unter Experten als umstritten. Im Gegensatz zu früheren solchen Entwicklungen sei es Unternehmen wie Gewerkschaften nicht mehr so leicht möglich, höhere Preise und Löhne durchzusetzen, da der Wettbewerbsdruck im Zuge der Globalisierung viel höher sei als in früheren Jahren.

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