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Leistungsvergleich: Frankreich versus Deutschland

Frankreich und Deutschland sind nicht nur Nachbarn und Partner - sondern auch Rivalen. Ob der neue Präsident François Hollande eher auf Partnerschaft oder Rivalität setzt, bleibt abzuwarten. Doch schon jetzt zeigt der Direktvergleich welche Nation überlegen ist:

  • Der neue französische Präsident Francois Hollande wird in den nächsten Monaten zeigen müssen, ob er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mithalten kann. Schon vor der Wahl zeichnete sich ein Kräftemessen um den Fiskalpakt ab. Jetzt wird sich zeigen welche Nation besser aufgestellt ist.

    Der neue französische Präsident Francois Hollande wird in den nächsten Monaten zeigen müssen, ob er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mithalten kann. Schon vor der Wahl zeichnete sich ein Kräftemessen um den Fiskalpakt ab. Jetzt wird sich zeigen welche Nation besser aufgestellt ist. Quelle: dpa
  • Können sie den Haushalt retten: Frankreichs Präsident Francois Hollande und Michel Sapin, der gute Chancen auf den Finanzminister-Posten hat. Der große Einfluss des französischen Staates auf das Wirtschaftsgeschehen kostet Geld, viel Geld. Frankreichs Steuerquote liegt mit 26 Prozent vier Prozentpunkte höher als die deutsche. Die weiter gefasste Abgabenquote beträgt 42 Prozent, das sind sogar sechs Punkte mehr als in Deutschland. Aber selbst das reicht nicht, um die Ausgaben des Staates zu decken: Im abgelaufenen Jahr betrug des Loch im Staatshaushalt der Grande Nation 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die deutsche Defizitquote lediglich ein Prozent. Während der jüngsten Wirtschaftskrise lief der Pariser Regierung der Haushalt aus dem Ruder, das Defizit vergrößerte sich zwischenzeitlich auf 7,6 Prozent. Der Schuldenstand schoss von 64 Prozent im Jahr 2007 auf 86 Prozent Ende 2011 nach oben und liegt nun über dem deutschen Niveau. In der Folge verlangen die Finanzmärkte von Frankreich inzwischen deutlich höhere Zinsen als von der Bundesregierung.

    Können sie den Haushalt retten: Frankreichs Präsident Francois Hollande und Michel Sapin, der gute Chancen auf den Finanzminister-Posten hat. Der große Einfluss des französischen Staates auf das Wirtschaftsgeschehen kostet Geld, viel Geld. Frankreichs Steuerquote liegt mit 26 Prozent vier Prozentpunkte höher als die deutsche. Die weiter gefasste Abgabenquote beträgt 42 Prozent, das sind sogar sechs Punkte mehr als in Deutschland. Aber selbst das reicht nicht, um die Ausgaben des Staates zu decken: Im abgelaufenen Jahr betrug des Loch im Staatshaushalt der Grande Nation 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die deutsche Defizitquote lediglich ein Prozent. Während der jüngsten Wirtschaftskrise lief der Pariser Regierung der Haushalt aus dem Ruder, das Defizit vergrößerte sich zwischenzeitlich auf 7,6 Prozent. Der Schuldenstand schoss von 64 Prozent im Jahr 2007 auf 86 Prozent Ende 2011 nach oben und liegt nun über dem deutschen Niveau. In der Folge verlangen die Finanzmärkte von Frankreich inzwischen deutlich höhere Zinsen als von der Bundesregierung. Quelle: Reuters
  • Zahlen mehr Steuern: die französischen Industrieunternehmen. Um den Staatshaushalt zu sanieren, will François Hollande vor allem Reiche schröpfen. Bislang zahlen Besserverdiener spürbar weniger Steuern als in Deutschland: Der Spitzensteuersatz beträgt, rechnet man eine spezielle Solidarabgabe hinzu, gut 50 Prozent, greift aber erst ab 500?000 Euro Einkommen. In Deutschland liegt er inklusive Soli bei 47,5 Prozent, gilt aber schon für Einkommen oberhalb von 250?000 Euro. Ein gut verdienender Single mit 150 000 Euro Jahresbruttogehalt und 50 000 Euro Kapitaleinkünften zahlt nach ZEW-Berechnungen in Frankreich effektiv 34,8 Prozent Steuern, in Deutschland sind es 39,8 Prozent. Dagegen werden Unternehmen in Frankreich deutlich stärker belastet als in Deutschland. Effektiv muss ein typisches Industrieunternehmen rund 32 Prozent Steuern zahlen, in der Bundesrepublik sind es - inklusive der umstrittenen Gewerbesteuer - nur etwa 28 Prozent.

    Im Bild: Ein Peugeot-Citroen-Werk in Frankreich

    Zahlen mehr Steuern: die französischen Industrieunternehmen. Um den Staatshaushalt zu sanieren, will François Hollande vor allem Reiche schröpfen. Bislang zahlen Besserverdiener spürbar weniger Steuern als in Deutschland: Der Spitzensteuersatz beträgt, rechnet man eine spezielle Solidarabgabe hinzu, gut 50 Prozent, greift aber erst ab 500?000 Euro Einkommen. In Deutschland liegt er inklusive Soli bei 47,5 Prozent, gilt aber schon für Einkommen oberhalb von 250?000 Euro. Ein gut verdienender Single mit 150 000 Euro Jahresbruttogehalt und 50 000 Euro Kapitaleinkünften zahlt nach ZEW-Berechnungen in Frankreich effektiv 34,8 Prozent Steuern, in Deutschland sind es 39,8 Prozent. Dagegen werden Unternehmen in Frankreich deutlich stärker belastet als in Deutschland. Effektiv muss ein typisches Industrieunternehmen rund 32 Prozent Steuern zahlen, in der Bundesrepublik sind es - inklusive der umstrittenen Gewerbesteuer - nur etwa 28 Prozent. Im Bild: Ein Peugeot-Citroen-Werk in Frankreich Quelle: AFP
  • Exportmeister Deutschland: Die Entwicklung könnte kaum gegensätzlicher sein. Während die deutsche Industrie Exportrekorde feiert, fällt die französische Konkurrenz immer weiter zurück. Seit 2000 ist Frankreichs Anteil an den gesamten Exporten der Euro-Zone um 3,5 Prozentpunkte gesunken, stärker als in jedem anderen Land. Mittlerweile liegt die Grande Nation nur noch ganz knapp vor den Niederlanden und verzeichnet hohe Außenhandelsdefizite. Der Vergleich der Lohnstückkosten erklärt, warum. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Arbeitskosten pro gefertigtes Produkt in Deutschland um gerade einmal gut sechs Prozent - in Frankreich dagegen um fast ein Viertel. "Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ", lobten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute unlängst, sei "derzeit höher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen 30 Jahre."

    Im Bild: Container an einem Verladeterminal im Hamburger Hafen

    Exportmeister Deutschland: Die Entwicklung könnte kaum gegensätzlicher sein. Während die deutsche Industrie Exportrekorde feiert, fällt die französische Konkurrenz immer weiter zurück. Seit 2000 ist Frankreichs Anteil an den gesamten Exporten der Euro-Zone um 3,5 Prozentpunkte gesunken, stärker als in jedem anderen Land. Mittlerweile liegt die Grande Nation nur noch ganz knapp vor den Niederlanden und verzeichnet hohe Außenhandelsdefizite. Der Vergleich der Lohnstückkosten erklärt, warum. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Arbeitskosten pro gefertigtes Produkt in Deutschland um gerade einmal gut sechs Prozent - in Frankreich dagegen um fast ein Viertel. "Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen ", lobten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute unlängst, sei "derzeit höher als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen 30 Jahre." Im Bild: Container an einem Verladeterminal im Hamburger Hafen Quelle: dapd
  • Kann Frankreich mit günstigem Atomstrom punkten? Schuld am Abstieg Frankreichs ist der rasche Anstieg der Arbeitskosten, aber auch der abnehmende Anteil von Produkten, die nicht im harten Preiswettbewerb stehen. Die französische Autoindustrie etwa hat sich zu lange auf preiswerte Kleinwagen konzentriert, statt auf die margenstarke Oberklasse zu setzen. Einiges spricht aber dafür, dass das Leistungsgefälle zwischen den beiden Nachbarn geringer wird. Nicolas Sarkozy leitete einige Reformen ein, um den Faktor Arbeit zu entlasten. Seinen Kostenvorteil durch niedrige Atomstrompreise behält das Land noch eine Weile. Auf der anderen Seite dürfte die Exportstärke der deutschen Unternehmen ihren Zenit erreicht haben. Die Arbeitnehmer wollen inzwischen stärker von der guten Wirtschaftslage profitieren und fordern kräftige Lohnerhöhungen. Die Institute prognostizieren eine deutliche "Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit".
    Im Bild: Das französische Kernkraftwerk Cattenom

    Kann Frankreich mit günstigem Atomstrom punkten? Schuld am Abstieg Frankreichs ist der rasche Anstieg der Arbeitskosten, aber auch der abnehmende Anteil von Produkten, die nicht im harten Preiswettbewerb stehen. Die französische Autoindustrie etwa hat sich zu lange auf preiswerte Kleinwagen konzentriert, statt auf die margenstarke Oberklasse zu setzen. Einiges spricht aber dafür, dass das Leistungsgefälle zwischen den beiden Nachbarn geringer wird. Nicolas Sarkozy leitete einige Reformen ein, um den Faktor Arbeit zu entlasten. Seinen Kostenvorteil durch niedrige Atomstrompreise behält das Land noch eine Weile. Auf der anderen Seite dürfte die Exportstärke der deutschen Unternehmen ihren Zenit erreicht haben. Die Arbeitnehmer wollen inzwischen stärker von der guten Wirtschaftslage profitieren und fordern kräftige Lohnerhöhungen. Die Institute prognostizieren eine deutliche "Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit". Im Bild: Das französische Kernkraftwerk Cattenom Quelle: dpa
  • Paris dominiert das Land: Frankreich ist ein Zentralstaat wider Willen: Die widerspenstigen Regionen misstrauen allem, was aus Paris kommt. Der Staat hält dagegen mit einer zentralisierten Administration und viel Geld. Das erklärt, warum sich die individualistischen Franzosen einen der erdrückendsten Staatsapparate leisten: 56 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung fließen durch die öffentlichen Hände. In Deutschland liegt die Quote mit 46 Prozent weit niedriger. Der Staat greift aber nicht nur über das Geld ein, das er umverteilt. Er besitzt auch sehr große Unternehmen ganz oder teilweise, von der Energie über die Luftfahrt bis zur Rüstung. Das Ziel, damit eine wirksame Industriepolitik zu betreiben, hat er dennoch verfehlt - die Industrie ist viel stärker geschrumpft als in Deutschland.

    Paris dominiert das Land: Frankreich ist ein Zentralstaat wider Willen: Die widerspenstigen Regionen misstrauen allem, was aus Paris kommt. Der Staat hält dagegen mit einer zentralisierten Administration und viel Geld. Das erklärt, warum sich die individualistischen Franzosen einen der erdrückendsten Staatsapparate leisten: 56 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung fließen durch die öffentlichen Hände. In Deutschland liegt die Quote mit 46 Prozent weit niedriger. Der Staat greift aber nicht nur über das Geld ein, das er umverteilt. Er besitzt auch sehr große Unternehmen ganz oder teilweise, von der Energie über die Luftfahrt bis zur Rüstung. Das Ziel, damit eine wirksame Industriepolitik zu betreiben, hat er dennoch verfehlt - die Industrie ist viel stärker geschrumpft als in Deutschland. Quelle: dapd
  • Will in Paris nichts mehr von oben aufdiktieren: François Hollande. Regionale und kommunale Politiker fluchen über den allgegenwärtigen Zentralstaat. Sie verlangen mehr Kompetenzen, weniger Gängelung und mehr finanzielle Mittel. François Hollande hat eine stärkere Dezentralisierung versprochen. Da die Linke in den Regionen stark ist, muss er dies nun wohl auch einlösen. Auch die Sozialpartner wünschen sich, dass der Staat seine schwere Hand zurückzieht und ihnen mehr Freiraum lässt, über Tarifverträge oder in den Betrieben Dinge selber zu regeln. Sarkozy hatte deshalb vorgeschlagen, mit betrieblichen Vereinbarungen Abweichungen von Gesetzen zu erlauben.

    Will in Paris nichts mehr von oben aufdiktieren: François Hollande. Regionale und kommunale Politiker fluchen über den allgegenwärtigen Zentralstaat. Sie verlangen mehr Kompetenzen, weniger Gängelung und mehr finanzielle Mittel. François Hollande hat eine stärkere Dezentralisierung versprochen. Da die Linke in den Regionen stark ist, muss er dies nun wohl auch einlösen. Auch die Sozialpartner wünschen sich, dass der Staat seine schwere Hand zurückzieht und ihnen mehr Freiraum lässt, über Tarifverträge oder in den Betrieben Dinge selber zu regeln. Sarkozy hatte deshalb vorgeschlagen, mit betrieblichen Vereinbarungen Abweichungen von Gesetzen zu erlauben. Quelle: Reuters
  • Mehr Zeit für Cafè au lait: Zusammen mit Finnland ist Frankreich Europameister bei der Verringerung der Arbeitszeit. 1?679 Stunden pro Jahr leistet ein französischer Arbeitnehmer mit Vollzeitbeschäftigung, während sein deutscher Kollege es auf 1?904 Stunden bringt. Die Ursache für diesen großen Unterschied ist die im Jahr 2000 von den Sozialisten eingeführte Beschränkung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche. Die Linke hatte gehofft, damit die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und die Arbeitslosigkeit verringern zu können. Erreicht hat die Linke mit der Reform, dass die Kosten der Arbeit in Frankreich gestiegen sind - und zwar kräftig: War eine Stunde Industriearbeit vor zehn Jahren noch billiger als in Deutschland, ist sie heute Eurostat zufolge mit 35,60 Euro etwas teurer als bei uns. Der Anstieg hat damit zu tun, dass auch der scheidende Staatspräsident Nicolas Sarkozy sich nicht getraut hat, die 35-Stunden-Woche wieder abzuschaffen. Er hat lediglich erlaubt, mit Überstunden über dieses Limit hinauszugehen. Das schafft den Unternehmen zwar eine gewisse Flexibilität, steigert aber ihre Kostenbelastung.

    Im Bild: Die Champs Elysees in Paris

    Mehr Zeit für Cafè au lait: Zusammen mit Finnland ist Frankreich Europameister bei der Verringerung der Arbeitszeit. 1?679 Stunden pro Jahr leistet ein französischer Arbeitnehmer mit Vollzeitbeschäftigung, während sein deutscher Kollege es auf 1?904 Stunden bringt. Die Ursache für diesen großen Unterschied ist die im Jahr 2000 von den Sozialisten eingeführte Beschränkung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche. Die Linke hatte gehofft, damit die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und die Arbeitslosigkeit verringern zu können. Erreicht hat die Linke mit der Reform, dass die Kosten der Arbeit in Frankreich gestiegen sind - und zwar kräftig: War eine Stunde Industriearbeit vor zehn Jahren noch billiger als in Deutschland, ist sie heute Eurostat zufolge mit 35,60 Euro etwas teurer als bei uns. Der Anstieg hat damit zu tun, dass auch der scheidende Staatspräsident Nicolas Sarkozy sich nicht getraut hat, die 35-Stunden-Woche wieder abzuschaffen. Er hat lediglich erlaubt, mit Überstunden über dieses Limit hinauszugehen. Das schafft den Unternehmen zwar eine gewisse Flexibilität, steigert aber ihre Kostenbelastung.  Im Bild: Die Champs Elysees in Paris Quelle: ap
  • Jobs gerettet - so viel steht fest - hat die Arbeitszeitverkürzung nicht. Im Gegenteil: Die Arbeitslosenquote liegt in Frankreich den harmonisierten EU-Statistiken nach mit 10,0 Prozent fast doppelt so hoch wie derzeit in der Bundesrepublik. Dazu trägt auch bei, dass nur zehn Prozent der französischen Arbeitslosen eine Weiterbildung erhalten. Der schlecht funktionierende Arbeitsmarkt mindert vor allem die Chancen der Jugendlichen in Frankreich: Von ihnen sind mit 23 Prozent fast dreimal so viele ohne Job wie in Deutschland.

    Jobs gerettet - so viel steht fest - hat die Arbeitszeitverkürzung nicht. Im Gegenteil: Die Arbeitslosenquote liegt in Frankreich den harmonisierten EU-Statistiken nach mit 10,0 Prozent fast doppelt so hoch wie derzeit in der Bundesrepublik. Dazu trägt auch bei, dass nur zehn Prozent der französischen Arbeitslosen eine Weiterbildung erhalten. Der schlecht funktionierende Arbeitsmarkt mindert vor allem die Chancen der Jugendlichen in Frankreich: Von ihnen sind mit 23 Prozent fast dreimal so viele ohne Job wie in Deutschland. Quelle: dpa
  • Viel Masse, wenig Marge - das war jahrzehntelang das Markenzeichen deutscher Konzerne wie VW, Siemens und Henkel. Weniger Umsatz, dafür hohe Renditen - damit stachen die Franzosen mit ihren Vorzeigeunternehmen Total, Danone und Carrefour hervor. Doch mit der Rezession 2007/08 begann eine neue Zeitrechnung. Die Unternehmen erholten sich ganz unterschiedlich. Die Nettogewinne der 30 größten börsennotierten Unternehmen im Dax schnellten in den vergangenen drei Jahren um knapp 200 Prozent nach oben. In Frankreich schafften die 30 Top-Unternehmen ganze 19 Prozent.

    Viel Masse, wenig Marge - das war jahrzehntelang das Markenzeichen deutscher Konzerne wie VW, Siemens und Henkel. Weniger Umsatz, dafür hohe Renditen - damit stachen die Franzosen mit ihren Vorzeigeunternehmen Total, Danone und Carrefour hervor. Doch mit der Rezession 2007/08 begann eine neue Zeitrechnung. Die Unternehmen erholten sich ganz unterschiedlich. Die Nettogewinne der 30 größten börsennotierten Unternehmen im Dax schnellten in den vergangenen drei Jahren um knapp 200 Prozent nach oben. In Frankreich schafften die 30 Top-Unternehmen ganze 19 Prozent. Quelle: dapd
  • Mit jedem Euro Umsatz blieb bei den Deutschen im abgelaufenen Geschäftsjahr im Schnitt ein Reingewinn von 5,3 Cent übrig. Das ist nur 0,1 Cent weniger als im bisherigen Rekordjahr 2007. Die Franzosen dagegen arbeiteten mit einer Marge von 5,4 Prozent unprofitabler als 2007. Damals waren es noch 7,2 Cent. Die Angleichung der Profitabilität kommt einer Gezeitenwende gleich. Denn Frankreichs Börsenzettel vereint mit dem Ölkonzern Total und Luxusgiganten wie L'Oréal, LVMH und Pernod-Ricard viele Unternehmen mit traditionell hohen Margen, wie es sie in Deutschland nicht gibt. Das verzerrt den Schnitt bei den Franzosen nach oben. Düster fällt der Vergleich in der Industrie aus. Der Grund: Frankreichs Produktivität sinkt. Das zeigt der Anstieg der Lohnstückkosten: Sie erhöhten sich in Frankreich binnen zehn Jahren um 21 Prozent, in Deutschland aber nur um knapp neun Prozent.

    Mit jedem Euro Umsatz blieb bei den Deutschen im abgelaufenen Geschäftsjahr im Schnitt ein Reingewinn von 5,3 Cent übrig. Das ist nur 0,1 Cent weniger als im bisherigen Rekordjahr 2007. Die Franzosen dagegen arbeiteten mit einer Marge von 5,4 Prozent unprofitabler als 2007. Damals waren es noch 7,2 Cent. Die Angleichung der Profitabilität kommt einer Gezeitenwende gleich. Denn Frankreichs Börsenzettel vereint mit dem Ölkonzern Total und Luxusgiganten wie L'Oréal, LVMH und Pernod-Ricard viele Unternehmen mit traditionell hohen Margen, wie es sie in Deutschland nicht gibt. Das verzerrt den Schnitt bei den Franzosen nach oben. Düster fällt der Vergleich in der Industrie aus. Der Grund: Frankreichs Produktivität sinkt. Das zeigt der Anstieg der Lohnstückkosten: Sie erhöhten sich in Frankreich binnen zehn Jahren um 21 Prozent, in Deutschland aber nur um knapp neun Prozent. Quelle: Reuters
  • Babyboom: Ein beliebter Kalauer in Frankreich geht so: Welches Match gewinnen wir 2050 gegen die Deutschen? Antwort: das um die größere Bevölkerung. Unser Nachbar dürfte zur Mitte des Jahrhunderts erstmals mehr Einwohner haben als Deutschland. Seit dem Jahr 2000 ist die französische Bevölkerung um 6,5 Prozent auf 65,1 Millionen gewachsen, die deutsche um 0,5 Prozent auf 81,8 Millionen geschrumpft. Das geht nur teilweise auf die Zuwanderung zurück, wichtiger ist die merklich höhere Geburtenrate. Was die deutsche Familienpolitik bis heute nicht geschafft hat, ist den Franzosen gelungen: Ihre Geburten- übertrifft die Sterberate. Auf der anderen Seite des Rheins bringt eine Frau im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt, in Deutschland lautet der Wert 1,3.

    Babyboom: Ein beliebter Kalauer in Frankreich geht so: Welches Match gewinnen wir 2050 gegen die Deutschen? Antwort: das um die größere Bevölkerung. Unser Nachbar dürfte zur Mitte des Jahrhunderts erstmals mehr Einwohner haben als Deutschland. Seit dem Jahr 2000 ist die französische Bevölkerung um 6,5 Prozent auf 65,1 Millionen gewachsen, die deutsche um 0,5 Prozent auf 81,8 Millionen geschrumpft. Das geht nur teilweise auf die Zuwanderung zurück, wichtiger ist die merklich höhere Geburtenrate. Was die deutsche Familienpolitik bis heute nicht geschafft hat, ist den Franzosen gelungen: Ihre Geburten- übertrifft die Sterberate. Auf der anderen Seite des Rheins bringt eine Frau im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt, in Deutschland lautet der Wert 1,3. Quelle: dpa
  • Die positive Bevölkerungsentwicklung beruhigt die Franzosen, weil sie eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine wachsende Wirtschaft ist. Schrumpft die Zahl der Erwerbsfähigen wie in der Bundesrepublik, entlastet das nur kurzfristig den Arbeitsmarkt. Auf Dauer kann eine Volkswirtschaft nicht expandieren, wenn ihr die Arbeitskräfte ausgehen. Vorübergehend lässt sich durch ein höheres Renteneintrittsalter und die Steigerung der Erwerbsquote gegenhalten, aber diese Puffer sind bald aufgebraucht. Als zentrale Gründe für die größere Kinderfreundlichkeit der Franzosen gelten die Ganztagsschule und die auch ansonsten gut ausgebaute Kinderbetreuung. Sie ermöglichen es Frauen ebenso wie die mehr als in Deutschland verbreiteten flexiblen Beschäftigungsmodelle, Beruf und Familie zu vereinbaren. Zwar schieben auch Französinnen ihren Kinderwunsch auf, um beruflich voranzukommen - aber sie holen ihn später nach, während die Deutschen oft verzichten.

    Bild: Frauen bei einer Demonstration vor dem Wiesbadener Rathaus

    Die positive Bevölkerungsentwicklung beruhigt die Franzosen, weil sie eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine wachsende Wirtschaft ist. Schrumpft die Zahl der Erwerbsfähigen wie in der Bundesrepublik, entlastet das nur kurzfristig den Arbeitsmarkt. Auf Dauer kann eine Volkswirtschaft nicht expandieren, wenn ihr die Arbeitskräfte ausgehen. Vorübergehend lässt sich durch ein höheres Renteneintrittsalter und die Steigerung der Erwerbsquote gegenhalten, aber diese Puffer sind bald aufgebraucht. Als zentrale Gründe für die größere Kinderfreundlichkeit der Franzosen gelten die Ganztagsschule und die auch ansonsten gut ausgebaute Kinderbetreuung. Sie ermöglichen es Frauen ebenso wie die mehr als in Deutschland verbreiteten flexiblen Beschäftigungsmodelle, Beruf und Familie zu vereinbaren. Zwar schieben auch Französinnen ihren Kinderwunsch auf, um beruflich voranzukommen - aber sie holen ihn später nach, während die Deutschen oft verzichten. Bild: Frauen bei einer Demonstration vor dem Wiesbadener Rathaus Quelle: dpa
  • Schlechte Bildung: Auch Frankreich hat seinen Pisaschock hinter sich: Die 15-jährigen Franzosen schnitten beim letzten Pisa-Test Ende 2009 in allen Kategorien (Mathe?matik, Lesen, Naturwissenschaften) schlechter ab als die Deutschen. Sechs Jahre zuvor war es noch umgekehrt. Ein besonderer Makel für das Land der Egalitè ist, dass ähnlich wie in Deutschland auch im französischen Bildungssystem Menschen aus einer niedrigeren sozialen Schicht besonders schlechte Aufstiegschancen haben. In Frankreich ist ihr Risiko, in der Schule zu versagen, fast dreimal so hoch wie bei Kindern aus der oberen Mittelschicht. Das liegt klar über dem Mittelwert der OECD-Staaten. Mit Ganztagsschulen und Zentralabitur hat Frankreich zwar seit Jahren ein System, das als sinnvoll gilt und sich nach und nach auch in Deutschland durchsetzt. Doch in jüngster Zeit macht die französische Republik zu wenig daraus. Das Problem beginnt in der Primarschule: Da die Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten oder Migranten-Familien nicht ausreicht, kommen bis zu 40 Prozent der Kinder ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse aus der Grundschule.

    Schlechte Bildung: Auch Frankreich hat seinen Pisaschock hinter sich: Die 15-jährigen Franzosen schnitten beim letzten Pisa-Test Ende 2009 in allen Kategorien (Mathe?matik, Lesen, Naturwissenschaften) schlechter ab als die Deutschen. Sechs Jahre zuvor war es noch umgekehrt. Ein besonderer Makel für das Land der Egalitè ist, dass ähnlich wie in Deutschland auch im französischen Bildungssystem Menschen aus einer niedrigeren sozialen Schicht besonders schlechte Aufstiegschancen haben. In Frankreich ist ihr Risiko, in der Schule zu versagen, fast dreimal so hoch wie bei Kindern aus der oberen Mittelschicht. Das liegt klar über dem Mittelwert der OECD-Staaten. Mit Ganztagsschulen und Zentralabitur hat Frankreich zwar seit Jahren ein System, das als sinnvoll gilt und sich nach und nach auch in Deutschland durchsetzt. Doch in jüngster Zeit macht die französische Republik zu wenig daraus. Das Problem beginnt in der Primarschule: Da die Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten oder Migranten-Familien nicht ausreicht, kommen bis zu 40 Prozent der Kinder ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse aus der Grundschule. Quelle: dpa
  • Problem Stellenabbau: Der Trend zur Ghettobildung in den Vorstädten trägt viel dazu bei. Verschärft wird das Problem durch den seit Jahren anhaltenden Stellenabbau im öffentlichen Dienst, den Frankreichs Regierung stur auch im Bildungswesen vollzieht. Nur jede zweite frei werdende Stelle im öffentlichen Dienst wird wiederbesetzt. Mittlerweile erkennen beide politischen Lager, dass es so nicht weitergeht. François Hollande kündigte in seinem Wahlprogramm an, bis zu 60000 neue Stellen vor allem an den Vor- und Primarschulen zu schaffen und dafür in anderen Bereichen zu kürzen.

    Problem Stellenabbau: Der Trend zur Ghettobildung in den Vorstädten trägt viel dazu bei. Verschärft wird das Problem durch den seit Jahren anhaltenden Stellenabbau im öffentlichen Dienst, den Frankreichs Regierung stur auch im Bildungswesen vollzieht. Nur jede zweite frei werdende Stelle im öffentlichen Dienst wird wiederbesetzt. Mittlerweile erkennen beide politischen Lager, dass es so nicht weitergeht. François Hollande kündigte in seinem Wahlprogramm an, bis zu 60000 neue Stellen vor allem an den Vor- und Primarschulen zu schaffen und dafür in anderen Bereichen zu kürzen. Quelle: dpa
  • Finanzsystem: Frankreich hat mit BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale (SocGen) gleich drei Banken von internationaler Statur, die Bundesrepublik mit der Deutschen Bank nur eine. Im vergangenen Herbst sah es allerdings so aus, als ob die französische Stärke zu einem echten Problem würde: Die drei Großbanken gerieten wegen ihres starken Engagements in den südeuropäischen Schuldenstaaten an den Finanzmärkten extrem unter Druck, hinter den Kulissen bereitete die Regierung in Paris bereits Pläne für ihre Rettung vor. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. BNP und SocGen übererfüllen bereits die verschärften Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute, die diese krisenfester machen sollen. Das damit verbundene Abspecken der Bilanzen führte entgegen vielen Befürchtungen nicht zu einer Kreditklemme.

    Finanzsystem: Frankreich hat mit BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale (SocGen) gleich drei Banken von internationaler Statur, die Bundesrepublik mit der Deutschen Bank nur eine. Im vergangenen Herbst sah es allerdings so aus, als ob die französische Stärke zu einem echten Problem würde: Die drei Großbanken gerieten wegen ihres starken Engagements in den südeuropäischen Schuldenstaaten an den Finanzmärkten extrem unter Druck, hinter den Kulissen bereitete die Regierung in Paris bereits Pläne für ihre Rettung vor. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. BNP und SocGen übererfüllen bereits die verschärften Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute, die diese krisenfester machen sollen. Das damit verbundene Abspecken der Bilanzen führte entgegen vielen Befürchtungen nicht zu einer Kreditklemme. Quelle: Reuters
  • Finanzsystem: Frankreich hat mit BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale (SocGen) gleich drei Banken von internationaler Statur, die Bundesrepublik mit der Deutschen Bank nur eine. Im vergangenen Herbst sah es allerdings so aus, als ob die französische Stärke zu einem echten Problem würde: Die drei Großbanken gerieten wegen ihres starken Engagements in den südeuropäischen Schuldenstaaten an den Finanzmärkten extrem unter Druck, hinter den Kulissen bereitete die Regierung in Paris bereits Pläne für ihre Rettung vor. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. BNP und SocGen übererfüllen bereits die verschärften Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute, die diese krisenfester machen sollen. Das damit verbundene Abspecken der Bilanzen führte entgegen vielen Befürchtungen nicht zu einer Kreditklemme.

    Finanzsystem: Frankreich hat mit BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale (SocGen) gleich drei Banken von internationaler Statur, die Bundesrepublik mit der Deutschen Bank nur eine. Im vergangenen Herbst sah es allerdings so aus, als ob die französische Stärke zu einem echten Problem würde: Die drei Großbanken gerieten wegen ihres starken Engagements in den südeuropäischen Schuldenstaaten an den Finanzmärkten extrem unter Druck, hinter den Kulissen bereitete die Regierung in Paris bereits Pläne für ihre Rettung vor. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. BNP und SocGen übererfüllen bereits die verschärften Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute, die diese krisenfester machen sollen. Das damit verbundene Abspecken der Bilanzen führte entgegen vielen Befürchtungen nicht zu einer Kreditklemme. Quelle: AFP