Wenn wir die Situation realistisch einschätzen, kann dabei vorerst auch nicht auf Atomenergie verzichtet werden. Und damit bestehen große Zweifel am frühzeitigen Atomausstieg. Mittlerweile ist schon fast die Hälfte der Bundesbürger wieder dagegen. Ihre Zahl wird unter dem Preisdruck weiter steigen. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Deutschland eine Vorreiterrolle beim Atomausstieg einnimmt. Schließlich gibt es gute Gründe, sich so schnell wie möglich von den Restrisiken der Technologie zu befreien. Doch sollte man nicht so unvernünftig sein und den Ausstieg proben, bevor ausreichende Alternativen geschaffen sind.
Mit dem von der Vorgängerregierung verabschiedeten Atomkonsens wird aber genau das passieren. Der sieht nämlich vor, dass wir bereits im Jahr 2020 zum letzten Mal Strom aus deutschen Atomkraftwerken beziehen. Ab 2010 wird fast jedes Jahr in ein oder zwei Kraftwerken das Licht ausgemacht. Die Stromversorgung sinkt, und der Strom wird noch teurer.
Damit nimmt Deutschland keine nachahmenswerte Vorreiterrolle ein, sondern verhält sich mit dem rapiden Abbau seiner 17 Reaktoren unvernünftig und anachronistisch. Für alle anderen Industriestaaten gilt nämlich der Ausbau oder wenigstens die vorläufige Beibehaltung der Atomenergie als beschlossene Sache. Unser Nachbar Frankreich zeigt sich besonders entschlossen, seinen Bestand von 59 Reaktoren noch aufzustocken und sich damit unabhängiger zu machen.
Erreichen wir mit dem Ausstieg die ersehnte Sicherheit? Rund um den G8-Gipfel wurde deutlich, dass Deutschlands Sonderweg international missbilligt wird, weil die Kernenergie vorerst als eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Klimakatastrophe gilt. Selbst EU-Kommissionspräsident Barroso sah sich veranlasst, Deutschland an die Bedeutung der Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel und die steigenden Energiepreise zu erinnern.


