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02.07.2008 
So seh ich es

Studiengebühren schaffen Dynamik

von Lothar Späth

Die Einführung der Studiengebühren war aus mehreren Gründen ein richtiger Schritt. Klar ist, dass die Hochschulen für mehr Qualität mehr Geld brauchen. Aber ein Punkt, der gern vergessen wird, ist: Studenten absolvieren deutlich schneller ihr Studium.

"500 Euro tun nicht jedem gleichermaßen weh". Foto: APLupe

"500 Euro tun nicht jedem gleichermaßen weh". Foto: AP

In vielen Bundesländern werden mittlerweile Studiengebühren von 500 Euro pro Semester verlangt. Für ein Studium Gebühren plus Lebenshaltungskosten und Aufwendungen für Lernunterlagen aufzubringen, ohne nennenswerte Einnahmen nebenbei verdienen zu können, setzt voraus, dass man das Geld von den Eltern oder anderen Gönnern bekommt, es selbst vorher angespart hat oder per Kredit bezieht, den man später, nach Aufnahme eines entsprechend dotierten Jobs, wieder zurückzahlt. Man kann sich vorstellen, dass insbesondere diejenigen, die keine zahlungskräftigen Gönner im Hintergrund haben, davon nicht begeistert sind. Angeblich sind 70 Prozent aller Studierenden Gebührengegner.

Es gab schon lange nicht mehr so viel politisches Engagement an den Hochschulen wie im Zusammenhang mit den Studiengebühren. Da 500 Euro nicht jedem gleichermaßen wehtun, erscheint die Gebühr vielen als höchst ungerecht. Andere kritisieren die Gebühr, weil Deutschland im internationalen OECD-Vergleich schon jetzt zu wenig junge Menschen zum Hochschulabschluss führt. Es wäre gewiss fatal, wenn sich nun auch noch ein Teil der Studierwilligen aufgrund der finanziellen Belastung von seinen Plänen abbringen ließe. Ist also der eingeschlagene Weg richtig? Oder hat Hessen recht, die Studiengebühren schon wieder abzuschaffen?

Ich denke, die Einführung der Studiengebühren war aus mehreren Gründen ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Erstens: Die Hochschulen brauchen mehr Geld, um eine angemessene Lehrqualität zu bieten. Zweitens: Hochschulabsolventen profitieren von ihrem Abschluss ganz persönlich. Warum sollten die Kosten hierfür allein von der Allgemeinheit getragen werden? Ich halte drittens ein zu wenig beachtetes Argument für besonders wichtig: Wer für eine Leistung bezahlt, ist auch an deren Qualität stärker interessiert und strengt sich selbst mehr an, alles aus sich und dem Angebot herauszuholen.

Ich erwarte deshalb, dass sich auf Dauer sowohl die Lehre samt Rahmenbedingungen verbessern wird als auch die Studienzeiten sinken werden. Beide Veränderungen sollten im Interesse der Gesellschaft und der Studierenden liegen. Die Einführung einer Studiengebühr kann auf Dauer genau die Dynamik entfachen, die für Veränderungen notwendig ist und die im deutschen Hochschulwesen schon lange vermisst wird.

Professor Markus Voeth von der Universität Hohenheim untersucht seit Einführung der Studiengebühren die Haltung der Studierenden zur Gebühr und ihrer Verwendung. Seine Befragungen brachten beispielsweise hervor, dass in der Tat für sehr viele Studenten die Studiengebühr ein Ansporn ist, schneller zu studieren. Voeth hat auch festgestellt, dass es eine große Diskrepanz zwischen den objektiven Ausstattungsverbesserungen der Universitäten und den subjektiven Wahrnehmungen der Studierenden gibt. Hier müssen die Hochschulen den alten Staub in den Amtsstuben abschütteln und sich stärker als hochkarätiger und moderner Dienstleister verstehen.

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