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22.10.2007 
Studie zu den ökonomischen Folgen hoher Ölpreise

90 Dollar pro Barrel – na und?

von Olaf Storbeck

Die Weltwirtschaft erlebt seit Anfang 2002 einen Ölpreisschock, der der Krise der siebziger Jahre kaum nachsteht. Aber wo bleibt die "Stagflation", warum reagieren Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit heute ganz anders als damals? Die renommierten Makro-Ökonomen Olivier Blanchard und Jordi Gali geben in einer neuen Studie erstaunliche Antworten.

Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg 1973:  Wegen der Ölkrise gab es damals ein sonntägliches Fahrverbot. Quelle: dpaLupe

Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg 1973: Wegen der Ölkrise gab es damals ein sonntägliches Fahrverbot. Quelle: dpa

Es war ein ausgewachsenes Schreckensszenario, das im Frühjahr 2002 bei Konjunktur-Experten die Runde machte: Sollten die USA tatsächlich den Irak angreifen, könnte der Ölpreis nochmals deutlich steigen – womöglich sogar auf mehr als 30 Dollar pro Barrel.

Schon seit Jahresbeginn 2002 war der Ölpreis von 18 auf 26 Dollar geschossen. „Ölpreise jenseits der 30-Dollar-Grenze“, sorgte sich der damalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, „haben negative Auswirkungen auf die Konjunktur.“


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Tatsächlich kam es beim Ölpreis noch viel schlimmer: In mehreren Schüben ist er so drastisch gestiegen, wie es sich vor fünfeinhalb Jahren niemand vorstellen konnte. Inzwischen kostet ein Barrel (159 liter) der Marke Brent rund 84 US-Dollar. Die Marke WTI erreichte am Freitag sogar die Rekordmarke von 90 Dollar.

Doch ganz anders als in den siebziger Jahren ist der Ölpreis-Schock diesmal quasi spurlos an der Weltwirtschaft vorbei gegangen. Weder ist die Inflation außer Kontrolle geraten noch hat das Wirtschaftwachstum sichtbaren Schaden genommen. Gerade in den vergangenen Jahren lief die globale Konjunktur so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. So stellen die Ökonomen der OECD in einer Studie fest: „Ölpreis-Schocks haben nur moderate Folgen für die gesamtwirtschaftliche Produktion.“


» Infografik: Welche Faktoren den Ölpreis seit 1970 antreiben


Wie kann das sein? Seit den Ölkrisen der siebziger Jahre galt der kausale Zusammenhang zwischen hohen Ölpreisen und massiven Konjunktur-Problemen nicht nur in der öffentlichen Meinung, sondern auch in wirtschaftswissenschaftlichen Fachkreisen als gesichertes Wissen.

Haben Volkswirte in der Vergangenheit die Bedeutung der Ölpreise für die Konjunktur einfach überschätzt? Oder spielen sie heute eine geringere Rolle für die Realwirtschaft als früher?

Letzteres ist richtig – das zumindest ist die These von zwei der renommiertesten Makro-Ökonomen der Welt: Olivier Blanchard vom Massachusetts Institute of Technology und Jordi Gali von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, haben den Zusammenhang zwischen Ölpreisen und Konjunktur für die Zeit nach 1973 akribisch analysiert und kommen zu dem Schluss: Heute kann die Weltwirtschaft Ölpreis-Schocks deutlich besser verkraften. „Ölpreis-Schocks scheinen heute für die Konjunktur fast vernachlässigbar zu sein“, schreiben die Wissenschaftler – vor allem, weil sich „die Struktur der Weltwirtschaft verändert hat“.

In ihrer Studie haben sich die Forscher Zeiträume angeschaut, in denen die Ölpreise mindestens ein Jahr lang fünfzig Prozent höher waren als zuvor. Dies war seit den siebziger Jahren vier Mal der Fall: in den Jahren 1973/74, 1979/80, 1999/2000 sowie seit Anfang 2002. „Das Ausmaß der Verteuerung von Öl war in allen vier Perioden sehr ähnlich“, stellen die Ökonomen fest. Der heutige Ölpreis-Schock sei also keinesfalls milder ausgefallen als die Ölkrise der siebziger Jahre.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche ökonomischen Folgen hatte diese Entwicklung?

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