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11.10.2007 
Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik

Bruno Frey – der ökonomische Grenzverletzer

von Olaf Storbeck

Die deutschen Ökonomen hatten die Entscheidung mit Spannung erwartet: Wer ist der erste Volkswirt, der mit dem neuen Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik (VfS) ausgezeichnet wird? Am Donnerstag abend gab VfS-Präsident Friedrich Schneider das Ergebnis in München bekannt: Die Wahl fiel Bruno Frey. Ein Porträt des Ausnahmeökonoms.

Erster Stolper-Preis-Träger: Bruno FreyLupe

Erster Stolper-Preis-Träger: Bruno Frey

MÜNCHEN. Es gibt wenige Ökonomen im deutschsprachigen Raum, über die Fachkollegen mit so viel Bewunderung sprechen wie über Bruno Frey. Kai Konrad zum Beispiel, selbst einer der mit Abstand produktivsten Volkswirte Deutschlands, bezeichnet den 66-jährigen Professor aus Zürich als „großes Vorbild“. So manche von Freys Ideen, gestand Konrad einmal dem Handelsblatt, die hätte er auch gerne gehabt.

Seit Donnerstagabend ist klar: Die Mehrheit der 3 200 Mitglieder des Vereins für Socialpolitik (VfS) teilt diese Bewunderung für Frey. Die wichtigste Ökonomen-Vereinigung im deutschsprachigen Raum wählte Frey zum ersten Wirtschaftswissenschaftler, der die neue Auszeichnung des VfS erhält, den Gustav-Stolper-Preis. Das gab der VfS-Vorsitzende Friedrich Schneider am Donnerstag Abend auf der Jahrestagung des Verbandes in München bekannt. Im Vorfeld hatten die Mitglieder des Vereins im Internet über die Vergabe des Preises abgestimmt und mit großer Mehrheit für Frey plädiert.

Die mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung geht an herausragende Wissenschaftler, die sich besondere Verdienste bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit gemacht haben. Anders als der Gossen-Preis, mit dem der Verein junge Wissenschaftler für besondere Forschungsleistungen auszeichnet und der 2007 an den Baseler Ökonomen Georg Nöldeke geht, prämiert der Stolper-Preis den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit.


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Forschung und Kommunikation mit der Öffentlichkeit – bei den meisten Ökonomen im deutschsprachigen Raum sind das zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Anders als in den USA gibt es hier zu Lande eine klare Arbeitsteilung: Ein Ökonom ist oft entweder ein von der Welt abgewandter Forscher, oder aber er kümmert um den Transfer von Erkenntnissen, die nicht von ihm, sondern von anderen stammen.

Frey ist dabei eine der wenigen großen Ausnahmen – er ist in beiden Gebieten eine Kapazität. Kein deutschsprachiger Volkswirt hat so viel in internationalen Top-Zeitschriften veröffentlicht wie Frey, zeigt das Handelsblatt-Ökonomenranking. Die Download-Statistiken der Internet-Forschungsplattform Repec weisen ihn als den deutschsprachigen Wissenschaftler aus, dessen Arbeiten weltweit am häufigsten heruntergeladen werden. Gleichzeitig aber ist Frey mit Interviews, Gastbeiträgen und Vorträgen regelmäßig in der breiten Öffentlichkeit präsent.

Und all das ist für Frey keine lästige Pflicht ist, sondern er nimmt es ernst – wie ernst, das verdeutlichen die Türen und Schränke in seinem Uni-Büro, die über und über mit Zeitungsartikeln beklebt sind, die sich mit Frey und seiner Arbeit beschäftigen. „Ökonomen haben eine Aufgabe in der Gesellschaft“, lautet das Credo des Professors. Der traditionellen VWL wirft er seit Jahren „zu viel Mathematik, Formalisierung und irrelevante Annahmen“ vor. Volkswirte müssten ihren Horizont um die Erkenntnisse von Politologen, Soziologen und Psychologen erweitern. Frey ist eine Art systematischer Grenzverletzer der traditionellen Wirtschaftswissenschaft.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Frey fand heraus: Fernsehen und Pendeln machen unglücklich

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