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11.07.2007 
Finanzsystem

Das Ende der großen Welle

von Michael Maisch

Wie ein langer, ruhiger Strom fließt das Geld seit Jahren durch die Märkte der Welt. Finanzinvestoren suchen nahezu verzweifelt nach neuen Möglichkeiten, Kapital zu investieren. Doch Kritiker sehen bereits jetzt eine gewaltige, kurz vor dem Platzen stehende Blase. Was geschieht aber dann mit dem Finanzsystem?

Wie nachhaltig ist der Liquiditätsstrom? Foto: dpaLupe

Wie nachhaltig ist der Liquiditätsstrom? Foto: dpa

Genau 8 600 und einen Diamanten hat der britische Künstler Damian Hirst auf einen Totenschädel aus Platin geklebt. „For the love of God“ heißt das morbide Werk, das zurzeit in der Galerie White Cube im noblen Londoner Westend vor sich hinfunkelt. 75 Millionen Euro soll das teuerste Werk der Gegenwartskunst kosten. Und angeblich ist der glänzende Totenkopf schon lange verkauft.

Das wäre nicht weiter erstaunlich, denn moderne Kunst ist „in“, nicht nur bei Sammlern, sondern auch bei Spekulanten wie Hedge-Fonds. Diese haben das boomende Geschäft mit dem Schönen, Guten und Wahren längst für sich entdeckt.

Mittlerweile gibt es wohl keinen Markt, auf dem sich die Hedge-Fonds noch nicht versucht hätten. Die Spekulanten finanzieren Filme in Hollywood, kaufen alte Weine und erwerben die Rechte an jungen Fußball-Talenten.

Die immer exotischeren Ideen der Hedge-Fonds sind nur ein Beispiel für die verzweifelte Suche der Investoren nach frischen, unverbrauchten Anlagemöglichkeiten. Die Welt schwimmt im Geld. Und das macht es schwierig, neue Märkte zu entdecken, die noch lukrative Renditen bieten. Eine gigantische Liquiditätswelle schwappt rund um den Globus und hebt die Preise aller Vermögensklassen in immer neue Höhen: von chinesischen Aktien über Londoner Luxusimmobilien bis hin zu Hirsts Diamanten-Schädel. Vor allem diese Liquiditätswelle ist es, die den Boom an den Märkten treibt und den Anlegern lange Zeit die beste aller Welten beschert hat. Eine Welt, in der die Aktienkurse stetig steigen und die Zinsen auf historischen Tiefständen vor sich hindümpeln. Eine Welt, in der Kurse und Preise so stabil sind, dass Anleger gerne bereit sind, immer höhere Risiken einzugehen, um sich etwas mehr Rendite zu sichern.

Doch die entscheidende Frage lautet: Wie nachhaltig ist der Liquiditätsstrom? Haben Veränderungen im Gefüge der Weltwirtschaft und moderne Finanztechnik die Märkte wirklich auf ein neues Niveau gehoben? Oder gilt die Weisheit „What goes up, must come down“ immer noch?

Die Sorge wächst, dass die Vertreibung aus dem Paradies nicht mehr lange auf sich warten lässt, mit gravierenden Folgen für die Finanzmärkte und am Ende auch für die Weltwirtschaft. Die Warnzeichen werden häufiger und heftiger: plötzliche Einbrüche an den Aktienbörsen, eratische Ausschläge bei den langfristigen Zinsen, wachsende Risikoscheu der Investoren. Was passiert, wenn die bislang so üppige Liquidität, an die sich die Märkte wie an eine Droge gewöhnt haben, plötzlich austrocknet?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Möglichkeit einer riesigen Blase

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