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11.07.2007 

Der Entzugsschock wäre brutal. Schon im Frühjahr warnte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Lorenzo Bini Smaghi, vor abrupten Kurskorrekturen, die sich wie eine ansteckende Krankheit von Markt zu Markt ausbreiten könnten. Wenn alle Anleger plötzlich die Angst erfasst, wenn alle durch die gleiche Tür flüchten wollen, kann es sehr schnell sehr eng werden. Noch herrschen an den Märkten glänzende Zeiten. Aber der Glanz kann, wie Hirsts Kunstwerk zeigt, bereits den Keim von Dekadenz und Verfall enthalten.

Die Diagnose des Phänomens Liquiditätswelle ist eindeutig: Den Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge ist die weltweite Wirtschaftsleistung zwischen 1995 und 2005 um 52 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich aber der Wert der an den Weltbörsen notierten Aktien auf über 50 Billionen Dollar fast verfünffacht. Auch die Deutsche Bank hat nachgerechnet: Nach ihren Zahlen wuchs die globale Wirtschaft von 1996 bis 2006 um 60 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Geldmenge um 90 Prozent.

Auch nach den Folgen der Geldschwemme muss man nicht lange suchen. Seit Monaten eilen viele Märkte von einem Rekord zum nächsten: Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2007 Firmen im Wert von 2,3 Billionen Dollar übernommen, über 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig nahmen die Unternehmen neue Schulden in Höhe von 1,5 Billionen Dollar auf, ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2006.

Woher kommt das viele Geld? Am Anfang der Kette stehen die Zentralbanker, allen voran der Ex-Chef des mächtigen amerikanischen Federal Reserve Systems, Alan Greenspan. Für die einen ist er der Schutzheilige der Finanzmärkte, der mit großzügiger Geldpolitik dafür sorgte, dass die US-Wirtschaft einen lange anhaltenden Boom erlebt und die Märkte die Folgen der Technologieblase glimpflich überstanden. Für andere ist Greenspan ein Schurke. Kritiker werfen ihm vor, dass er in den 90er-Jahren die Leitzinsen, also den „Preis“ für Geld, zu niedrig ansetzte und damit eine wesentliche Voraussetzung für die Technologieblase erst schuf.

Als die Blase 2001 platzte, verhinderte die Fed nach Meinung der Skeptiker durch zu großzügige Zinssenkungen einen echten, reinigenden Ausverkauf. Und als die Kurse nach 2003 wieder zu steigen begannen, erhöhte sie zu zaghaft die Zinsen. Greenspans Kritiker glauben deshalb, dass die Märkte auf der größten Liquiditätsblase aller Zeiten sitzen, und diese muss irgendwann platzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Transparenz ist überlebenswichtig

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