0 Bewertungen
14.10.2007 
Reinhard Selten-Preis

Das erste Mal

von Dorit Heß

Er darf im Jahr der Preisverleihung nicht älter als 32 Jahre sein. Er muss eine originelle und zugleich methodisch saubere Arbeit abgeliefert haben. Und dafür bekommt er 3000 Euro. Es dreht sich um den Autor des in diesem Jahr erstmals vergebenen Young Author Best Paper Award, dem Reinhard Selten-Preis des Vereins für Socialpolitik.

Gabriel Felbermayr erhielt als erster Ökonom den Reinhard Selten-PreisLupe

Gabriel Felbermayr erhielt als erster Ökonom den Reinhard Selten-Preis

Gabriel Felbermayr heißt der Preisträger 2007. Mit der neuen Auszeichnung hat der Verein für Socialpolitik auf seiner Jahrestagung in München einen Ökonom für dasjenige Paper geehrt, „das sich am stärksten durch Originalität, eine relevante Fragestellung und eine anspruchsvolle Methodik auszeichnet“.

Der Tübinger Felbermayr hat nach Ansicht der Jury genau das geschafft. Seine Erkenntnis: Infrastrukturinvestitionen konzentrieren sich immer auf die Mitte einer Region, weil die positiven externen Effekte auf andere Gebietskörperschaften im politischen Prozess unberücksichtigt bleiben. Die Folge: Es entsteht eine schlechte Transportinfrastruktur in Grenzregionen. Dadurch sind die Transportkosten über Ländergrenzen hinweg höher als innerhalb eines Landes.

Mit seiner Forschungsarbeit „International Trade and the Political Economy of Transport Infrastructure“ habe Felbermayr eine Erklärung für den so genannten Grenzeffekt ("border effect") geliefert, so die Jury. Will heißen: Auch wenn es keine Handelsbeschränkungen gibt, wird über Ländergrenzen hinweg sehr viel weniger gehandelt als mit Regionen, die ebenso weit entfernt sind, aber innerhalb der Ländergrenzen liegen.

Was in der Außenhandelspolitik viel diskutiert wird, hat der Nachwuchswissenschaftler der Jury zufolge mit einer "vorwiegend theoretischen Analyse auf methodisch sehr hohem Niveau" gezeigt. Eine empirische Untersuchung der französischen Transportinfrastruktur unterstütze die zentrale Hypothese obendrein.

Felbermayr hat nach seinem VWL-Studium in Linz an dem Europäischen Hochschulinstitut in Florenz 2004 promoviert. Nach einem Jahr bei McKinsey in Wien schlug er wieder den akademischen Weg ein und habilitiert seit 2005 am außenwirtschaftlichen Lehrstuhl von Wilhelm Kohler in Tübingen. Mit ihm hat der junge Ökonom bereits im angesehenen International Economic Review publiziert.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterTop-Downloads

Hot Papers in VWL und BWL  Artikel in Merkliste

31.08.2008

Sind Spekulanten für die enormen Preisanstiege von Rohöl verantwortlich? Wie können Unternehmen in virtuellen Welten wie "Second Life" Geld verdienen? Und wie lassen sich überbewerte Aktien möglichst frühzeitig erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ökonomische Forschungspapiere, die derzeit im Web besonders häufig herunterladen werden. Lesen Sie mehr über diese "Hot Paper" Artikel


weiterDas Grüner-Blog

Was wissen wir über Konjunkturprogramme? 

10.11.2008Das Grüner-Blog

Es ist verblüffend, wie viel Befürworter (z.B. Joschka Fischer) und Gegner ("bloßes Strohfeuer") großer Konjunkturprogramme über die Wirkung der Programme zu wissen glauben. Denn eigentlich wissen wir darüber viel zu wenig. Blog


weiterKrämers Konjunktur-Kommentar

Deutschland: Zahl der Arbeitslosen wird bald steigen 

27.11.2008Krämers Konjunktur-Kommentar

Heute morgen hat die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktdaten für November veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Arbeitslosen bereinigt um saisonale Einflüsse gegenüber Oktober um 10 Tausend gefallen. Blog


weiterHarald Uhlig - Makro und mehr

Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis? Ein Update. 

02.11.2008Harald Uhlig - Makro und mehr

So hieß die Überschrift meines Blogs vom 28. September dieses Jahres, den die Handelsblatt-Redaktion gelöscht hatte.   Aber dieser “update” hier darf wohl sein.   Alle vier Banken sind inzwischen schon auf staatlicher Intensiv-Station oder werden es sehr bald sein. Blog