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27.05.2008  | Aktualisiert 28.05.2008, 15:34 Uhr 
House of Finance vor der Eröffnung

Das Experiment beginnt

von Olaf Storbeck

26 Millionen Euro hat sich Hessen das House of Finance an der Frankfurter Uni kosten lassen. Künftig sollen dort Betriebswirte, Volkswirte und Juristen gemeinsam forschen. Ob das gutgeht, ist noch offen. Sicher dagegen ist: Endlich können die Forscher auch Bankvorstände guten Gewissens auf ihre Toilette schicken.

Das House of Finance der Frankfurter Uni kurz vor der Eröffnung. (Foto: Olaf Storbeck)Lupe

Das House of Finance der Frankfurter Uni kurz vor der Eröffnung. (Foto: Olaf Storbeck)

Es ist diese harmlose Frage nach der Toilette, vor der es Andreas Hackethal regelmäßig graut. Immer dann, wenn der Frankfurter Finance-Professor und Vorstand der Goethe Business School hochkarätige Manager in seine Vorlesungen eingeladen hat. "Wenn die nach der Toilette fragen, kriege ich jedes Mal Angstzustände", erzählt Hackethal. Denn die Sanitäranlagen sind wie der gesamte Campus der Uni in Bockenheim in einem jämmerlichen Zustand. "Einen Bankvorstand", sagt der Professor, "können Sie da eigentlich nicht zur Toilette schicken." Peinlich auch, dass es kaum eine Vorlesung gibt, in der die Mikrofonanlage störungsfrei funktioniert.

In wenigen Wochen ist Hackethal all diese Probleme los - im Juli wird er mit seinen Kollegen von der Goethe Business School ins nagelneue House of Finance einziehen. Ein Prachtbau direkt am lauschigen Grüneburgpark im noblen Westend, geplant vom renommierten Berliner Architekturbüro Kleihues und Kleihues, gut 26 Millionen Euro teuer. Hier stimmt jedes Detail, natürlich auch auf den Toiletten.


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Am kommenden Freitag wird das Prestigeprojekt von Uni, Land und Finanz-Community offiziell eröffnet. Jede Menge Prominenz hat sich dafür angekündigt - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Bundesbank-Chef Axel Weber, Ex-Weltbank-Chef James Wolfensohn und der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing.

7 000 Quadratmeter Raum werden sie feiern, eingerichtet mit feinstem Marmor und edlem Eichenparkett; vier Etagen lichtdurchflutete Hörsäle und schick verglaste Büros. Ein Gebäude, "gebaut für die nächsten 100 Jahre", wie ein Unisprecher versichert. Mit einem Ambiente, das eher an die Repräsentanz einer Investmentbank erinnert als an eine staatliche deutsche Universität.

So überkandidelt das Gebäude architektonisch auch erscheinen mag - die Idee, die hinter dem House of Finance steht, ist sinnvoll. Bei der Umsetzung aber sind viele Details noch nicht ganz überzeugend.

Die Universität will ihren gesamten Sachverstand zu den Themen Geld, Kapitalmärkte und Banken bündeln - quer über alle Fakultäts- und Institutsgrenzen hinweg: Betriebswirte, die zu Bank- und Finanzierungsfragen forschen; Volkswirte, die zu Makroökonomie und Geldpolitik arbeiten, und Juristen, die sich auf Kapitalmarkt- und Wertpapierrecht spezialisiert haben. An die 30 Lehrstühle, fünf Forschungsinstitute der Uni und die Goethe Business School ziehen in das neue Gebäude - insgesamt fast 180 Wissenschaftler.

Die Hochschule will nicht mehr als Gemischtwarenladen daherkommen, sondern ein klares Profil entwickeln - das gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr wissenschaftlicher Exzellenz. So folgte die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern der Philosophie, starke Fachbereiche weiter zu stärken.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum viele Beobachter skeptisch sind

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