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26.06.2006 
Neuroökonomie

Das Flüstern der Black Box – Ökonomen blicken ins Gehirn

von Olaf Storbeck

Der Schweizer Ökonom Ernst Fehr ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Neuroökonomie. Gemeinsam mit Hirnforschern und Psychologen versucht er, Determinanten wirtschaftlicher Entscheidungsprozesse zu analysieren.

ZÜRICH. Das Gerät steht tief unter der Erde in einem fensterlosen Raum im zweiten Kellergeschoss des Züricher Universitätsspitals. Der Weg dahin führt über lange, mit kaltem Leuchtstoffröhrenlicht beleuchtete Flure. „Achtung: starkes Magnetfeld!“, warnt ein Schild an der letzten Hürde, einer zehn Zentimeter dicken Stahltür, vor der man alle metallischen Gegenstände abgeben muss. Dahinter steht ein übermannshoher Apparat, der an einen Computertomographen erinnert und mit dem man Menschen beim Denken zugucken kann – ein Gehirnscanner der Marke Philips.

Dies ist nicht der Ort, an dem man Wirtschaftswissenschaftler vermuten würde. Der Züricher Ökonom Ernst Fehr jedoch treibt hier unten seine Forschung voran – gemeinsam mit Hirnforschern und Psychologen. Fehr ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Neuroökonomie.

Dabei handelt es sich um eine noch junge Disziplin: Seit wenigen Jahren untersuchen Hirnforscher und Wirtschaftswissenschaftler gemeinsam, welche Prozesse in unserem Gehirn ablaufen, wenn wir wirtschaftliche Entscheidungen treffen. „Neuroökonomie ist die Heirat von Hirnforschung und experimenteller Wirtschaftsforschung“, sagt Fehr. Grundlegende Fragen des menschlichen Zusammenlebens stehen dabei im Zentrum: Wann vertrauen Menschen einander, wann kooperieren sie? Welche Umstände führen dazu, dass ein Mensch soziale Normen bricht?

Schon seit gut zwei Jahrzehnten untersuchen Wirtschaftsforscher diese Themen mit Rollenspielen. Dabei zeigte sich, dass sich Menschen in vielen Situationen nicht so verhalten, wie es Ökonomen gemeinhin annehmen. Die Modelle der Wirtschaftswissenschaftler sind bevölkert von der Spezies „Homo Oeconomicus“, die streng rational und eigennützig handelt. Tatsächlich aber agieren wir in vielen Fällen als soziale Wesen, kooperieren und treffen Entscheidungen, die unseren Interessen zuwiderlaufen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für die Ökonomie ist das Vorgehen Fehrs eine Revolution.

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