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30.07.2007 
Schätzungen zur Schattenwirtschaft

Das schwarze Rätsel

von Jens Tönnesmann

Sie sind überall. In Stadtparks und in Chefetagen, in Fabrikhallen und Tiefgaragen. Rund 13 Millionen Deutsche verdienen sich unter der Hand etwas dazu. Nach aktuellen Forschschungsergebnissen ist die Schwarzarbeit einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes – aus gutem Grund.

Schwarzarbeit? Viele Deutsche betrachten das als 'steuerliche Notwehr'. Foto: dpaLupe

Schwarzarbeit? Viele Deutsche betrachten das als 'steuerliche Notwehr'. Foto: dpa

Fast jeder zweite Deutsche über 18 Jahre wäre zu Schwarzarbeit bereit, wenn sich die Gelegenheit ergäbe, zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Immerhin jeder Dritte hat im vergangenen Jahr schwarz erbrachte Leistungen in Anspruch genommen. Und jeder fünfte gibt zu, selber schwarzgearbeitet zu haben – ohne Rechnung, nach dem „BAT“-Prinzip: Bar auf die Tatze.

Friseure und Fleischer, Putzfrauen und Programmierer, Gärtner und Grafiker: Die rund 13 Millionen Deutschen, die sich unter der Hand etwas dazu verdienen, formen eine Wirtschaft im Halbdunkel der Illegalität. Eine Wirtschaft, die zwar das Einkommen und den Lebensstandard hebt, aber in den offiziellen Statistiken zum Bruttoinlandsprodukt ausgeblendet wird.


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Amtliche Zahlen über die Schattenwirtschaft vorzulegen, sei „ein Widerspruch in sich“, schreibt das Statistische Bundesamt über die vielleicht wichtigste Dunkelziffer der Republik. Schließlich seien „Zuverlässigkeit, Objektivität und wissenschaftliche Nachprüfbarkeit entscheidende Merkmale jeder amtlichen Statistik“.

Zwei, die Licht ins Dunkel bringen und wissenschaftlich nachprüfbare Zahlen liefern wollen, sind der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider und der IW-Forscher Dominik Enste. Das Dilemma ihres Forschungsthemas kennen sie nur zu gut. „Die Schattenwirtschaft ist zwar wirtschaftlich relevant, aber sie ist eines der schwierigsten Forschungsthemen“, sagt Schneider. „Es gibt wenige Daten, die Methoden sind extrem schwierig zu lernen und die Ergebnisse sind sehr sensitiv, also nicht immer sehr robust.“

Schon die Definition von Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit ist umstritten. Es gibt keine international eindeutige Begriffsbestimmung – mal wird Schattenwirtschaft mit Schwarzarbeit gleich gesetzt, mal schließt sie den Verkauf von Waren ohne Rechnung ein, mal strafbare Aktivitäten wie den Drogenhandel. Enste und Schneider orientieren sich am Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. „Danach werden in der Schattenwirtschaft zwar legale Güter und Dienstleistungen gehandelt, aber sie werden illegal erstellt“, sagt Enste. „Ein Einbruch oder der Handel mit Drogen zählt also nicht zur Schatten-, sondern zur Untergrundwirtschaft.“ Auch Selbstversorgungswirtschaft und Nachbarschaftshilfe, sofern sie nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, sind davon ausgenommen

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kritiker sprechen von "ökonomischem Voodoo"

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