06.06.2007

Produktivität: Der Chef ist schuld

Seit zwölf Jahren geht die Produktivitätsschere zwischen den USA und Europa zunehmend auf. Die Forscher rätselten bisher, warum in amerikanischen Unternehmen pro eingesetzter Arbeitsstunde ein immer höherer Ertrag herauskommt. Das Londoner Centre of Economic Performance (CEP) hat nun in mehreren Studien eine Lösung für das Rätsel geliefert.

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Ein Ergebnis der Studien: Chefs sollten sich ihren Kaffee selbst kochen. Foto: dpaLupe

Ein Ergebnis der Studien: Chefs sollten sich ihren Kaffee selbst kochen. Foto: dpa

FRANKFURT. Es ist das morgendliche Ritual in vielen deutschen Chefetagen. Säuberlich auf Papier ausgedruckt legt die Sekretärin die Mails neben die dampfende Kaffeetasse. Dabei hatte ihr Chef sich gerade erst den neuen Computer mit dem schnellsten Prozessor auf den Schreibtisch stellen lassen.

Was wie eine nette Schrulle aus dem Arbeitsalltag wirkt, ist möglicherweise die Erklärung für eines der wohl drängendsten ökonomischen Rätsel der Gegenwart. Das Problem: Seit zwölf Jahren geht die Produktivitätsschere zwischen den USA und Europa zunehmend auf. Die Forscher rätselten bisher, warum in amerikanischen Unternehmen pro eingesetzter Arbeitsstunde ein immer höherer Ertrag herauskommt. Und das fast ausschließlich in den Branchen, in denen Informationstechnologie (IT) besonders wichtig ist.

Das Londoner Centre of Economic Performance (CEP), eines der führenden universitären Forschungsinstitute Europas, hat nun in mehreren Studien eine Lösung für das Rätsel geliefert. Die Forscher konnten eindeutig nachweisen, dass amerikanische multinationale Unternehmen nicht nur mehr in IT investieren, sondern aus jedem investierten Dollar mehr Produktivitätsgewinn herausholen als europäische Multis. Und das, selbst wenn sie sich außerhalb ihres Heimatgebiets bewegen, etwa in Großbritannien.

Als Grund machten sie hierarchische Strukturen und starrere Aufgabenverteilungen in europäischen Firmen aus. US-Firmen können ihre Organisationsform viel schneller an die Erfordernisse und Möglichkeiten der neuen Techniken anpassen. „Die US-Unternehmen holen mehr aus ihrer Informationstechnologie heraus“, bestätigt Andreas Hartl, Manager des Softwareriesen Microsoft, die Studienergebnisse. „In den USA sind die Entscheidungswege kürzer. IT-Innovationen werden deshalb viel schneller umgesetzt.“

„Ohne eine Änderung der internen Organisation bringen zusätzliche IT-Investitionen wenig“, schreibt CEP-Direktor John Van Reenen den europäischen Unternehmen ins Stammbuch. Seine Empfehlung an die Firmenchefs, die das amerikanische „Produktivitätswunder“ nachahmen wollen: „Bauen Sie Hierarchien ab, und geben Sie den unteren Ebenen anspruchsvollere Aufgaben.“ Der Wirtschaftspolitik empfiehlt er, arbeitsrechtliche Hindernisse für die Umstrukturierung zu beseitigen und den Personalabbau zu erleichtern.

Doch nicht nur Arbeitnehmer, die die Entlassung fürchten, sitzen im Bremserhäuschen. Die Chefs sind schuld, so das CEP-Ergebnis. Denn die müssten künftig nicht nur selber ihren Kaffee kochen. Sie müssten auch ihre Mails eigenhändig beantworten, und, schlimmer noch, sie verlören einen Teil ihres Informationsvorsprungs vor ihren Mitarbeitern.

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Q3 2009 Q2 2009 Q1 2009 Q4 2008
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