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30.09.2008 

Der Google-Ökonom

von Christine Mattauch

Hal Varian war ein erfolgreicher Professor und hat Lehrbücher über Mikro-Ökonomie geschrieben, die Generationen von Studenten geprägt haben. Bis er Theorie gegen Praxis eintauschte und als Chefökonom zu dem Internet-Riesen ging. Dem Handelsblatt erzählt er, was er seitdem erlebt hat.

Hal Varian, Chefökonom bei Google. (Foto: Joi Ito, http://joi.ito.com)Lupe

Hal Varian, Chefökonom bei Google. (Foto: Joi Ito, http://joi.ito.com)

Zumindest ist bei Google das Essen gut. Jeden Mittag hat Hal Varian in der Kantine die große Auswahl - zwischen asiatischer Küche, mexikanischer, italienischer und indischer.

Ein Umstand, den der Wirtschaftsprofessor, leiblichen Genüssen nicht abgeneigt, durchaus erwähnenswert findet. "Das Essen ist ausgezeichnet", lobt der Mann mit dem charakteristischen Seitenscheitel und dem ansteckenden Lachen. Auch bei internen Besprechungen werden Google-Mitarbeiter verwöhnt: Sie müssen nur ein Schild an der Tür umdrehen, und schon bringt ein Kellner Getränke und Knabberzeug.

Solche Annehmlichkeiten hatte der frühere Arbeitgeber von Varian, die kalifornische Universität Berkeley, nicht zu bieten. Zwölf Jahre war der heute 61-jährige Ökonom einer der Stars an der kalifornischen Elitehochschule, davon acht Jahre als Dekan an der School of Information Management and Systems. Zuvor hatte er fast 20 Jahre an der University of Michigan unterrichtet.

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Eine lupenreine und erfolgreiche Universitätskarriere: Durch Lehrbücher wie "Grundzüge der Mikroökonomik" prägte Varian ganze Studentengenerationen; in verständlichen Fachbüchern wie dem Bestseller "Information Rules" (deutsch: "Online zum Erfolg") brachte er einem breiten Publikum die Gesetze der Internet-Wirtschaft nahe. Varian schrieb das Buch bereits 1997, für viele war es eine Bibel der New Economy. Auch der heutige Google-Chef Eric Schmidt las es und schickte dem Ökonomen Kommentare.

Varian war zwar stets an der Praxis interessiert, doch in seiner Arbeit Wissenschaftler durch und durch. Deshalb war es eine Überraschung, als er vor gut einem Jahr seinen Lehrstuhl verließ und Chefvolkswirt von Google wurde. Heute leitet er eine Abteilung mit rund 40 Mitarbeitern und beschäftigt sich mit allem, was innerhalb des Unternehmens im weitesten Sinne mit Volkswirtschaft zu tun hat: "Gestaltung von Auktionsmodellen, Ökonometrie, Finanzen, Unternehmensstrategie und Öffentlichkeitsarbeit", so seine Stellenbeschreibung.

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