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29.07.2008 
Neuro-Ökonomie

Der Grundsatz-Streit um das Gehirn

von Olaf Storbeck

Was bringt die Hirnforschung der Volkswirtschaftslehre? Neuro-Ökonomen postulieren für ihr Fach eine Revolution – haben aber Mühe, ihre Versprechen zu erfüllen. Und bekommen nach der Anfangseuphorie vor ein paar Jahren jetzt kräftigen Gegenwind.

DÜSSELDORF. Wer Ernst Fehr über all die Geräte reden hört, die er für seine Arbeit braucht, der könnte meinen, er habe den Chefarzt einer neurologischen Klinik vor sich. Einen hochmodernen 3-Tesla-Gehirnscanner hat der Professor aus Zürich im Einsatz, ein Gerät zur transkraniellen Magnetstimulation des Gehirns, ein eigenes EEG- und ein Pharmakologie-Labor. Mehr als drei Millionen Euro hat all die Ausstattung gekostet.

Allerdings: Fehr untersucht keine Kranken, sondern kerngesunde Menschen. Er ist Volkswirt – einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der Neuro-Ökonomie.

Kaum ein anderer Forschungszweig in der Ökonomie erlebt derzeit einen solchen Boom wie die Kombination aus Hirnforschung und Wirtschaftswissenschaft. „Am Anfang hat die Mainstream-VWL Neuro-Ökonomie belächelt, wenn nicht gar ausgelacht. Heute gilt sie als eines der modernsten und am schnellsten wachsenden Teilgebiete in der VWL“, sagt der Betriebswirt Karl Schmedders, der jüngst von der Northwestern University nach Zürich wechselte.

Der neue Forschungszweig ist allerdings alles andere als unumstritten. Viele traditionelle Wirtschaftswissenschaftler bezweifeln, ob der Neuro-Ansatz ihr Fach weiterbringt. „Die Fragen, mit denen sich Neuro-Ökonomen beschäftigen, sind nicht die, die sich Mainstream-Ökonomen traditionell stellen“, bringt Stanford-Ökonom B. Douglas Bernheim den zentralen Einwand auf den Punkt. Die Antworten seien daher für die VWL kaum relevant.

Zudem zeigt sich in zunehmendem Maße: Die hohen Erwartungen, die die Pioniere in ihrer Anfangseuphorie vor wenigen Jahren geweckt haben, kann das Fach bislang nicht erfüllen. Zwar ist das Verständnis darüber, was im Gehirn vor sich geht, wenn ein Mensch ökonomische Entscheidungen trifft, in den vergangenen Jahren gewachsen. Nennenswerte Rückwirkungen auf die restliche Wirtschaftswissenschaft zeichnen sich bislang allerdings nicht ab.

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