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17.03.2008 

Was lässt sich dagegen tun?

Ein Problem ist, dass Sie als Stromerzeuger für den Verkauf des Produkts Geld bekommen, aber nicht für die Bereitstellung von Kapazitäten, die eine zuverlässige Stromversorgung garantieren. Dies kann und sollte man ändern. Auch ist es richtig, wenn Stromerzeuger zunehmend Nachfrager aus der Industrie mit ins Boot holen, die sich am Bau von Kraftwerken beteiligen. So lassen sich die hohen Investitionskosten auf mehrere Schultern verteilen. Das Modell hat einen zusätzlichen Nebeneffekt: Die Nachfrager erkennen, wie unglaublich teuer es ist, ein Kraftwerk zu bauen, und dass die Preise dies bisher kaum hergeben.

Sie betonen die Probleme beim Ausbau der Erzeugung. Aber behindert die hohe Konzentration einen funktionierenden Markt nicht viel stärker? 80 Prozent der Erzeugungskapazitäten liegen in der Hand der vier Großen.

Das hat keinen großen Einfluss auf die Preise. Ich kenne keine Studie, die für Strommärkte einen nennenswerten Zusammenhang zwischen Marktstruktur und Preisen herstellt.

Wie bitte? Das ist doch eine ökonomische Grunderkenntnis.

Das stimmt, aber das bezieht sich nicht auf normale Strommärkte. Der Strommarkt funktioniert nicht wie der Markt für Äpfel oder Autos. Mit der Intuition kommen sie da oft nicht weiter.

Warum nicht?

Ein wichtiger Grund ist, dass sie Strom nicht lagern können. In der meisten Zeit gibt es auf dem Strommarkt Überkapazitäten - egal, ob es zwei, drei, vier oder 20 Anbieter gibt. Marktmacht entsteht jedoch in den Hochzeiten, wenn die Kapazitäten knapp werden. Dann kann auch ein Unternehmen, das nur fünf Prozent der Erzeugungskapazitäten hat, Marktmacht ausüben und die Preise in die Höhe treiben.

Mit anderen Worten: Die Ballung von Erzeugungskapazitäten in der Hand der vier großen Unternehmen ist kein Problem?

Das wird dann zu einem Problem, wenn nicht genügend Kapazitäten im Markt sind. Außerdem wird bei der Diskussion über die Konzentration der Erzeugungskapazitäten regelmäßig ignoriert, dass Deutschland kein isolierter Markt ist. Es gibt - erfreulicherweise - wachsende Kapazitäten für den grenzüberschreitenden Stromaustausch. Wenn man diesen Stromaustausch mit berücksichtigt, gibt es in Deutschland laut einer Studie im Auftrag der EU praktisch kein relevantes Marktmachtpotenzial mehr. Übrigens liegt Deutschland an der Spitze der am wenigsten konzentrierten Strommärkte in Europa und auch darüber hinaus sowie im unteren Mittelfeld bei den Großhandelsstrompreisen.

Die Energiepolitiker in Brüssel und Berlin sehen das anders.

Die Politik schaut mit Sorge auf die Preisentwicklung. Sie ignoriert jedoch, dass hohe Gewinne ein positives Signal für Investitionen sind. Selbst bei perfektem Wettbewerb muss es Phasen geben dürfen, in denen die Unternehmen hohe Gewinne erwirtschaften. Die Politik hat die Erwartung geweckt, Liberalisierung führe zwangsläufig zu fallenden Preisen. Das ist naiv, vor allem in Zeiten steigender Brennstoffpreise und einer zunehmend restriktiven Umweltpolitik. Die Politik sollte versuchen, den Strommarkt zu verstehen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die schwierige Suche nach einem Kompromiss.

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