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06.10.2008 
Finanzkrise

Der Prophet des Untergangs

von Christine Mattauch

Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini hat als einer der ganz wenigen Volkswirte frühzeitig vor der Finanzkrise gewarnt. Er ist überzeugt: In den Büchern europäischer Banken sind noch einige böse Überraschungen verborgen. Ein Frühstück mit dem Mann, den US-Medien als "Dr. Doom" bezeichnen, der sich selbst aber als Realisten sieht.

 Nouriel Roubini. Foto: World Economic Forum - swiss-image.ch/Remy Steinegger  Lupe

Nouriel Roubini. Foto: World Economic Forum - swiss-image.ch/Remy Steinegger

Das Leben als Prophet kann anstrengend sein. Es ist Sonntag, ein strahlender Herbsttag, wie geschaffen zum Spazierengehen, doch Nouriel Roubini ist im Stress. Mit braunen Lederstiefeln, Jeans und offenem Hemd sitzt er in einem halbdunklen New Yorker Café und verzehrt hastig Hühner-Chilli mit weißen Bohnen. Dazu Apfelsaft, Eistee, Cappuccino.

"Ich muss viel trinken, ich bin ganz heiser von den vielen Interviews", sagt er. Mehr als 150 Anfragen allein in der vergangenen Woche. Fernsehen, Web-TV, Zeitungen. "Ich habe kaum mehr als drei Stunden pro Nacht geschlafen."

Alle wollen von ihm wissen, wie es weitergeht mit der Krise. Von ihm, Nouriel Roubini, der noch vor kurzem eine Randfigur in der internationalen Ökonomie-Szene war. Bis seine Szenarien Wirklichkeit wurden. Bis nahezu alles eintraf, was er vorausgesagt hatte. Das Platzen der Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Die einsetzende Rezession. Der Zusammenbruch von Banken. Die Untauglichkeit der staatlichen Interventionen.

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"Natürlich könnte ich triumphieren und allen sagen, ich hab's doch gewusst", sagt Roubini. "Aber dies ist nun wirklich nicht die Zeit, um fröhlich durch die Gegend zu laufen, sondern um sich Sorgen zu machen."

Der 50-jährige Wirtschaftsprofessor mit dem strubbeligen schwarzen Haar unterrichtet an der Stern School of Business an der New York University. Sein Forschungsgebiet - Finanzkrisen in Schwellenländern - galt früher eher als exotisch. Anfang 2006 machte er erstmals von sich reden, als er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als einziger eine Rezession fürs Folgejahr prophezeite.

Damals war er ein krasser Außenseiter. Je mehr sich die Wirtschaftslage verschlechterte, desto höher stieg sein Stern. 2007 wurde er in Medienberichten schon als ein "bekannter" Ökonom bezeichnet, ein Adjektiv, das Journalisten gerne verwenden, wenn jemand wichtig, aber noch nicht populär ist. Seit Frühjahr 2008 ist er "Starökonom". Jetzt kennt ihn wirklich jeder.

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