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09.07.2007 
Wie Ökonomen die Politik beraten

Der Rat der Götter

von Dorit Heß

In der ökonomischen Politikberatung hat sich in den letzten Monaten mehr verändert als in Jahrzehnten vorher: In den Wirtschaftsforschungsinstituten, beim Sachverständigenrat und auch in den wissenschaftlichen Beiräten von Finanz- und Wirtschaftsministerium bleibt derzeit kaum ein Stein auf dem anderen.

Lupe

Vier Wochen Bedenkzeit hatte sie sich erbeten - und schließlich "ja" gesagt. Das lag an der Hoffnung, aktiv auf wirtschaftspolitische Veränderungen hinwirken zu können - und auch an dem Versprechen, die Strukturen änderten sich bereits. Die Rede ist von Regina Riphahn und dem wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Berufung der 41-jährigen Empirikerin aus Nürnberg in das Gremium im Juni ist einer von vielen kleinen Schritten, die derzeit die Politikberatung in Deutschland revolutionieren. Junge, empirisch arbeitende und international publizierende Ökonomen - einige von ihnen sogar weiblichen Geschlechts - brechen ein in die Domäne gesetzter Herren, die ihren wissenschaftlichen Zenit längst überschritten haben.


» Beatrice Weder di Mauro im Handelsblatt-Gespräch:  "Der Rat krempelt sich um"


Nach und nach zeigen die verkrusteten Strukturen der ökonomischen Politikberatung in Deutschland zunehmend Risse. Im vergangenen halben Jahr hat sich dabei so viel verändert wie vorher in Jahrzehnten nicht.

So sind im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Olymp der Ökonomen, einst heilige Traditionen ins Wanken geraten. Die Wirtschaftweisen, längst nicht mehr wie in den Anfangsjahren Agendasetter, erkannten Handlungsbedarf und machten der Bundeskanzlerin bei einem Mittagessen im März einen Vorschlag: Sie wollen künftig nicht nur ein Jahresgutachten vorlegen, sondern jedes Frühjahr eine zusätzliche Expertise. Die Sache ist beschlossen: Die Wirtschaftsweisen begutachten nicht länger nur, sie beraten nun auch. "Der Rat krempelt sich um, wir machen eine Strukturreform in eigener Sache", hatte Beatrice Weder di Mauro nach dem Kanzleressen zufrieden gesagt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wirtschaftsforschungsinstitute müssen sich Wettbewerb stellen

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