Die Ökonomen aus Bonn und Mannheim haben das Rennen gemacht. Die Deutschen Forschungsgemeinschaft fördert im Rahmen der Exzellenzinitiative an beiden Fakultäten Doktorandenschulen für Ökonomen.
Die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die am Freitag nachmittag bekannt gegeben wurde, war mit großer Spannung erwartet worden. Mit dem Zuschlag für die Ökonomie-Graduiertenschulen in Bonn und Mannheim stärkt die Deutsche Forschungsgemeinschaft zwei der führenden deutschen Hochschulen auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaft. Im Handelsblatt-Ökonomenranking VWL liegen die Fakultäten aus Bonn und Mannheim auf vorderen Plätzen. Mannheim ist zudem in Deutschland eine der ersten Adressen für wissenschaftliche BWL. Insgesamt fördert die DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative 18 Graduiertenschulen über fünf Jahre - im Schnitt mit einer Million Euro pro Jahr.
"Wir freuen uns ganz außerordentlich über dieses hervorragende Abschneiden", sagte der Bonner Rektor Matthias Winiger, dessen Hochschule von der DFG auch den Zuschlag für ein mit 6,5 Mill. Euro gefördertes Exzellenzcluster in der Mathematik erhielt, an dem ca. 20 Prozent die Ökonomen der Fakultät beteiligt sind. Auch in Mannheim war die Freude groß: „Das ist ein wichtiger Erfolg, von dem die gesamte Universität profitiert“, freute sich der Mannheimer Rektor Hans-Wolfgang Arndt. „Wir werden hart daran arbeiten, uns mit unserer Doktorandenausbildung dauerhaft in der internationalen Spitze zu etablieren."
Eine strukturierte Doktorandenausbildung nach angelsächsischem Vorbild gilt als eine der zentralen Voraussetzungen dafür, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaftswissenschaft zu erhöhen. "Wir können in Europa nicht Harvard oder Chicago nachbauen", sagt Jacques Drèze, Gründungsvater der European Economic Association (EEA) - dafür seien die Budgets der amerikanischen Elite-Unis einfach zu hoch. "Aber wir können die Qualität der amerikanischen Doktorandenprogramme nachbauen", betonte der 77-jährige belgische Ökonom jüngst auf der EEA-Jahrestagung in Wien. "Für eine gute ökonomische Ausbildung braucht man keine Nobelpreisträger."
Die klassische deutsche Doktorandenausbildung steht schon lange in der Kritik. Wer nach dem alten Prinzip promoviert, ist oft ein wissenschaftlicher Einzelkämpfer, der jahrelang im stillen Kämmerlein an einem Buch arbeitet und auf Gedeih und Verderb auf seinen Doktorvater angewiesen ist. Wie qualifiziert und wie fördernd dieser tatsächlich sein wird, kann auch der beste Student im Vorfeld kaum beurteilen. "Wer heute noch allein an einem Lehrstuhl promoviert, wird keine Spitzenjobs in der Forschung bekommen", sagt Ernst-Ludwig von Thadden. Der international renommierte Ökonomieprofessor ist Absolvent der Bonn Graduate School of Economics und wissenschaftlicher Direktor des Centers for Doctoral Studies in Economics and Management an der Uni Mannheim. Die Lehrstuhlpromotion werde es zwar weiter geben, sie führe aber in die Zweitklassigkeit.
In den USA und Großbritannien sind spezielle Ausbildungsgänge für Doktoranden seit langem eine Selbstverständlichkeit. Die so genannten PhD-Programme machen die Nachwuchswissenschaftler mit vielen Kursen und Seminaren systematisch fit für wissenschaftliche Forschung auf höchstem Niveau.
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Die Volkswirte der Universität Bonn sind in Deutschland die Pioniere auf dem Gebiet der systematischen Ausbildung von Nachwuchs-Volkswirten. Schon 1977 gründeten die Bonner Volkswirte mit der London School of Economics und der Université Catholique de Louvain das European Doctoral Program in Quantitative Economics. Heute ist es Teil der Bonn Graduate School of Economics. Die Bilanz der Bonner Ökonomen-Schmiede kann sich sehen lassen: Von den 100 Volkswirte, die es im Handelsblatt-Ökonomenranking in die Top-100-Liste geschafft haben, haben 22 in Bonn promoviert oder habilitiert - darunter auch der inzwischen an der Uni Köln zum Professor berufene 37-jährige Patrick Schmitz, der mit Abstand forschungsaktivste deutschsprachige Ökonom unter 40 Jahren.
"Allein unsere ehemaligen Doktoranden bringen in der Handelsblatt-Studie mehr Publikationen auf die Waage als München und Mannheim zusammen", sagt Schweizer. Erfolgsrezept der BGSE sei es, "eine kleine Gruppe hoch begabter Studenten früh zu fördern". Nach dem Zuschlag in der Exzellenzinitiative wollen die Bonner mit ihrer Doktorandenausbildung schon nach dem Bachelor beginnen. Heute geht es erst nach dem Diplom bzw. Master los.
Wenn BGSE-Absolventen über ihre Zeit in Bonn erzählen, geraten sie regelmäßig ins Schwärmen - über das erstklassige Lehrpersonal, kleine Seminare auf höchstem Niveau und intensive Diskussionen zwischen den Doktoranden. "Das Forschungsumfeld in Bonn ist schlichtweg großartig", sagt der an der BGSE ausgebildete Patrick Schmitz.
Die Uni Mannheim, die in den kommenden fünf Jahren insgesamt 5,5 Millionen Euro, will damit eine Graduiertenschule für 110 Doktoranden in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aufbauen - getragen von den Fakultäten und Abteilungen für BWL, VWL und Sozialwissenschaften. Mehr als vierzig Professoren dieser Bereiche werden sich nach Angaben der Uni dabei engagieren.
"Das geplante Doktorandenzentrum bildet angehende Wissenschaftler in der Methodik der modernen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aus, es legt in der Ausbildung also besonderen Wert auf die „Untersuchungswerkzeuge“ der Wissenschaftler", heißt es in einer Pressemitteilung der Universtität. Im Zentrum sollen quantitative und empirische Methoden stehen. Es hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass gerade die moderne quantitative Methodik, sowohl in der BWL, wie der VWL, als auch in den Sozialwissenschaften im engeren Sinne von höchster Relevanz ist“, erklärt Professor Ernst-Ludwig von Thadden, der Koordinator des Projektes.
