Reinhard und Rogoff kommen zu einem beunruhigenden Fazit: „Abhängig davon, wie tief die Wunden im Finanzsektor gehen, können die Folgen ziemlich heftig sein“, betonen Reinhart und Rogoff. „Eine große Bankenkrise hat typischerweise weit tiefere und langwierigere Folgen auf das Wirtschaftswachstum als eine scharfe Währungskrise.“
In der Vergangenheit hätten betroffene Länder beim realen Pro-Kopf-Einkommen im Schnitt einen Wachstumseinbruch in Höhe von zwei Prozentpunkten hinnehmen müssen. Die Folgen der Krise seien in der Regel erst nach zwei Jahren ausgestanden.
Verkompliziert wird die Lage in den USA noch dadurch, dass die Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt ein historisch einmaliges Ausmaß erreicht hatte, wie Yale-Professor Robert Shiller in einer im Oktober veröffentlichten Studie zeigt. „Aus der Vergangenheit abzuleiten, was als nächstes passiert, ist daher schwierig“, so Shiller. „Die Nachwirkungen des Booms werden Wirtschafts- und Geldpolitik noch Jahre beschäftigen.“ Die Rolle, die Immobilien- und Bausektor für die Gesamtkonjunktur in den USA spiele, könne man kaum überschätzen, meint Edward Leamer, Ökonom an der UCLA in Los Angeles. Acht der zehn Nachkriegsrezessionen in den USA seien massive Probleme auf den Immobilienmärken vorangegangen: „Der Immobilienmarkt treibt die Konjunktur.“
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Auch an einer weiteren Front kann jederzeit Chaos ausbrechen – dem Desivenmarkt. Das riesige US-Leistungsbilanzdefizit könnte massive Turbulenzen verursachen und die Weltwirtschaft weiter destabilisieren. Nach Ansicht des Ökonomen C. Fred Bergsten, Direktor des Peterson Institute for International Economics, ist eine Korrektur dringend nötig. Die Welt dürfe sich dabei nicht nur auf die Kräfte des Marktes verlassen, nötig sei eine konzertierte Aktion der beteiligten Staaten, schreibt Bergsten in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „CESIfo-Forum“. Zudem müsse der chinesische Renminbi gegenüber dem US-Dollar in den nächsten drei bis vier Jahre um rund 30 Prozent aufwerten, der japanischen Yen um zehn bis 20 Prozent.
Die US-Notenbank Federal Reserve trägt nach Ansicht vieler Ökonomen eine erhebliche Mitschuld an der Misere – aufgrund ihrer vergleichsweise laxen Geldpolitik zwischen 2002 bis 2005. In dieser Zeit seien die Leitzinsen deutlich niedriger gewesen, als aus historischer Perspektive angemessen gewesen wäre, betont John Taylor, Geldpolitik-Koryphäe aus Stanford. In einer Simulationsrechnung kommt der Erfinder der berühmten „Taylor-Regel“ in der Geldpolitik zu dem Schluss: Eine straffere Geldpolitik hätte einen Großteil des Immobilienbooms verhindert – ebenso wie die Exzesse bei der Vergabe von Subprime-Hypotheken. Die Notenbanker sollten aus der Krise eine wichtige Lehre ziehen, betont Taylor: „Bleibt bei der systematischen, vorhersagbaren und regelgebundenen Geldpolitik, die seit Anfang der achtziger Jahre meist gut funktioniert hat. “ Die Leitzinsen sollten sich an Inflation und Wirtschaftswachstum orientieren. „Hütet euch davor, die Geldpolitik an anderen Faktoren auszurichten“, warnt Taylor.
