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07.12.2007 

Lupe

Wissen geht verloren. Schade eigentlich. Denn in der Vergangenheit sind viele entscheidende Dinge passiert, aus denen sich wichtige Schlüsse für die Gegenwart ziehen ließen. Das gilt gerade auch für die Wirtschaft: Wie haben es BMW und Porsche geschafft, aus ihren gefährlichen Existenzkrisen herauszukommen und später zu Weltkonzernen aufzusteigen? Entwickelt sich die deutsche Sozialversicherung eigentlich so, wie es ihre Gründer geplant haben?

Die Lehren aus der Vergangenheit oder das einfache Lesevergnügen über Skurriles aus der Wirtschaft – beides bietet der Sammelband „Wunder, Pleiten und Visionen“ der Handelsblatt-Redaktion. Seit bald zwei Jahren erscheinen in der Zeitung regelmäßig die Beiträge aus der Rubrik „Ökonomische Wochenschau“. Der Sammelband präsentiert die besten Geschichten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Natürlich liegt der Schwerpunkt der „Wochenschau“ und damit auch des Buches auf Westdeutschland. Die Zwangswirtschaft nach Kriegsende, die Währungsreform, die Gründung der EU, die Ölkrise in den 70er-Jahren – auch ältere Leser werden sich nicht mehr an jedes Detail erinnern können. Für jüngere erweist sich das Buch als Lieferant wichtiger Informationen. Der Sammelband behandelt allerdings nicht nur Themen aus dem Westen. Auch die DDR ist vertreten. Bald 20 Jahre nach der Einheit ist der zweite deutsche Staat schon in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger ist es, dass sich die Handelsblatt-Redakteure intensiv mit dem Niedergang der sozialistischen Planwirtschaft beschäftigen.

Ganz wichtig dabei, und das gilt für alle Beiträge: Die Sprache ist leicht und locker. Nicht kompliziert wie in einem Lehrbuch, wie so mancher wirtschaftlich weniger vorgebildete Leser vermuten könnte. Die Beiträge sind leicht konsumierbar und verständlich, was den Nutzwert erhöht. Für diejenigen, die nach dem Lesen des Buches nicht genug bekommen können, ein Tipp: Die „Ökonomische Wochenschau“ wird in der Zeitung fortgesetzt.


Jörg Lichter, Christoph Nesshöver, Katharina Slodczyk: Wunder, Pleiten und Visionen; Econ, Berlin 2007, 432 Seiten, 24,90 Euro

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft“

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