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10.12.2007 
Wirtschafts-Nobelpreisträger im Interview

„Die USA sollten sich schämen“

von Dorit Heß und Helmut Steuer

Mechanismus-Design-Theorie – für ihre Forschungen auf diesem Gebiet erhalten Eric Myerson und Roger Maskin am heutigen Montag den diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreis. Im Handelsblatt-Interview erklären sie, warum ihre Erkenntnisse nicht nur für Ökonomen, sondern auch für Politiker und deren Berater von großer Bedeutung sind.

Eric S. Maskin und Roger B. Myerson erhalten den Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Arbeit über die Mechanismus-Design-Theorie. Foto: apLupe

Eric S. Maskin und Roger B. Myerson erhalten den Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Arbeit über die Mechanismus-Design-Theorie. Foto: ap

Handelsblatt: Herr Maskin, Herr Myerson, Sie haben viel darüber nachgedacht, wie sich Anreize setzen lassen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Bei Ihnen hat der Mechanismus offenbar gewirkt – sie bekommen den Ökonomie-Nobelpreis. Ist Ihre Motivation damit erschöpft?

Maskin: Oh nein, Anreize gibt es noch jede Menge. Es wäre ein Fehler, den Nobelpreis als Ziel zu sehen. Es ist ein sehr schönes Nebenprodukt – und im Übrigen völlig unerwartet.

Myerson: Wir beide sind irrationale Menschen, getrieben von dem Wunsch, die Probleme unseres Bereiches zu verstehen.

In Ihrer Forschung dagegen setzten Sie strikte Rationalität voraus. Was steckt hinter diesem kryptischen Begriff Mechanismus-Design?

Maskin: Man könnte uns als die Konstrukteure der Ökonomie bezeichnen. Steuern sind ein Beispiel für ökonomische Mechanismen. Wir haben ein Ziel: Wir wollen den Ärmsten helfen und Einkommen zu ihren Gunsten umverteilen. Aber wir müssen gleichzeitig Anreize setzen zu arbeiten. Wir versuchen, diese Ziele in Einklang zu bringen.

Auf zu abstrakte Weise, um das Gehör der Politik zu finden?

Maskin: Unsere Erkenntnisse wurden durchaus schon von Politikern genutzt.

Myerson: Was theoretische Ökonomen meiner Meinung nach tun sollten, ist Modelle zu kreieren, um die Essenz eines Problems schneller und effizienter zu erkennen. Wir haben inzwischen Modelle für Wahlen und politische Prozesse. Warum sind manche Länder so viel ärmer als andere? Manches in der Regierung läuft falsch, manches in der Gesetzgebung. Aber was? Um das herauszufinden, brauchen wir ein analytisches Gerüst.

Maskin: Aber es ist in der Tat so: Beide Seiten könnten sich gegenseitig mehr Beachtung schenken.

Herr Myerson, Sie haben über den Wiederaufbau im Irak geforscht und geschrieben. Wie viel Gehör finden Sie damit in den USA?

Myerson: Es ist mir zunächst nicht gelungen, es bekanntzumachen. Ein Freund von mir ist Journalist in Minnesota. Er hat es stattdessen getan. Seit ich den Nobelpreis bekommen habe, beachten die Leute die Publikation. Ich habe über den Irak geschrieben, als die USA ohne jegliche Einladung von irgendwem die Verantwortung für die Regierung im Irak übernahmen. Ich war der Meinung, dass es mehr Diskussionen hätte geben müssen. Ich habe das Buch von Paul Bremer (von George W. Bush ernannter Zivilverwalter im Irak, Anm. d. Red.) gelesen und finde, dass er fundamentale Fehler gemacht hat. Ich bin der Meinung, dass sich die USA schämen sollten, dass wir nicht mehr darüber geredet haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Suche nach dem perfekten System

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