12.03.2007

Studien zeigen: Gruppen treffen oft bessere Entscheidungen als einzelne Akteure: Es lebe der Teamgeist

Traditionell lieben Ökonomen das Individuum – dabei sind Gruppen Einzelkämpfern oft überlegen. Zeitverzögert erhält diese Erkenntnis jetzt auch Einzug in die Wirtschaftswissenschaften.

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von Jens Tönesmann
Lupe

Jeden ersten Donnerstag im Monat gegen neun Uhr morgens füllt sich der Sitzungssaal „C1“ im 36. Stock des Eurotower in Frankfurt. Der Rat der Europäischen Zentralbank tagt: 13 Notenbankchefs und sechs Direktoriumsmitglieder beraten an einem großen, runden Tisch über Inflation, Wirtschaftswachstum und Zinsniveau. Was genau hinter den Kulissen gesagt wird, ist nicht bekannt, die Protokolle sind geheim. Doch am Ende steht eine gemeinsame Entscheidung. Nicht nur bei der EZB, auch in Unternehmen, Gerichten und Parlamenten werden Beschlüsse nicht von einem Einzelnen, sondern von Gruppen gefasst. Auch in Privathaushalten tagt bei wichtigen Entscheiungen wie dem Kauf eines Autos oft der Familienrat.

Die Wirtschaftswissenschaft hat dieses Phänomen lange Zeit ignoriert. Soweit die konkrete Entscheidungsfindung überhaupt modelliert wurde, handelten in den traditionellen Modellen stets Individuen, keine Teams. Experimentelle Wirtschaftsforscher haben inzwischen aber herausgefunden: Das ist eine zu grobe Vereinfachung. Ob eine Frage von einem Einzelnen oder von Mehreren gemeinsam entschieden wird, kann für das Ergebnis entscheidend sein.

„Gruppen entscheiden anders als Individuen“, sagt Matthias Sutter, Professor für experimentelle Ökonomie an der Universität Innsbruck. „Oft sind drei Köpfe besser als einer.“ Sutter hat in vielen Experimenten Individuen gegen Gruppen antreten lassen. Der Entscheidungsprozess, die Hierarchien und die Diskussionen innerhalb der Gruppen haben ihn dabei nicht interessiert: „Mir ging es darum, in einer Vielzahl von Versuchen herauszufinden, ob sich das, was bei Gruppen hinten heraus kommt von Individualentscheidungen systematisch unterscheidet.“

Und tatsächlich: Sutters Experimente zeigen, dass Teams strategischer entscheiden, weniger Fehler machen und gerade bei komplexen Entscheidungen im Vergleich zu Allein-Entscheidern oft die Nase vorn haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Was passiert, wenn Teams gegen Einzelkämpfer antreten

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FAKTEN DEUTSCHLAND

Jan 10 Dez 09 Nov 09 Okt 09
Industrieproduktion, % zum Vormonat 0,6 -1,0 0,7 -1,8
Auftragseingang Gesamt, % zum Vormonat 4,3 -1,6 2,7 -1,7
Q4 2009 Q3 2009 Q2 2009 Q1 2009
BIP-Wachstum, % zum Vorquartal 0,0 0,7 0,4 -3,5
2010 2009 2008 2007
Haushaltssaldo in % des BIP -5,3 -3,3 0,0 0,2

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Haushaltssaldo 2008: Prognose der OECD
Quelle: Bundesbank, Destatis, Ifo, OECD

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