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26.02.2007 
Handelsblatt-Interview mit dem Ökonomie-Nobelpreisträger von 1986

James Buchanan: „Angst vor der Freiheit“

von Isabel Mühlfenzl

Der Ökonomie-Nobelpreisträger James Buchanan über das moralische Fundament der Marktwirtschaft, die Probleme Deutschlands und die Bedrohung durch religiösen Fanatismus.

James Buchanan (Illustration: Lutz Widmaier)Lupe

James Buchanan (Illustration: Lutz Widmaier)

Handelsblatt: Herr Professor Buchanan, anders als viele andere Ökonomen betonen Sie die ethischen und moralischen Grundlagen der Marktwirtschaft. Sind Sie ein Anhänger der protestantischen Ethik?

Buchanan: Ich halte Werte wie harte Arbeit, Sparsamkeit und fairen Handel tatsächlich für notwendig, damit eine Volkswirtschaft wirklich gut funktioniert. Hier bin ich sehr nahe bei Max Weber, der vor gut 100 Jahren die protestantische Ethik dafür verantwortlich machte, dass Nordamerika sich wirtschaftlich so viel besser entwickelt hat als das an Ressourcen reichere Südamerika. Wir tun heute so, als ob die Ethik außerhalb des Marktes angesiedelt sei. Ich halte das für falsch. Ohne diesen ethischen Zement können Märkte nicht richtig funktionieren. Wir haben es versäumt, diese Werte zu pflegen.

Also hat die Wirtschaftswissenschaft Fehler gemacht?

Ich denke ja. Wir Ökonomen haben zu viel Gewicht auf die materiellen Aspekte der Marktwirtschaft gelegt, besonders darauf, dass sie mehr Güter produzieren kann als andere Wirtschaftsordnungen. Die Volkswirte haben sich zu sehr auf die Effizienzgesichtspunkte konzentriert, auf den wirtschaftlichen Erfolg und das Geld als Maßstab für den Erfolg. Sie haben sich zu wenig um die Freiheit des Marktes gekümmert.

Mit welcher Konsequenz?

Eine Folge ist, dass die Ökonomie in der Öffentlichkeit gering geschätzt wird. Dafür sind die Wirtschaftswissenschaftler zum Teil mitverantwortlich, weil sie das Geld überbetont haben. Zweifellos produziert der Markt mehr und bessere Güter – aber das ist nicht alles. Der wirkliche Wert der marktwirtschaftlichen Ordnung besteht darin, dass sie es uns ermöglicht, dem politischen Zwang auszuweichen. Der Markt schützt uns davor, dass sich die Politik zu sehr in unser Privatleben einmischt. Das haben uns Adam Smith und andere Klassiker gelehrt. Heute haben wir das mehr und mehr vergessen. Die entscheidende Funktion des Marktes ist eine eminent politische – und er ist eine moralische Instanz, der die Machtausübung eines Kollektivs, des Staates über den Bürger verhindert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Hohe Manager-Gehälter als Marktversagen

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