0 Bewertungen
05.03.2007 
Studien zeigen: Online-Angebote bedrohen klassische Vertriebswege nur wenig

Keine Angst vor Kannibalismus

von Norbert Häring

Macht das Internet Zeitungsverlagen, Plattenfirmen und anderen das Geschäft kaputt? Wissenschaftler geben Entwarnung: Die Gefahr, sich durch Online-Angebote selbst zu kannibalisieren, ist geringer als vielfach angenommen, zeigen Studien.

Online-Musikshop "Itunes": Digitaler Kopierschutz hemmt den Musikverkauf übers Internet. Lupe

Online-Musikshop "Itunes": Digitaler Kopierschutz hemmt den Musikverkauf übers Internet.

Der Aufsatz hatte einen harmlosen Titel – der Inhalt aber löste in der Musikindustrie ein mittleres Erdbeben aus. Unter der Überschrift „Thoughts on Music“ machte sich Apple-Chef Steve Jobs Anfang Februar in einem auf der Apple-Webseite veröffentlichten Essay dafür stark, dass Musik im Internet künftig ohne Kopierschutz verkauft werden soll. Denn der Kopierschutz mache den ehrlichen Käufern das Leben schwer, ohne die Raubkopierer ernsthaft zu behindern. Eine Idee, gegen die sich die führenden Musikverlage bislang mit Händen und Füßen wehren – aus Angst, dass dann ihr gesamtes Geschäftsmodell in sich zusammen bricht.

Mehrere neue wissenschaftliche Forschungsarbeiten sprechen dafür, dass Apple-Chef Jobs mit seiner Argumentation Recht haben könnte. Die Untersuchungen, die jüngst in renommierten wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen sind, kommen sowohl für Zeitungsverlage als auch für Plattenfirmen zu dem Schluss: Die Gefahr, neue Angebote im Internet die Gewinne der Anbieter traditioneller Produkte ernsthaft beschädigt, scheint gering zu sein.

Die entscheidende Frage, die Ökonomen in Studien zu dem Thema beantworten müssen, ist: Werden die Produkte über die verschiedenen Kanäle komplementär nachgefragt, oder ersetzt das eine Produkt das andere? Eine verlässliche Antwort darauf zu geben ist schwierig. Rein deskriptive Analysen sagen nämlich wenig aus. So kann man aus der Tatsache, das die Nutzer von Internet-Angeboten auch diejenigen sind, die besonders häufig Zeitungen oder CDs kaufen, wenig ableiten. Schließlich kann dies auch einfach daran liegen, dass diese Menschen ein besonders hohes Interesse an Nachrichten oder Musik haben, egal in welcher Form. Für eine seriöse Antwort auf die Frage, ob Menschen durch die Nutzung von Internet-Angeboten „offline“ weniger Geld für ähnliche Produkte ausgeben, braucht es die die Kreativität und Know-how von Spitzenökonomen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Lohnt sich das Online-Angebot der Washington Post?

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

weiterTop-Downloads

Hot Papers in VWL und BWL  Artikel in Merkliste

31.08.2008

Sind Spekulanten für die enormen Preisanstiege von Rohöl verantwortlich? Wie können Unternehmen in virtuellen Welten wie "Second Life" Geld verdienen? Und wie lassen sich überbewerte Aktien möglichst frühzeitig erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich ökonomische Forschungspapiere, die derzeit im Web besonders häufig herunterladen werden. Lesen Sie mehr über diese "Hot Paper" Artikel


weiterDas Grüner-Blog

Was wissen wir über Konjunkturprogramme? 

10.11.2008Das Grüner-Blog

Es ist verblüffend, wie viel Befürworter (z.B. Joschka Fischer) und Gegner ("bloßes Strohfeuer") großer Konjunkturprogramme über die Wirkung der Programme zu wissen glauben. Denn eigentlich wissen wir darüber viel zu wenig. Blog


weiterKrämers Konjunktur-Kommentar

EZB-Sitzung: Bald wieder 50 Basispunkte 

06.11.2008Krämers Konjunktur-Kommentar

Die EZB hat ihren Leitzins wie erwartet von 3,75% auf 3,25% gesenkt. Wegen der Rezession und der purzelnden Inflation dürfte die EZB ihren Leitzins bereits im Dezember erneut zu senken, vermutlich um 50 Basispunkte. Blog


weiterHarald Uhlig - Makro und mehr

Die Welt-Finanzkrise: was ist los mit Commerzbank, Dresdner Bank, UBS und Fortis? Ein Update. 

02.11.2008Harald Uhlig - Makro und mehr

So hieß die Überschrift meines Blogs vom 28. September dieses Jahres, den die Handelsblatt-Redaktion gelöscht hatte.   Aber dieser “update” hier darf wohl sein.   Alle vier Banken sind inzwischen schon auf staatlicher Intensiv-Station oder werden es sehr bald sein. Blog