So untersuchte Matthew Gentzkow von der University of Chicago, ob sich für die Washington Post unter Berücksichtigung möglicher Kannibalisierungseffekte der Internet-Auftritt „Post.com“ lohnt. Dazu konnte der Wissenschaftler auf die Ergebnisse einer großen Marktforschungsumfrage im Hauptaverbreitungsgebiet der „Washington Post“ zurückgreifen. Die Teilnehmer waren unter anderem gefragt worden, wie oft sie in den letzten 24 Stunden und in den letzten fünf Tagen „Post.com“, die Zeitung „The Washington Post“, deren konservativer ausgerichteten Konkurrenten „The Washington Times“ und andere Zeitungen gelesen hatten.
Gentzkow stellte unter anderem fest, dass ein Mensch bestimmten Alters und gleichen sonstigen Charakteristika weniger häufig in die Print-Ausgabe der Washington Post blickte, wenn er bei der Arbeit oder zu Hause einen einfachen und schnellen Internet-Zugang hatte. Aus solchen und ähnlichen Indizien schließt er: Wer leichter an die Online-Ausgabe einer Zeitung kommt, liest die gedruckte Ausgabe weniger als ein Mensch mit ansonsten gleichem Interesse an Information.
Der Kannibalisierungseffekt ist allerdings moderat. Nach den Berechnungen des Ökonomen kostet die Online-Ausgabe die Print-Ausgabe 27 000 Leser oder 1,5 Prozent der Leserschaft. Das entspricht Einnahmen von 5,5 Mio. Euro pro Jahr. Dem Konkurrenten Washington Times nimmt „Post.com“ den Berechnungen zufolge Einnahmen von 2,7 Mio. Dollar weg. Selbst wenn man den Kannibalisierungseffekte abzieht bleibt ein geschätzter Gewinn für „Post.com“. Die Strategie von Zeitungsverlagen, selbst mit kostenlosen Online-Angeboten in dem neuen, stark wachenden Markt präsent zu sein, macht vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse also Sinn.
Die Strategie der Plattenfirmen, durch digitalen Kopierschutz kostenlose online-Konkurrenz zu verhindern, kommt nicht so gut weg. Das legt eine Studie von Felix Oberholzer-Gee (Harvard) und Koleman Strumpf (University of Kansas) nahe, die jüngst im „Journal of Political Economy“ erschienen ist. Die Forscher sind der Frage auf den Grund gegangen, wie stark Musiktauschbörsen wie Napster den Absatz von Musik-CDs gebremst haben.
Dafür mussten sie das Problem lösen, dass CD-Verkäufe und die Häufigkeit, mit der ein Musiktitel von Tauschbörsen herunter geladen wird, beide von der Popularität der entsprechenden Titel abhängen. Auf der Suche nach etwas, was die Downloads beeinflusst, aber nicht die CD-Verkäufe, machten sie sich zunutze, dass deutsche Schüler einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung von Musikdownloads leisten. Wenn sie Ferien haben, stellen sie mehr Titel ins Netz, die sich andere – zum Beispiel an der Ostküste der USA – herunterladen können. Je mehr deutsche Schüler Ferien haben, desto größer ist das Angebot. Mit solchen und ähnlichen „Instrumenten“ konnten die Forscher berechnen, welchen Einfluss Downloads über Musikbörsen tatsächlich auf den Verkauf von Musik haben.
Das Fazit: Der Einfluss ist sehr gering und statistisch nicht gesichert. Zur Überprüfung dieses Ergebnisses zogen die Forscher noch weitere Indizien heran. So untersuchten sie, wie sich die Verkäufe und die Downloads in verschiedenen Musikgenres entwickelten – und kamen zum gleichen Ergebnis. Die Verkaufsrückgänge scheinen nicht mit dem Ausmaß zusammenhängen, in dem die Musik aus den Genres über das Internet getauscht wird. Auch entwickelten sich die CD-Verkäufe an der Ostküste der USA nicht schlechter als an der Westküste – obwohl es im Osten der Vereinigten Staaten leichter ist, gleichzeitig mit Europäern online zu sein und wo deshalb zwischen Internet-Nutzern mehr Musik getauscht wurde.
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