Neben der Wirtschaftspolitik stehen in Karlsruhe auch neue Theorien für die Makroökonomie auf der Agenda – schließlich müssten auch Keynes’ Theorien modernisiert werden, wie Hagen Krämer in seiner Begrüßung fordert. Einige Studien sind auch durchaus visionär: Etwa ein keynesianisches Wirtschaftsmodell, das den Ressourcenverbrauch integriert – und damit Umwelt- und Makroökonomie verbindet. Oder eine statistische Studie, die zeigt, dass die Entwicklungsländer deutlich länger brauchen werden, um die Krise zu überwinden als der Rest der Welt.
Doch ein Großteil der Referenten scheint lieber bei „Keynes 1.0“ bleiben zu wollen. Statt neue Ideen zu entwickeln, betreiben sie Dogmengeschichte und vergleichen den Inhalt von Keynes’ Wälzern mit denen seiner Zeitgenossen. Die „Allgemeine Theorie“ kennen viele fast auswendig, immer wieder streuen sie wörtliche Zitate in ihre Vorträge. Und hat Keynes mal zu einem Thema nichts geschrieben, wird er eben ausgelegt: „Würde er noch leben, hätte er wohl gesagt …“
Neue Impulse erhoffen sich die Keynesianer eher von ihrem Nachwuchs. Tatsächlich sind unter den Konferenzteilnehmern eine ganze Menge Doktoranden und Habilitanden, die die keynesianische Makrotheorie weiterentwickeln wollen.
Dazu gehört auch Bernhard Schütz, der seit einem halben Jahr an der Universität Linz promoviert. Dort ist er der Letzte, der postkeynesianisch forscht – also mit der Theorie, die Keynes’ Ideen besonders stringent übernommen hat. Der vorletzte – Schütz’ Doktorvater – ist gerade in Pension gegangen.
International sind die Postkeynesianer eine Minderheit. Durchgesetzt haben sich eher die sogenannten neukeynesianischen Modelle (NKM), die von prominenten Köpfen wie dem amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke oder dem Harvard-Ökonomen Greg Mankiw weiterentwickelt wurden. Für ihre Forschung benutzen die Neukeynesianer die Modelle der Neoklassik – nehmen dabei aber an, dass es auf Märkten zu kurzfristigen Verwerfungen kommen kann, weil Preise und Löhne sich nur mit Verzögerung auf neue Begebenheiten einstellen.
Für die Mitglieder der Keynes-Gesellschaft trifft das aber nicht den Kern der „Allgemeinen Theorie“. Schließlich hat Keynes darin vor allem dauerhafte Ungleichgewichte auf den Arbeits- und Gütermärkten festgestellt und analysiert – und nicht bloß kurzfristige.
Doktorand Schütz forscht in dieser Tradition, auch wenn er sich oft als Außenseiter fühlt. Doch die Methoden des Mainstreams zu benutzen, um die Chancen auf eine eigene Professur zu erhöhen – das will er auf keinen Fall. „Ich kann eben nicht anders.“




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