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16.06.2008 
Tauschbörsen für Organe

Meine Niere gegen deine Niere

von Christine Mattauch

Mit Organen zu handeln ist strafbar, Organe zu tauschen nicht - zumindest in den USA: Dort gibt es inzwischen etliche Tauschbörsen für Organspenden. Über Datenbanken kann so der passende Spender schneller gefunden werden. Nun steht das Konzept vor dem landesweiten Durchbruch.

Künftig können die Spender für Nierentransplantationen schneller gefunden werden. Foto: dpaLupe

Künftig können die Spender für Nierentransplantationen schneller gefunden werden. Foto: dpa

NEW YORK. Die Frau, die jetzt seine Niere trägt, lernte Stephen Proulx erst einen Tag nach der Transplantation kennen. Der 50-Jährige aus New Hampshire hatte sein Organ an eine ihm völlig fremde junge Frau aus New York gespendet. Sie lag in ihrem Krankenhausbett und sagte, sie fühle sich wie neugeboren", erinnert sich Proulx. "Ich hatte das unbeschreiblich gute Gefühl, etwas ganz und gar Richtiges getan zu haben."

Es gab noch jemanden, der glücklich war: Proulxs Schwager. Auch er hatte eine neue Niere erhalten. Von einer Schulfreundin der jungen Frau. Ursprünglich wollte Proulx seine Niere direkt an seinen Schwager spenden. Doch aus medizinischen Gründen waren die Organe der beiden nicht kompatibel. Der New Yorkerin und ihrer Schulfreundin ging es genauso. Über Kreuz passten die Nieren dagegen.

In den USA hat sich in aller Stille ein Tauschmarkt für Spendernieren entwickelt. Kurz nach der Jahrtausendwende fingen Transplantationszentren auf informeller Ebene mit sogenannten Überkreuzspenden an, etwa zwischen zwei Ehepaaren. Inzwischen bietet ein halbes Dutzend gemeinnütziger Organisationen die systematische Koppelung von Spender- und Empfängerpaaren an. Bislang arbeiten die Initiativen auf regionaler Basis, ihre Datenbasis ist vergleichsweise klein. Noch in diesem Monat aber fällt voraussichtlich die Entscheidung für ein landesweites Tauschprogramm.

Die Idee der Überkreuzspende geht auf den Harvard-Ökonomen Al Roth zurück. Zusammen mit den türkischen Ökonomen Tayfun Sönmez und Utku Ünver hat Roth ein theoretisches Konzept für den Nierentausch entwickelt. Der Charme des Modells liegt darin, dass es sämtliche Beteiligte besserstellt. Selbst diejenigen, die auf der Warteliste für Spendernieren von Toten stehen. Die profitieren, weil weniger Empfänger um die knappen Organe konkurrieren.

Roth und seine Koautoren waren von dem Prinzip so begeistert, dass sie bei der Gründung des New England Program for Kidney Exchange (NEPKE) halfen. Die gemeinnützige Organisation, in der die Ökonomen bis heute im Beirat aktiv sind, organisiert den kreuzweisen Nierentausch in sechs US-Bundesstaaten an der Ostküste. Außerdem beraten die Wissenschaftler die "Allianz für die Überkreuzspende" in Ohio. "Ich finde es heute noch umwerfend, wie gut der Transfer der Idee in die Praxis funktioniert hat", sagt Roth.

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