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08.08.2008 
Lindauer Nobelpreisträgertreffen

Nobelpreisträger Scholes: Finanzkrise kocht weiter

von Olaf Storbeck

Der Ökonomie-Nobelpreisträger Myron Scholes hat keine Hoffnung auf ein schnelles Ende der Subprime-Krise. „Die Finanzmarktkrise ist längst noch nicht ausgestanden.“ Scholes räumte ein, dass die Wirtschaftswissenschaft noch viel zu wenig über die Hintergründe der Krise wisse.

Myron Scholes im Jahr 1997, als er von seinem Nobelpreis erfuhr. (Foto: Reuters)Lupe

Myron Scholes im Jahr 1997, als er von seinem Nobelpreis erfuhr. (Foto: Reuters)

Scholes äußerte sich im Vorfeld der dritten Tagung der Ökonomie-Nobelpreisträger in Lindau. Vom 20. bis 23. August in Lindau trifft sich der preisgekrönte Ökonom zusammen mit 13 weiteren Laureaten am Bodensee. Vier Tage werden die Nobelpreisträger mit 300 Nachwuchswissenschaftlern aus 58 Ländern diskutieren. Die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten werden dabei eines der zentralen Themen sein. Scholes ist einer der Pioniere der modernen Finanzmarktforschung.

Im Umgang mit der Finanzkrise mahnt der Ökonom Politik und Öffentlichkeit zur Besonnenheit. „Wir müssen erst die Ursachen genau analysieren und verstehen, bevor wir die richtigen Schlussfolgerungen für eine institutionelle Verbesserung der Finanzmärkte ziehen können.“ Daher kämen Forderungen nach regulatorischen Konsequenzen zu diesem Zeitpunkt zu früh.

Scholes ist überzeugt, dass Banken, Broker und Wertpapierhändler auf die Krise reagieren werden – mit neuen Berichts- und Risiko-Kontrollmechanismen. Vorstände und Aufsichtsräte der Finanz-Institutionen hätten im Zuge der Krise erkannt, dass sie die Risiken, die in ihren Unternehmen schlummern, besser verstehen und beobachten müssen.

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Myron Scholes hat zusammen mit seinem Kollegen Fischer Black Anfang der 70er Jahre eine Methode entwickelt, die die Bewertung der Risiken von Optionen ermöglicht und sie damit handelbar macht. Heute ist gehört das so genannte Black-Scholes-Modell für die Akteure an den weltweiten Finanzmärkten zum täglichen Handwerkszeug. Das Modell war damit ein Grundstein für die Entwicklung moderner Finanzinstrumente. Scholes erhielt dafür zusammen mit Robert C. Merton 1997 den Wirtschaftswissenschaftlichen Preis der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel. Black war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.

Eine Lehre aus der Krise ist für Scholes, dass sich die Vergütungssysteme in der Finanzbranche ändern sollten. Die Diskrepanz zwischen kurzfristigen Gewinnen und langfristigen, versteckten Risiken müsse besser in den Griff bekommen werden.

Krititisch sieht Scholes die „Basel II“-Eigenkapitalrichtlinien für Banken. Dadurch seien die Eigenkapitalanforderungen an die Finanzinstitute künstlich reduziert worden. „Die Anwendung der Portfolio-Theorie, die der Kern von Basel II ist, täuscht eine falsche Sicherheit vor“, betont der Nobelpreisträger. Die Eigenkapitaldecke, die sich aus diesen Modellen ableiten lasse, seien zu dünn, um in unerwarteten Krisensituationen Schocks und Liquiditätsengpässe aufzufangen. „Vermögensbasiertes Risikokapital ist besser geeignet, um Schockwellen auf den Finanzmärkten abzufedern“, empfiehlt Scholes.

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