Das lässt sich auch an dem Gutachten der DFG über den Mannheimer Antrag ablesen: „In Anbetracht der Tradition des Standortes als auch der eindrucksvollen wissenschaftlichen Leistungen der beteiligten Forscher und Forscherinnen ist das Konzept erfolgversprechend“, heißt es darin. Der geplante Cluster werde sich „national wie international zu einem Kristallisationspunkt entwickeln“. Und doch konnte der Antrag „leider nicht berücksichtigt werden“.
Auch wenn Schuster für den Mannheimer Misserfolg keine Erklärung hat – das insgesamt schlechte Abschneiden des Fachs ist aus seiner Sicht wenig überraschend. Er sieht es als Spätfolge des isolationistischen Kurses, den deutsche Ökonomen bis in die 90er-Jahre fuhren. Zu große Teile des Fachs hätten jahrzehntelang versäumt, international anerkannte Forschung zu betreiben. „Die Globalisierung ist bei deutschen Ökonomen erst spät angekommen“, meint Schuster und führt es auf den „Fluch der mittleren Größe“ zurück. Die habe es hierzulande erlaubt, in der Muttersprache zu publizieren – und nicht, wie im Fach sonst üblich, auf Englisch. Anders als in großen Ländern wie den USA oder kleinen wie den Niederlanden sei der Druck, sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen, in Deutschland zu gering gewesen.
Ein Indiz dafür sei, dass auch vor der Exzellenzinitiative wenige Ökonomie-Fakultäten von der DFG unterstützt worden seien. „Nicht weil wir Ökonomen für unbedeutend und nicht förderwürdig halten, sondern weil sie schlicht zu wenig Anträge gestellt haben“, betont Schuster. Dies sei der Grund, warum Ökonomen im Verhältnis zu ihrer Personalstärke in Hochschulen unterproportional am DFG-Topf beteiligt sind. Der Anteil der hauptberuflichen Wirtschaftswissenschaftler lag 2006 bei 6,3 Prozent. Von der Einzelförderung der DFG entfielen damals rund 8,2 Millionen Euro auf die Wirtschaftswissenschaftler, was nur 0,75 Prozent der Einzelförderungen ausmachte. Und unter 300 Sonderforschungsbereichen (SFB) waren 2006 lediglich vier aus dem Bereich Wirtschaftswissenschaften, was rund acht Millionen Euro und damit knapp zwei Prozent der SFB-Ausgaben entsprach. Zuschläge für Ökonomie-SFB erhielten Dortmund, Mannheim und Berlin. Zudem fördert die DFG ein Uni-übergreifendes „Transregio“-Projekt zwischen Bonn, Mannheim, München und Berlin.
Es ist das erklärte Ziel der DFG, leistungsstarke Fakultäten weiter zu stärken. Der Mannheimer Ökonom Hans Peter Grüner sieht allerdings eine strukturelle Schwäche der hiesigen Uni-Landschaft. In Deutschland gehöre die Mannheimer VWL mit 17 Professoren zwar zu den größten Fakultäten – die „kritische Masse an Professoren“ fehle trotzdem. Die Mannheimer wollen daher expandieren – durch die Umwandlung von Mitarbeiterstellen in Professuren und die Aufnahme zusätzlicher Studenten, die der Fakultät Geld einbringt. Und vor allem wollen sie vorbereitet sein auf eine mögliche Neuauflage der Exzellenzinitiative.
Bis zu 500 000 Euro erhalten die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler dafür von 2008 an in den kommenden vier Jahren jährlich vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium. Auch einen Sonderforschungsbereich haben die Mannheimer beantragt.
Darin wollen sie das Konzept umsetzen, das sie in ihrem Cluster mit dem langatmigen Titel „Understanding Decision Making – Individual, Organizational, and Societal Perspectives“ verfolgt hatten: Wie lassen sich Entscheidungen von Individuen erklären? Wie sollten Organisationen ausgestaltet sein? Dabei wollen sie nicht nur die Zusammenhänge theoretisch erklären, sondern konkrete Entscheidungen auf Finanzmärkten, von Konsumenten oder Politikern untersuchen.
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