Dem Bewilligungsausschuss der DFG, der sich gegen den Mannheimer Ökonomie-Cluster entschieden hatte, gehörten neben dem Vorsitzenden, Vertretern von Bund und Ländern auch 25 wissenschaftliche Mitglieder an – unter denen gerade einmal ein Ökonom war. Diese Struktur stößt auf Unverständnis: „Es darf nicht sein, dass Physiker darüber entscheiden, ob Ökonomen exzellente Forschung betreiben oder nicht“, klagt Börsch-Supan.
Schuster weist die Kritik zurück. Schon immer in der Geschichte der DFG werde von einer fachfremden Mehrheit über Anträge entschieden – wobei die Gutachtergruppe, die diesem Entscheidungsverfahren vorgelagert ist, allein aus entsprechenden Fachleuten zusammengesetzt ist. Auch einen Verteilungsschlüssel bei der Vergabe lehnt er kategorisch ab: „Klares Ziel der DFG ist es, die Besten zu fördern – ohne jegliche Fächerquotierung.“
Wie dünn das Eis war, auf dem sich fächerübergreifende Bewerber bewegten, zeigt das Beispiel München: Die Ökonomen der Ludwig-Maximilians-Universität profitieren zwar von dem Geldregen, der mit dem Status der Hochschule als Elite-Uni verbunden ist. Das Cluster-Konzept aber , das die Münchener Ökonomen mit Mathematikern, Sozial- und Geisteswissenschaftlern entwickelten, war aber erfolglos. „Zu interdisziplinär“, sagt Schuster. In Bonn gehörte der Zusammenschluss zum Erfolgskonzept: „Die wissenschaftliche Exzellenz der Volkswirte hat unsere Chancen ganz klar erhöht“, sagt Mathematiker Felix Otto, Sprecher des Clusters.
Der Erfolg der Bonner ist auch mit Problemen verbunden: Die rund 6,4 Millionen Euro, die ein Cluster jährlich erhält, müssen innerhalb eines Jahres ausgegeben werden – so will es der Rhythmus der öffentlichen Haushalte. „Eine kaum zu meisternde Aufgabe“, findet der am Bonner Mathematik-Cluster beteiligte Bonner Volkswirt Benny Moldovanu. Ökonomen brauchten keine Geräte, kaum Labore, sondern vor allem Humankapital, sagt er. Innerhalb eines Jahres Top-Forscher zu gewinnen sei für sich genommen bereits schwer – und angesichts der langatmigen Berufungsverfahren in Deutschland „nur sehr schwierig umsetzbar“.
