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29.06.2007 
Studie: Große Lohnspreizung in Deutschland

Reiche werden reicher, Arme ärmer

von Olaf Storbeck

Die Lohnspreizung in Deutschland hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, so das Ergebnis einer neuen Studie von drei deutschen Ökonomen. Die Einkommen der Besserverdienenden sind deutlich gestiegen - die der Ärmeren dagegen gesunken. Ein Mindestlohn könnte die wachsende Ungleichheit bremsen, so die Forscher.

Klassischer Niedriglohn-Job: Eine Putzfrau bringt Treppen auf Hochglanz. Quelle: dpaLupe

Klassischer Niedriglohn-Job: Eine Putzfrau bringt Treppen auf Hochglanz. Quelle: dpa

Die Lohnschere in Deutschland ist einer neuen Studie zufolge größer als bislang angenommen. Demnach stiegen die Reallöhne der oberen Lohngruppen seit den 80er Jahren deutlich schneller als die der Geringverdiener, deren Löhne in den 90er Jahren sogar rückläufig waren, so das Ergebnis der Arbeit eines dreiköpfigen Forscherteams.

Die Arbeit der Ökonomen Christian Dustmann (University College London), Johannes Ludsteck (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) und Uta Schönberg (University of Rochester und IZA) widerspricht der Annahme, dass die Lohnstruktur in den letzten beiden Jahrzehnten stabil gewesen ist.


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Nach den Ergebnissen der Ökonomen konnten alle Lohngruppen in den 1980er Jahren Lohnzuwächse verzeichnen. Allerdings seien die Löhne in den einkommensstärksten Gruppen deutlicher gestiegen. Im Gegensatz dazu sind zwischen 1991 und 2001 die Reallöhne der unteren fünf Prozent um bis zu 12 Prozent gesunken. Gleichzeitig konnten die einkommensstärksten 15 Prozent der westdeutschen Bevölkerung Lohnsteigerungen von mehr als 10 Prozent verbuchen.

Als Ursache für die gegenläufige Entwicklung machen die Wissenschaftler einerseits den technologischen Wandel und andererseits den schwindenden Einfluss der Gewerkschaften in Deutschland aus. Der technologische Fortschritt begünstige gut ausgebildete und damit besser verdienende Arbeitnehmer. Hinzu komme ein Mitgliederschwund und somit ein Machtverlust der Gewerkschaften. Diese hätten den Reallohnrückgängen bei den Geringverdienern so weniger entgegenzusetzen gehabt.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Mindestlöhne "eine weitere Zunahme der Ungleichheit innerhalb der unteren Lohngruppen" mildern könnten. "Möglicherweise wäre dann jedoch gerade die Gruppe der Geringqualifizierten einem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt", heißt es in der Studie.

Die Entwicklung der oberen Lohngruppen in Westdeutschland unterscheide sich kaum von der in den USA. Erstaunlich ist allerdings: Die Ungleichheit in der unteren Lohngruppen hat sich in Deutschland zwar drastisch vergrößert - dieser Prozess setzte aber rund zehn Jahre später ein als als im angelsächsischen Raum.

Christian Dustmann, einer der Autoren der Studie, gehört zu den forschungsstärksten deutschen Ökonomen, die an ausländischen Universitäten arbeiten. Im Handelsblatt-Auslandsökonomenranking, das im April 2007 veröffentlicht wurde, liegt er auf dem neunten Platz.

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