Anne Krueger von der Johns Hopkins University argumentierte mit Blick auf die Liberalisierung des Welthandels ähnlich. Die Wirtschaftswissenschaft habe die Vorteile des Freihandels für die beteiligten Länder schon lange klar herausgearbeitet. Seit Ende der 60er-Jahre seien Schwellen- und Entwicklungsländer vor allem in Asien dem Rat der Ökonomen gefolgt, hätten Handelsschranken abgebaut und seien mit deutlich höherem Wohlstand und Lebensstandard belohnt worden. „Die Erfahrungen, die Länder wie Korea mit der Marktöffnung machten, waren besser, als alle Experten vorher erwartet hatten“, sagte Krueger.
„Die Produktivitätsgewinne des Freihandels sind erheblich“, sagte Douglas Irwin vom Dartmouth College. Er warnte allerdings seine Fachkollegen davor, Freihandel als alleinige Wunderwaffe im Kampf gegen die Armut darzustellen. „Oft sind parallel auch andere Reformen nötig, damit der Handel seine Vorteile entfalten kann.“ So habe deswegen etwa Mexiko bislang wenig von der Freihandelszone Nafta profitiert, weil das Bankensystem des Landes unterentwickelt sei und die Unternehmen Probleme hätten, Kredite für Investitionen zu bekommen. Zugleich verteidigte Irwin seine Disziplin gegen den Vorwurf, sich einseitig auf materielle Größen wie das Bruttoinlandsprodukt zu konzentrieren. „Einkommen ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck.“ Schließlich sei es eindeutig, dass mit steigendem Reichtum Übel wie Unterernährung, hohe Säuglingssterblichkeit und Analphabetismus zurückgingen.
Inzwischen beschäftigt sich ökonomische Forschung mitunter sogar unmittelbar mit der Rettung von Menschenleben. Der Harvard-Professor Al Roth zum Beispiel hat ein Verfahren entwickelt, das die Verteilung von Organspenden deutlich effizienter macht – eine Art Tauschbörse für Nierenspenden. Denn viele Nierenkranke haben das Problem, dass ihnen ein Freund oder Verwandter eine Niere spenden würde, diese aber biologisch nicht passt. Grundidee von Roth ist, einen Ringtausch zwischen zwei oder mehr Paaren von Spendern und Empfängern zu organisieren. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, für einen Kranken ein passendes Organ zu finden, erheblich.
„Wir Ökonomen haben viele Jahre lang versucht, Märkte zu verstehen. Jetzt sollten wir sie auch reparieren können“, betont Al Roth, der seine Arbeit gern als „mikroökonomisches Engineering“ beschreibt. Auch für die New Yorker Schulbehörde war er bereits aktiv: Roth entwickelte ein Verfahren, durch das statt 30 000 nur noch 3 000 Schüler pro Jahr an eine High School kommen, auf die sie eigentlich nicht wollen.
Wenn die Erfolge des Fachs so offenkundig sind – warum tut es sich dann so schwer damit, sich gut zu vermarkten und gute Argumente für finanzielle Förderung zu liefern? Ein Grund dafür dürfte sein, dass der Erkenntnisprozess des Fachs langsamer und diffuser verläuft als in Naturwissenschaften. „Bei uns ist es selten ein einzelner Wissenschaftler, der die eine neue Entdeckung macht“, sagt Vanderbilt-Ökonom John Siegfried. Meist würde eine ganze Reihe von Forschern nach und nach Erkenntnisse zusammentragen. „Wir produzieren Ideen, keine Innovationen“, meinte auch Daniel Hamermesh von der University of Texas in Austin.
Dan Newlon von der NSF spekulierte noch über einen zweiten Grund: Ökonomen setzten sich in ihrer Forschung intensiv damit auseinander, welche negativen Folgen Lobbyismus für das Allgemeinwohl hat. „Ich vermute, dass sie dadurch Hemmungen haben, als Lobbyisten in eigener Sache aufzutreten.“
