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13.10.2008 
Nobelpreis 2008

Wirtschafts-Nobelpreis für US-Forscher Krugman

Der diesjährige Wirtschafts-Nobelpreis geht an Paul Krugman. Das teilte die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm am Montag mit. Der Ökonomieprofessor in Princeton und Star-Kolumnist der „New York Times“, hatte die Finanzkrise schon vor Jahren vorausgesagt.

Paul Krugman. Foto: dpaLupe

Paul Krugman. Foto: dpa

ost/doh/HB STOCKHOLM. Der US-Forscher Paul Krugman erhält den diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreis. Zur Begründung nannte die Akademie Krugmans „Analyse von Handelsmustern und die Ansiedlung ökonomischer Aktivitäten“. Es ist bereits das neunte Mal in Folge, dass der Wirtschaftsnobelpreis in die USA geht. Der Preis ist mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember in der schwedischen Hauptstadt statt.

Der 55-Jährige gilt als scharfer Kritiker der Wirtschaftspolitik von US-Präsident George W. Bush. Krugman wurde seit mehreren Jahren als aussichtsreicher Anwärter auf den Preis gehandelt. Der Professor an der Princeton-Universität in New Jersey sagte in einer ersten telefonischen Reaktion, er sei „tief bewegt“. Über die derzeitige internationale Banken- und Finanzkrise meinte Krugman: „Sie ist furchterregend. Ich freue mich, dass die Politiker endlich anfangen, vernünftig zu handeln.“ Er habe es bis vor kurzem nicht für möglich gehalten, dass die Welt sich wie jetzt am Rande einer großen Depression bewegen könne.

Dabei hatte Krugman schon 2005 über die US-Wirtschaft geschrieben: "Wir verkaufen einander Häuser, die mit chinesischen Krediten finanziert sind." In seiner letzten Kolumne für die „New York Times“ warnte er, wenn die US-Regierung und die führenden Industriestaaten, die sich in Washington versammeln, nicht drastische Maßnahmen beschließen, sei ein kompletter Zusammenbruch der internationalen Finanzwirtschaft mit einer weltweiten Depression eine reale Möglichkeit.

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Krugman erhält den Nobelpreis für seine Außenhandelstheorie, die er Ende der siebziger Jahre entwickelt hat. Ausgangspunkt seiner Arbeit war die Feststellung, dass sich mit den bis dahin üblichen Ansätzen der Welthandel nicht vollständig erklären lässt. Bis zu Krugmans Arbeiten galten allein komparative Kostenunterschiede als Motor des internationalen Handels.

Diese hatte David Ricardo bereits 1817 beschrieben. Es besagt: Internationaler Handel lohnt sich für alle beteiligten Länder. Komparative Vorteile entstehen, wenn Länder unterschiedliche Ausstattungen mit den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit besitzen. So kann man zum Beispiel in Schweden relativ schlecht Wein anbauen, in Frankreich dagegen kaum Rentiere züchten. Beide Länder können ihren Wohlstand erhöhen, wenn sie sich auf Produktion und Export jener Güter spezialisieren, die sie im Vergleich zu anderen Staaten mit niedrigeren Kosten herstellen können – und wenn sie das, was andere Länder günstiger herstellen können, importieren.

Tatsächlich aber lassen sich mit komparativen Kostenunterschieden die heutigen Muster des Welthandels nur unzureichend erkären: Denn fast 70 Prozent aller weltweiten Exporte finden zwischen den hoch entwickelten Staaten statt. Gerade einmal 29 Länder, in denen 15 Prozent der Weltbevölkerung leben, machen mehr als zwei Drittel der weltweiten Exporte aus. Zwischen den Industrieländern aber existieren schon lange kaum noch nennenswerten Unterschiede bei der Faktorausstattung. „Die wichtigsten Handelsnationen sind sich in Bezug auf Technologie und Ressourcen immer ähnlicher geworden, oft gibt es keine klaren komparativen Vorteile mehr“, schreibt Krugman zusammen mit seinem Kollegen Maurice Obstfeld im Lehrbuch "International Economics" .

Krugman zeigte 1979: Schlüssel zur Erklärung des Handelsbooms sind so genannte „Economies of Scale“, also steigende Skalenerträge. Sie bedeuten: Je größer die Stückzahlen in einem Unternehmen sind, desto niedriger sind die durchschnittlichen Kosten. Vor allem in wissensintensiven Branchen spielen diese Größenvorteile eine enorme Rolle. So verschlingt die Entwicklung von Computerprogrammen oder Arzneimitteln mitunter Milliarden. Steht das Produkt aber erst einmal, kann es mehr oder weniger kostenlos vervielfältigt werden. Im ökonomischen Fachjargon ausgedrückt: Es gibt hohe Fix- und sehr niedrige Grenzkosten. Unter solchen Bedingungen ist Freihandel für Firmen besonders attraktiv. Denn dadurch können sie größere Märkte bedienen, mehr Kunden erreichen.

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