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25.08.2008 
Finanzkrise und Wirtschaftswissenschaft

Wissenschaft mit Motorschaden?

von Olaf Storbeck

Die Finanzkrise trifft nicht nur Banken und Konjunktur, sondern auch die bisherige ökonomische Theorie. Das zumindest prophezeien eine ganze Reihe von Ökonomie-Nobelpreisträger, die sich jetzt in Lindau trafen. Der VWL-Gipfel machte deutlich: Der Glauben an das reibungslose Funktionieren freier Märkte ist tief erschüttert.

Illustration: Lutz Widmaier für HandelsblattLupe

Illustration: Lutz Widmaier für Handelsblatt

In der Medizin ist die Pathologie ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung - und für angehende Ärzte ein fester Bestandteil der Ausbildung. Schon im Grundstudium sezieren Medizinstudenten Tote, um ein besseres Verständnis des menschlichen Körpers zu bekommen.

Was für Mediziner die Leichen sind, ist für Volkswirte die Finanzkrise - diese These stellte der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz Ende vergangener Woche auf dem Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen in Lindau auf.

"Von der Pathologie können wir einiges lernen", sagte Stiglitz. "Die Krise ist ein Realitätstest für eine Reihe ökonomischer Theorien - und ich bin sicher: Manche werden diesen Test nicht überleben."

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Die Subprime-Krise, ihre Ursachen, Folgen sowie Rückwirkungen auf die wirtschaftswissenschaftliche Theorie gehörten zu den zentralen Themen des Treffens. Nach Ansicht einer Reihe von Laureaten zeichnet sich bereits jetzt ab: Die Turbulenzen im Finanzsektor haben nicht nur Folgen für die Realwirtschaft, sie werden auch die ökonomische Forschung umwälzen. Stiglitz sieht dabei durchaus Parallelen zur "Great Depression", die viele der bis dahin in der Disziplin geltenden Paradigmen über den Haufen warf.

Auch der Berkeley-Professor Daniel McFadden, der im Jahr 2000 den Ökonomie-Nobelpreis erhielt, ist überzeugt: Nach der Krise werden Wirtschaftswissenschaftler ihr Fach und die Welt mit anderen Augen sehen. Besonders die weit verbreitete Annahme, dass Finanzmärkte effizient funktionierten und stets alle verfügbaren Informationen verarbeiteten, sei nicht mehr haltbar.

Die Theorie der effizienten Finanzmärkte geht auf den Chicagoer Ökonomen Eugene Fama zurück, der dafür bislang als heißer Kandidat für den Nobelpreis galt. McFadden nannte Fama zwar nicht beim Namen, kritisierte dessen Theorie aber heftig: "Wir werden uns fragen müssen, ob es sich bei der Theorie von der Markteffizienz wirklich um gute Wissenschaft handelt."

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