Der „Tages-Anzeiger“ aus Zürich bezeichnet die Nominierung Palins als geschickten Schachzug: „Der geschickte Schachzug McCains dürfte den amerikanischen Wahlkampf beleben. Nicht nur könnte Palin so manche Wählerin anziehen, die durch Hillary Clintons Niederlage bei den demokratischen Vorwahlen verprellt wurde. McCain unterstreicht überdies mit der Wahl Palins, dass er schwer einzuschätzen und zu durchaus unorthodoxen Entscheidungen fähig ist. Zumal Palin als verlässlich konservativ gilt, was bei den republikanischen Rechten die Zweifel an McCain mindern dürfte. Von weitaus größerer Bedeutung ist jedoch, dass Palin einer Partei als Vizepräsidentschaftskandidatin dienen wird, der es an Buntheit mangelt und die vor allem ein Machtinstrument weißer Männer ist. Palin symbolisiert nun eine Öffnung, welcher die Partei Abraham Lincolns und Ronald Reagans dringend bedarf.“
Auch die römische Zeitung „La Republica“ bleibt bei der Spiel-Metapher: „Eine elegante, lebhafte und unbekannte Gouverneurin von der äußersten Grenze des Landes nimmt plötzlich am Rennen um den Einzug ins Weiße Haus teil. Dies ist der Versuch von McCain, Obama zu übertrumpfen. Sarah Palin, die Gouverneurin von Alaska, die die Republikaner zur Partnerin des alten Senators erwählt haben, ist die Karte, die gespielt wird, um dem Duell wieder Gleichgewicht zu verleihen. Denn es hatte sich bereits ein Kampf zwischen Hoffnung und Angst angekündigt, zwischen dem zu Neuen und dem zu Alten. Und sie ist die Karte, mit der ganz offensichtlich Stimmen von den Demokraten gestohlen werden sollen - und zwar besonders unter den Hillary- Anhängern, die jetzt noch einmal die Seite wechseln könnten.“
