Dass der Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf zuletzt von einigen seiner ursprünglich linken Positionen abgerückt ist, dass er in die Mitte schwenkte, so dass einige schon von der Entzauberung des einst so progressiven Demokraten sprechen – das ficht die Auslandsamerikaner nicht an. „Obama ist Politiker, er braucht die Stimmen der smarten Menschen und der weniger smarten, der fortschrittlichen und der traditionellen, er braucht viele Stimmen, um zu gewinnen, da kann man gewisse Dinge auch pragmatisch sehen“, sagt Jerry Gerber. Doch schadet das nicht Obamas Glaubwürdigkeit? Sue Bergermann übt sich in Diplomatie: „Das hängt davon ab, was er letztendlich als Präsident unternimmt.“
Für Amerikaner, die in ihrer Heimat leben, sprechen andere Argumente für Obama, das gilt selbst für treue Wähler der Republikaner wie Chad Burmeister. Der Amerikaner aus einer Kleinstadt in Michigan macht diese Woche Urlaub in Berlin – spontan, wegen Obama. Um zu hören, was der Kandidat zu sagen hat, haben Burmeister und seine Frau Lori, beide Ende 60, ihre Europa-Reise kurzfristig umgeplant: London, Paris, Heidelberg, München, Salzburg und Prag standen ursprünglich auf dem Programm. Gut zwei Wochen hatten die Burmeisters vorgesehen. Mehr Geschichte als Gegenwart, mehr alte statt neue Welt hatten sie erleben wollen.
Nun bekommen sie eine etwas andere Mischung. „Wir haben Prag und Salzburg gestrichen, dafür machen wir jetzt ein paar Tage Berlin“, erzählt Lori Burmeister und lächelt befriedigt in sich hinein. Der Preis: „Wir können unseren Kindern zwar keine Original Salzburger Mozartkugeln mitbringen, und teurer ist die Reise auch geworden, aber Obama war uns das wert.“
Zum ersten Mal in ihrem Leben werden sie wohl einem Demokraten ihre Stimme geben. „Wir haben immer gedacht: Die Republikaner haben Ahnung von der Wirtschaft, von Banken, von Finanzmärkten. Das ist offenbar ein Trugschluss, wenn man sich die Lage in den USA anschaut“, sagt Chad Burmeister, „wenn das weiter so geht, werden wir daher wohl Obama wählen.“

