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17.06.2008 
Demokraten

Ex-Hillary-Vertraute wechselt die Fronten – und irritiert die Anhänger

von Markus Ziener

Kanpp zwei Wochen nach Abschluss der Vorwahlen hat Al Gore dazu aufgerufen, Barack Obama nach Kräften zu unterstützen. War der Schritt von Gore erwartet worden, so überraschte jedoch eine ganz andere Personalie: Patti Solis Doyle, bis zum Februar Wahlkampfmanagerin von Hillary Clinton, wechselte offiziell in das Team von Obama. Das gab Anlass zu den unterschiedlichsten Spekulationen.

Auch Al Gore unterstützt jetzt Barack Obama. Foto: apLupe

Auch Al Gore unterstützt jetzt Barack Obama. Foto: ap

WASHINGTON. Der Friedensnobelpreisträger und frühere US-Vizepräsident Al Gore unterstützt den demokratischen Kandidaten Barack Obama im Kampf um die Präsidentschaft. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Detroit sagte er: "Der Ausgang dieser Wahlen hat Einfluss auf die Zukunft unseres Planeten". Der frühere Vizepräsident unter Bill Clinton und Umweltschützer spielte damit auf die erwartete Wende in der Klimapolitik an, auf die er unter einem Präsidenten Obama setzt.

Al Gore war die letzte Schlüsselfigur bei den amerikanischen Demokraten, die nun mit einer klaren Aussage zu Gunsten von Obama vor die Öffentlichkeit ging. Erstmals ist der Friedensnobelpreisträger dabei auch als Spendensammler für Obama aufgetreten. Über Gores persönliche Webseite ist es ab sofort möglich, direkt an die Obama-Kampagne zu spenden. Während des gesamten Vorwahlkampfes hatte sich Gore zuvor trotz allen Drängens nicht zu einer Wahlempfehlung hinreißen lassen.

War der Schritt von Gore erwartet worden, so überraschte jedoch eine ganz andere Personalie. Patti Solis Doyle, bis zum Februar Wahlkampfmanagerin von Hillary Clinton, wechselte am Montag offiziell in das Team von Barack Obama. Dort wird sie die Federführung bei der Auswahl eines möglichen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft übernehmen. Der Posten war frei geworden, nachdem Jim Johnson wegen der Inanspruchnahme von angeblich zu vorteilhaften Hauskrediten vor wenigen Tagen seinen Hut nehmen musste.

Obamas überraschende Wahl

Warum Obama ausgerechnet die langjährige enge Hillary-Vertraute mit diesem wichtigen Posten betraut hat gab Anlass zu den unterschiedlichsten Spekulationen. Doyle, die von Clinton für die herben Niederlagen zu Beginn des Wahlkampfes verantwortlich gemacht wurde, ist seither mit ihrer ehemaligen Chefin zerstritten. Dass sie nun ins gegnerische Lager geholt wurde sei ein klares Signal an Hillary, dass diese nicht als Obamas "Running Mate" in Betracht komme. Andererseits fragen sich Beobachter, warum Obama zu diesem Zweck ausgerechnet jene Frau, die in der Tat Hillary Clntons Wahlkampf falsch ausgerichtet hatte, nun so sehr belohnt. Wiederum andere Analysten sehen in der Wahl von Doyle den Versuch von Obama, bei den lateinamerikanischen Einwanderern zu punkten. Patti Solis Doyle ist hispanischer Abstammung.

Obama, der in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Personalentscheidungen traf, hat auch die Stelle des Stabschefs für seine Frau Michelle hochkarätig besetzt. Hier fiel die Wahl auf Stephanie Cutter, die in der Präsidentschaftskampagne von John Kerry 2004 dessen Kommunikationsdirektorin war. Diese Entscheidung für eine sehr erfahrene Wahlkampfstrategin deutet darauf hin, dass Obama damit rechnet, dass seine Frau zur Zielscheibe republikanischer Kritik wird. Dies hatte sich schon in den vergangenen Wochen angedeutet, als immer wieder Michelle Obamas Patriotismus in Zweifel gezogen wurde.

Obamas schwache Flanke indes bleibt auch weiter unterbesetzt: Die Sicherheitspolitik. Zwar will der Demokrat aus Chicago bis zum Wahltermin am 4. November den Irak bereist haben, wo er bisher nur einmal gewesen ist. Doch gegenüber der Sicherheitsexpertise von John McCain und dessen Team fällt Obama noch immer deutlich ab. Der Republikaner reklamiert auf diesem Feld nicht nur selbst die größte Kompetenz. Er verfügt auch mit Joe Lieberman und Lindsey Graham über weithin bekannte und erfahrene Unterstützer. Als mögliches Kabinettsmitglied unter McCain wird außerdem immer wieder Richard Armitage genannt. Armitage, unter Colin Powell stellvertretender Außenminister, zählt zu den moderaten Kräften bei den Republikanern.

Obama hingegen hatte seine prominenteste Außen- und Sicherheitspolitikerin Samantha Power vor wenigen Monaten verloren. Power musste wegen beleidigender Äußerungen über Hillary Clinton zurücktreten. Zwar zählen bekannte Namen wie Anthony Lake, Sicherheitsberater unter Bill Clinton, oder Susan Rice, die ebenfalls unter Clinton im State Department arbeitete, zu Obamas Team. Doch angesichts eines Wahlkampfes, in dem das Thema Irak und Nationale Sicherheit ganz oben auf der Agenda stehen wird, gilt Obamas Beraterteam als noch nicht kompetent genug besetzt.

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