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10.05.2008 
„Pastor Wright“ des Republikaners?

Fernsehprediger bringt McCain in Bedrängnis

von Stephan Dörner

Nach den umstrittenen Äußerungen des ehemaligen Obama-Vertrauten Jeremiah Wright droht nun auch John McCain die Beziehung zu einem Prediger zum Verhängnis zu werden: In amerikanischen Blogs sorgt zurzeit ein Video für Aufsehen, in dem der McCain-Unterstützer Rod Parsley die Zerstörung des Islams als Ziel der USA beschreibt. Noch hat sich McCain nicht distanziert.

Nun drohen auch John McCain (im Bild) Probleme durch einen Prediger. Foto: Reuters Lupe

Nun drohen auch John McCain (im Bild) Probleme durch einen Prediger. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. „Fakt ist, dass Amerika unter anderem gegründet wurde, um diese falsche Religion zu zerstören“ beschwört der evengelikale Fernsehprediger und selbsternannte „Christokrat“ Rod Parsley seine Anhänger in einem » Video, das derzeit die amerikanische Blogosphäre stürmt. Parsley ist bekannt für seine harschen Angriffe auf den Islam, Abtreibungs-Befürworter und alles Unchristliche. Zu seinen fundamentalchristlichen Forderungen gehört unter anderem, den Ehebruch unter Strafe zu stellen.

Parsley ist Pastor der World Harvest Church in Columbus (Ohio), einer der evengelikalen „Megachurches“ in den USA sowie Gründer und Vorsitzender des „Center of Moral Clarity“. Dass er den Republikaner McCain unterstützt, ist kein Geheimnis. Und die Nähe zum McCain-Lager ist nicht nur einseitig: Der Präsidentschaftskandidaten der Republikaner nannte den religiösen Rechtsaußen-Prediger eine moralische und religiöse Orientierungshilfe. Dabei ist Parsley nicht der einzige umstrittene Prediger, der John McCain unterstützt. Auch der politisch und finanziell einflussreiche texanische Kirchengründer Johne Hagee hat seine Unterstützung für McCain deutlich gemacht. Er steht unter anderem in der Kritik, weil er die katholische Kirche als „große Hure“ bezeichnet hatte.


» US-Wahl 2008: Themen, Termine, Kandidaten


Das nun bekanntgewordene Video wurde am Donnerstag von der linksliberalen Website bravenewfilms.org veröffentlicht und stürmte binnen kürzester Zeit die » Viral Video Charts, eine Website, die Erwähnungen von Videos in Blogs misst. Darin beschreibt Parsley den Islam als „Religion gegen das Christentum“ und fordert die Zerstörung der in seinen Augen „falschen Religion“. Pikant werden die Auschnitte vor allem deshalb, weil die hasserfüllten Reden von Aufnahmen unterbrochen werden, in denen John McCain die moralische Integrität des Pastors lobt und ihn eine spirituelle Leitfigur nennt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Blogger kritisieren Doppelmoral

Noch hat das Video außerhalb der Blogosphäre nicht die Aufmerksamkeit erlangt, welcher der Skandalrede von Barack Obamas Pastor Jeremiah Wright zukam. In einer seiner Predigten verdammte dieser Amerika und machte die US-Regierung für die Anschläge des 11. Septembers 2001 mitverantwortlich, woraufhin »  Obama in der Gunst der Wähler verlor. Doch McCains Nähe zu dem rechtskonservativen Prediger könnte jetzt gerade die wahlentscheidenden moderaten Wechselwähler in sogenannten Swing States in die Arme der Demokraten treiben. Der bekannte Blogger Andre Sullivan beispielsweise, der sich selbst als konservativ beschreibt, » distanzierte sich bereits von den Aussagen Parsleys: „Ungeachtet des Schadens, den solche Aussagen für einen effektiven Kampf gegen den Islamismus bedeuten, liegt er auch empirisch falsch“ schreibt Sullivan und belegt seine Aussage durch eine Entscheidung des US-Senats von 1797, in der die Senatoren ihren Respekt für Muslime ausdrücken.


ArtikelInteraktive Grafik mit allen Einzelergebnissen, den Positionen und Biographien der Kandidaten

Dass die Massenmedien auf das Video von Parsley bisher nicht ähnlich scharf reagieren, wie auf das Skandalvideo von Wright, » kritisiert „The Huffington Post“, eines der meistgelesenen politischen Blogs der USA, das den Demokraten nahe steht: „Im Lichte dieser extremen Kommentare eines Brandstifters, ist es unglaublich und tragisch zu sehen, wie die Medien bei diesen beiden Pastoren eine solche Doppelmoral an den Tag legen“, schreibt einer der Blogger.

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