Das bis gestern noch endlos erscheinende Duell der Demokraten ist entschieden. Doch so richtig glücklich sind die Parteistrategen nicht. Vielmehr wachsen die Zweifel bei den Demokraten an den Siegeschancen bei der Wahl am 4. November, wenn es darum geht, den republikanischen Kandidaten John McCain zu schlagen. Denn mit Obama als Kandidat, drohe ein Wahldebakel, weil auch die Demokraten genau wüssten, dass sie „mit einer Koalition von College-Studenten und Weißwein-Trinkern“ nicht gewinnen könnten, lästert der republikanische Wahl-Stratege Karl Rove. Zwar werde Obama die linke und liberale Basis sowie die Intellektuellen („Weißweintrinker“) mobilisieren, die Wähler der Mitte würden den schwarzen Senator mit den vielen „merkwürdigen Freunden“ aber kaum akzeptieren.
Tatsächlich drohen rund 20 Prozent der Clinton-Anhänger, im November lieber für den Republikaner John McCain zu stimmen - falls Obama und nicht Clinton ins Rennen gehen sollte. „Schrumpfende Demokraten“, warnt Joe Klein, Kommentator des » „Time Magazine“.
Und der » „San Francisco Chronicle“ meint gar, dass die Superdelegierten der Demokraten angesichts der schlechteren Siegerchancen bei einem Duell Obama-McCain auf dem Parteitag überraschend doch noch für Clinton votieren könnten. „Obama hat das Rennen noch nicht gewonnen“, heißt es.
Hillary Clinton klammert sich indes an eine weitere Hoffnung: die Neubewertung der Wahlen in Florida und Michigan. In beiden Bundesstaaten hatte sie die Vorwahlen gewonnen. Allerdings hatte die Partei die Staaten zuvor vom Parteitag ausgeschlossen, als Strafe, weil sie ihre Vorwahl gegen den Willen der Partei vorverlegt hatten.
Ein Albtraum-Szenario, warnt das „Time Magazine“: „Wenn dies Thema wieder aufkommen sollte, droht eine Schlammschlacht, die das bisherige Gezänk wie Geplauder über den Gartenzaun aussehen lässt.“
