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02.07.2008 
Politiker stehen Schlange

„Jeder denkt doch an Kennedy“

von Andreas Rinke

Seit das Team von Barack Obama eine Europareise des demokratischen Präsidentschaftskandidaten angekündigt hat, steht das politische Berlin Kopf. Alle wollen mit dem Hoffnungsträger reden. Ein Politiker ist dabei sogar der Kanzlerin zuvorgekommen.

Will Deutschland besuchen: Barack Obama. Foto: dpaLupe

Will Deutschland besuchen: Barack Obama. Foto: dpa

BERLIN. Noch hat Frank-Walter Steinmeier 15 Minuten Vorsprung. Angela Merkel mag als Kanzlerin ja derzeit die besseren Zugänge zum Weißen Haus haben. Aber mit Barack Obama, dem demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten, hat die Kanzlerin bisher noch nie gesprochen. Der Bundesaußenminister dagegen hatte mit Obama bei seiner letzten USA-Reise zumindest eine Weile am Telefon geplauscht.

Doch bei dem Vorsprung wird es wohl nicht lange bleiben: Seit das Obama-Team eine Europareise angekündigt hat, steht Berlin Kopf. In den außenpolitischen Stäben der Hauptstadt herrscht helle Aufregung. Wann kommt der charismatische Politiker genau? Wen wird er treffen? Längst setzt das Gerangel hinter und vor den Kulissen ein. Denn jeder, der etwas auf sich hält im transatlantischen Verhältnis, würde sich gerne mit dem charismatischen Politiker aus Chicago treffen - und vor allem zeigen. Zugang ist schließlich Macht.

Die Begeisterung um Obama schwappt durch ganz Deutschland. "Auch wenn er nicht vom Balkon des Rathauses in Schöneberg ,Ich bin ein Berliner' ruft, denken doch alle an John F. Kennedy", glaubt etwa Gary Smith, Direktor der American Academy. Die Neugier ist aber nicht nur deshalb so groß, weil Obama erstmals seit langem wieder Aufbruchstimmung im transatlantischen Verhältnis vermittelt.

"Er ist außenpolitisch im Grunde auch ein unbeschriebenes Blatt", sagt Constanze Stelzenmüller, Chefin des Berliner Büros des German Marshall Funds. Ziel der Reise und des ersten Deutschland-Besuchs überhaupt sei ja gerade, den amerikanischen Wählern zu demonstrieren, dass auch der Mann aus Chicago weltgewandt und bei den Verbündeten willkommen ist. "Ein begeisterter Empfang in Europa kann deshalb durchaus eine Wahlkampfhilfe sein", sagt Stelzenmüller. Allerdings dürfe es der Präsidentschaftskandidat nicht überziehen. Schließlich soll Obama am Ende nicht zum deutschen, sondern zum US-Präsidenten gewählt werden. Aber mit einem umjubelten öffentlichen Auftritt rechnen mittlerweile viele in Berlin. Als wahrscheinlicher Reisetermin kursiert die dritte Juli-Woche, also die Zeit, bevor die deutsche Politprominenz in die Sommerferien eilt.

Wer wirklich auf der ersehnten Liste der Gesprächspartner stehen wird, bleibt wohl bis zuletzt unklar. Nur die Kanzlerin und der Vizekanzler gelten als gesetzt: Obama muss auf seiner Europareise schließlich die Politiker treffen, mit denen er es nach einem Wahlsieg im November zu tun hätte. Aber ob die Zeit auch für Oppositionspolitiker und Abgeordnete reicht, scheint unklar.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), jedenfalls gibt sich vorsichtshalber bescheiden. "Natürlich würde ich mich gerne mit Obama treffen und bin sicher, dass dies auch für die anderen Mitglieder des Ausschusses gilt", sagt er. Aber eine Anfrage aus dem Obama-Büro ist noch nicht eingegangen.

Eine politische Parteinahme sieht im überbordenden Obama-Interesse übrigens niemand in Berlin. "Sein Kontrahent John McCain wäre auch willkommen", ist sich Stelzenmüller sicher. Aber die Neugier wäre schon deutlich geringer. Denn McCain kennen die meisten deutschen Außenpolitiker schon. Der republikanische Senator zählt seit Jahren zu den prominentesten - und streitlustigsten - Gästen der Münchener Sicherheitskonferenz.

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