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28.08.2008 
Parteitag der US-Demokraten

Krönungsmesse für Barack Obama

von Georg Watzlawek

Was Hillary Clinton bei ihrem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten noch ausgelassen hatte, vollendete Bill Clinton: Nach der formellen Nominierung von Barack Obama zum Präsidentschaftskandidaten erteilte ihm der Ex-Präsident die außenpolitischen Weihen und befand ihn für reif, Amerika als „Commander in Chief“ zu führen. Joe Biden machte die Krönungsmesse der Demokraten dann perfekt.

Kanidaten unter sich: Joe Biden (l.) begrüßte nach seiner Rede einen lange erwarteten Überraschungsgast auf der Bühne in Denver. Foto: apLupe

Kanidaten unter sich: Joe Biden (l.) begrüßte nach seiner Rede einen lange erwarteten Überraschungsgast auf der Bühne in Denver. Foto: ap

DENVER.Wir sind eine schrecklich nette Familie – und wenn wir ausnahmsweise mal zusammenhalten sind wir unschlagbar. Mit dieser laut vorgetragenen Botschaft ging in der Nacht der dritte Akt des demokratischen Parteitages zu Ende. Die Delegierten beendeten den internen Kampf und nominierten Barack Obama einstimmig als ersten Schwarzen zum Präsidentschaftskandidaten. Zum Schluss erteilten die Partei-Granden Bill Clinton und Joe Biden ihrem Kandidaten den außenpolitischen Ritterschlag.

Am Ende liegen sich alle in den Armen. Joe Biden, der sechsmalige Senator für Delaware, der mit seiner weißen Mähne und dem strahlenden Lachen dem amerikanischen Wappentier, dem Weißkopfadler ähnelt. Er holt seine Frau, seine Kinder, seine Enkel und seine Mutter auf die Bühne – und dann tritt als Überraschungsgast auch noch Barack Obama auf die Bühne, zum ersten Mal überhaupt bei diesem Parteitag, der immer mehr zu einer Krönungsmesse wird. Gegenüber auf der VIP-Tribüne herzen sich Bill, Hillary und Chelsea Clinton. Harmonie, bis das es kracht.

Dabei hätte der Abend noch ganz anders ausgehen können, wenn nicht ausgerechnet Bill und Hillary mit einem riesigen Satz über ihren Schatten gesprungen wären. Noch morgens hatte Hillary Clinton auf eine öffentliche Auszählung der Delegiertenstimmen bestanden, den so genannten Roll Call. Rund der normalen 1700 Delegierten hatte sie in den Primaries gewonnen, Obama nur etwa 100 mehr. Und dann gibt es ja noch die Superdelegierten, die qua Amtes in ihrem Votum frei sind.

Doch bei einem Treffen mit ihren Anhängern gab die Ex-First-Lady ihre Delegierten frei: „Am Ende des Tages ist es nur wichtig, dass wir Barack Obama und Joe Biden nominieren. Ich habe bereits Barack auf meinem Wahlzettel eingetragen.“

Bundesstaat für Bundesstaat zählt noch einmal seine Delegierten aus und gibt einer nach dem anderen sein Ergebnis bekannt – bis immer klarer wird, dass Obama weit vorne liegt. Da erhebt sich Hillary Clinton und beendet das Spektakel. “Mit den Augen fest in die Zukunft gerichtet und im Geist der Einheit, lasst uns jetzt mit einer Stimme gleich hier erklären, dass Barack Obama unser Kandidat ist und unser Präsident sein wird.“ Einwände? Keine, Obama wird per Akklamation zum Kandidaten geweiht. Und es ist ausgerechnet Hillary, die ihn so hart bekämpft hat, die ihn persönlich auf den Thron hebt.

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