Noch ist in den USA die Kandidaten-Kür der Demokraten nicht abgeschlossen. Aber schon blicken alle auf die neue Kontroverse: Obama vs. McCain. Der demokratische Bewerber hat sich nun den ersten harten Schlagabtausch mit dem Republikaner geliefert. Ausgelöst hat den Disput einer, der künftig gar nicht mehr dabei ist.
HB WASHINGTON. Es war US-Präsident George W. Bush, der vom Nahen Osten aus den Schlagabtausch zwischen den mutmaßlichen Kandidaten der beiden großen Parteien für seine Nachfolge ausgelöst hat: Der demokratische Bewerber Barack Obama warf Bush und seinem republikanischen Parteifreund John McCain eine „naive und unverantwortliche Außenpolitik“ vor, nachdem diese angedeutet hatten, er sei ein im Umgang mit Terroristen zu nachgiebiger Politiker.
Bush nannte Obama bei seiner Rede im israelischen Parlament nicht beim Namen, als er vor einer neuen Beschwichtigungspolitik gegenüber „Terroristen und Radikalen“ warnte. McCain griff die Vorlage aber auf und sagte auf einer Veranstaltung der US-Waffenlobby NRA in Louisville, man lebe nun einmal nicht in einer Welt, in der es keine Feinde gebe. „Solange Senator Obama diese Wirklichkeit nicht versteht, hat das amerikanische Volk jeden Grund zu zweifeln, ob er die Kraft, das Urteilsvermögen und die Entschlossenheit hat, für unsere Sicherheit zu sorgen“, sagte er.
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Schon Obamas demokratische Konkurrentin Hillary Clinton hatte versucht, den Senator aus Illinois wegen seiner öffentlich bekundeten Bereitschaft anzugreifen, sich mit den Führern von Staaten wie dem Iran und Syrien persönlich zu treffen. Sie bekundete am Freitag ihre Entschlossenheit, im Rennen um die Kandidatur zu bleiben, obwohl Obama nach Einschätzung vieler Beobachter inzwischen einen uneinholbaren Vorsprung hat. „Ich bin schon so oft für tot erklärt worden und es war glücklicherweise verfrüht – und ich hoffe es bleibt verfrüht“, sagte sie in Oregon.
Die Kontroverse zwischen McCain und Obama galt aber dennoch als erster Vorgeschmack auf den Wahlkampf der beiden großen politischen Parteien um das Weiße Haus. Obama ging zum Gegenangriff über, indem er sagte, McCain würde die Politik des extrem unpopulären Bush nur um weitere vier Jahre verlängern. „Wenn sie eine Debatte über den Schutz der Vereinigten Staaten von Amerika haben wollen, ist das eine, die ich gewinnen werde: Denn George Bush und John McCain haben viele Fragen zu beantworten“, sagte er. Er glaube fest an eine parteiübergreifende Außenpolitik, sagte Obama am Freitag in Watertown im Staat South Dakota. „Aber dieser Sache wird nicht gedient mit verlogenen und spaltenden Angriffen von der Art, wie wir sie seit einigen Tagen von George Bush und John McCain erleben.“
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Grafologie – Was die Handschrift über die Bewerber aussagt
Die Wahlkampagnen der Kandidaten für die US-Präsidentschaft mögen bis ins kleinste Detail inszeniert sein. Auf eines haben die Strategen von Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain aber keinen Einfluss: die Handschrift der Bewerber. Ihre Unterschriften sind eine Fundgrube für Grafologen – für jene Experten also, die aus der Handschrift Rückschlüsse auf Temperament und Charakter eines Menschen ziehen. Über die derzeitigen Bewerber fürs Weiße Haus haben US-Grafologen ihr Urteil gefällt: Barack Obama ist ein anpassungsfähiger Diplomatentyp, Hillary Clinton ist klug und entschlossen, John McCain ist aufbrausend und unstet.
An der Unterschrift des Demokraten Barack Obama etwa fällt Grafologen das dynamisch vertikal geneigte „B“ des Vornamens sowie der markante Längsstrich im „O“ des Nachnamens auf. „Das auffällig große 'B' zeigt, dass Obama ein sehr starkes Ego hat“, sagte der New Yorker Handschriftexperte Roger Rubin der Nachrichtenagentur AFP. Das durchgestrichene „O“ des Nachnamens könnte auf eine Distanzierung von seiner familiären Herkunft hinweisen – vielleicht deswegen, weil Obamas Vater die Familie schon sehr früh verließ, mutmaßt Rubin.
Dass Obama seine Unterschrift in flüssigen Schwingungen zu Papier bringt, werten Grafologen als Indiz für Intelligenz und für die Fähigkeit zum Ausgleich mit Gegnern. Dass sie praktisch unleserlich ist, könnte auf eine gewisse Introvertiertheit hinweisen. „Er zeigt der Welt nur einen Teil von sich, nicht aber alles“, urteilt die Grafologin Arlyn Imberman.
Ganz anders verhalte es sich mit der fast gestochen scharfen Unterschrift seiner Konkurrentin Hillary Clinton. „Sie ist einer jener Menschen, bei dem man gleich sieht, was man bekommt“, sagt Imberman. „Alles ist sehr sorgfältig geschrieben und gut lesbar“, was auf einen Hang zur Perfektion hindeute. Dass in Clintons Unterschrift das zweite „L“ in „Hillary“ größer ist als das erste, wertet die Expertin als Beleg für großen Ehrgeiz. „Es gibt aber auch runde Bögen in ihrer Unterschrift, was zeigt, dass sie sich um andere Leute kümmert“.
Zu anderen Schlüssen kommen Grafologen hingegen bei der kantigen Unterschrift des Republikaners McCain. „Die Unausgeglichenheit im Schreibrhythmus spiegelt Unausgeglichenheit im Temperament wider“, urteilt Grafologe Rubin. McCains Handschrift verrate Idealismus, aber auch ein aufbrausendes Naturell bis hin zur Unkontrollierbarkeit. Wie bei Clinton und Obama sehen die Experten auch in McCains Unterschrift Hinweise auf viel Selbstvertrauen, was für das angestrebte Staatsamt wohl auch Voraussetzung ist. „Das 'J' in 'John' ist der größte Buchstabe überhaupt, das zeigt großen Glauben an sein Ego“, sagt Rubin.
