Mit einem deutlichen Sieg in North Carolina hat Barack Obama seinen Vorsprung im Rennen um die demokratische Nominierung ausgebaut. Hillary Clinton hat nun trotz eines Sieges in Indiana keine Chance mehr, ihren Konkurrenten noch vor dem Parteitag einzuholen.
Barack Obama hat mit seinem Triumph in North Carolina die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten schon fast sicher in der Tasche. Foto: Reuters
INDIANAPOLIS/RALEIGH. Barack Obama hat die Vorwahl der Demokraten im Staat North Carolina klar für sich entschieden und damit seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag ausbauen können. Obama gewann in North Carolina vor allem dank des großen schwarzen Bevölkerungsanteils mit 56 Prozent. Hillary Clinton kam auf nur knapp 42 Prozent. Im stärker von der weißen Mittelschicht geprägten Indiana dagegen siegte die Ex-First Lady hauchdünn vor ihrem Rivalen.
Clinton nun eigentlich keine Chance mehr, ihren Konkurrenten noch vor dem Parteitag einzuholen. Es sei denn, die ungültigen Wahlen in Florida und Michigan werden neu gewertet. Clinton jubelte trotzdem über ihren denkbar knappen Wahlsieg in Indiana, versprach, sich weiter für „unsere Sache zu zerreißen“. Sie sei in das Rennen um Indiana als Außenseiterin gestartet und habe dennoch gewonnen - "jetzt geht es mit voller Fahrt ins Weiße Haus", sagte die Senatorin von New York vor Anhängern. Nur ihr missmutig dreinblickender Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, signalisierte ungewollt im Kongresssaal von Indianapolis, dass die Aussichten der Clintons auf eine Rückkehr ins Weiße Haus schlechter geworden sind.
Die Umrechnung der Delegiertenstimmen ist noch nicht komplett, doch nach ersten Schätzungen kann Obama seinen Vorsprung von bislang 140 auf gut 150 Mandate für den Parteitag ausbauen. Bei den noch verbleibenden Vorwahlen der Demokraten in sechs Bundesstaaten werden insgesamt nur noch gut 200 Delegierte proportional nach dem Ergebnis vergeben. Zudem steht die Entscheidung von rund 300 Superdelegierten aus, die sich noch nicht öffentlich festgelegt haben, zuletzt aber zu Obama tendierten.
Obama sprach nach der Bekanntgabe der Ergebnisse von einem Sieg über die „Politik der Spaltung und die Politik der Ablenkung“. Er habe es geschafft, sich gegen eine negative Politik durchzusetzen, bei der es darum gehe, Punkte zu gewinnen und nicht Probleme zu lösen. Dagegen suchten die Amerikaner "nach ehrlichen Antworten“, sagte Obama. Zuletzt hatten die Kontroverse um seinen früheren geistigen Mentor, den radikalen schwarzen Pastor Jeremiah Wright, und Zweifel an seiner Wählbarkeit in der Mittelschicht, dem Afroamerikaner schwer zugesetzt.
Vor dem Hintergrund des erbitterten Zweikampfs zwischen ihm und Clinton rief er die Demokraten zur Einheit auf. Es gebe Leute, die sagten, dass seine Gefolgsleute Clinton im Fall ihrer Nominierung nicht unterstützen würden und umgekehrt, sagte Obama: „Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, ich glaube das nicht.“ Es habe zwar verletzte Gefühle gegeben, erklärte der Senator, „aber bei dieser Wahl geht es nicht um Hillary Clinton, nicht um Barack Obama, nicht um John McCain, es geht um Sie.“ Es gehe darum, einen Präsidenten zu wählen, der das Land in eine glänzendere Zukunft führe.
Obama wieder kämpferisch und selbstbewusst
Obama, dem Kritiker in der Vergangenheit wiederholt mangelnden Patriotismus vorgeworfen hatte, rief insgesamt die Bevölkerung dazu auf, gemeinsam an der Lösung der Probleme im Land zu arbeiten. „Ich liebe dieses Land zu sehr, um es geteilt zu sehen“, rief Obama aus, der so nach Einschätzung von Fernsehkommentatoren so kämpferisch und selbstbewusst wirkte wie seit längerem nicht mehr.
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Berater von Hillary Clinton kündigten indes an, erneut für eine Neubewertung der Wahlen in Florida und Michigan zu kämpfen. Diese beiden Vorwahlen waren von den Demokraten für ungültig erklärt worden, nachdem die Bundesstaaten den Wahltermin eigenmächtig nach vorne verlegt hatten. Daraufhin hatten die Kandidaten den Wahlkampf eingestellt, in Michigan hatte Clinton gar als einzige auf dem Wahlzettel gestanden - und formal in beiden Staaten gewonnen.
Vor allem Florida gilt als bei der Wahl im November als wichtiger Swingstate, daher können es sich die Demokraten nicht erlauben, die Wähler dort zu verprellen. Inzwischen wird sogar diskutiert, beide Wahlen im August unmittelbar vor dem Parteitag der Demokraten zu wiederholen.
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Die letzte Entscheidung fällen formal die Delegierten auf dem Parteitag. Da weder Obama noch Clinton eine absolute Mehrheit der normalen Delegierten mehr erreichen können, sind die sogenannten Superdelegierten das Zünglein an der Waage. Diese Vertreter der Parteiorganisation sowie gewählte Amtsinhaber verfügen über 796 Mandate und können sich frei entscheiden. Bei ihnen hat Clinton noch einen knappen Vorsprung, doch auch hier hat Obama aufgeholt und liegt nur noch um etwa 15 Superdelegierte zurück.
Etwa 300 Superdelegierte haben sich bislang nicht auf einen der Kandidaten festgelegt, weil sie zunächst den Ausgang der Vorwahlen abwarten wollen. Nach Indiana und North Carolina kommen aber nur noch unbedeutende Bundesstaaten – daher zieht dieses Argument nicht mehr.
