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12.02.2008 
Netz-Kampagne zahlt sich für Obama aus

Obama, der Internet-Präsident

von Christina Otten

Präsidenten werden auch im Internet gemacht. Für keinen der Kandidaten wirkt sich die zunehmende Bedeutung des Netzes im US-Wahlkampf so positiv aus wie für Barack Obama. Die Unterstützung für Obama hat in den letzten Tagen nochmals massiv zugenommen, während der Web-Wahlkampf seiner Konkurrenz stagniert. Auch Hillary Clinton hat einen entscheidenden Trend verschlafen.

Bild von Barack Obama auf seiner Homepage: Der Senator weiß das Internet geschickt zu nutzen. Foto: Screenshot

Bild von Barack Obama auf seiner Homepage: Der Senator weiß das Internet geschickt zu nutzen. Foto: Screenshot

DÜSSELDORF. Eins, zwei, drei Klicks und schon ist man Teil des „Movement for Change“. Demokrat Barack Obama hat sich wie kein anderer Kandidat für die US-Präsidentschaftskandidatur auf die Internet-Generation eingestellt. Dass er sein eigenes Weblog betreibt, versteht sich von selbst. Doch das Engangement der Kampagne des Senators aus Illinois geht weit darüber hinaus.

Obama ist fast überall vertreten: auf Myspace, Youtube, Flickr, Facebook, also in den großen sozialen Netzwerken und den Video- und Fotoplattformen. Er nutzt sie für die Organisation von Veranstaltungen, um Spenden zu sammeln und er attackiert dort Rivalen. Ein Gründer von Facebook, Chris Hughes, gehört zu seinen Beratern.

Obama bietet auf seiner Site Poster, Buddy-Icons, Fotos und Videos, die jeder User auf die eigene Homepage stellen kann. Wer auf my.barackobama.com ein Profil anlegt, erhält „Bonuspunkte”. Jedes Einloggen, Schreiben von Blogeinträgen und Einladen von Freunden bringt zusätzliche Punkte. So entwickelt sich ein Wettrennen um den ersten Platz – und das Obama-Netzwerk wächst.

Ein weiteres Beispiel für die Verselbstständigung der Obama Kampagne im Internet findet sich auf Youtube: Ein inoffizielles Wahlkampfvideo des US-Rappers Will.I.Am für Barack Obama hat über das Musikportal innerhalb weniger Tage schon mehr als zwei Millionen Abrufe erzielt. Zusammen mit Prominenten wie John Legend, Kate Walsh und Scarlett Johansson wirbt der Sänger der Black Eyed Peas damit für den Senator aus Illinois, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bemüht. Obamas Wahlkampfteam wusste lange Zeit gar nichts über das Video, das dem Senator zahlreiche neue Untersützer beschert haben dürfte. „Das Internet gibt jetzt den einfachen Leuten die Macht“, erklärt Will.I.Am.

Barack Obama scheint inzwischen ebenfalls Gefallen an dem „Yes, we can“-Song gefunden zu haben. Jedenfalls empfiehlt er ihn Journalisten zur Ansicht. Seine Frau Michelle zeigt das Video gerne bei Wahlkampfveranstaltungen.

Die politische Konkurrenz starrt neidisch ins Internet: Wer hätte nicht gerne derart viel kostenlose Werbung? Was kann einem Politiker Besseres passieren, als von einer Gruppe Musik-Stars so in den Himmel gehoben zu werden?

Dabei zählt nicht der „Traffic“, die Zahl der Klicks und der Besucher einer Website. Worauf es ankommt, ist die Vernetzung. Stand das Wahljahr 2004 vor allem im Zeichen von Weblogs, sind es diesmal soziale Netzwerke und der direkte Austausch zwischen Wählern und Kandidaten. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Kooperation zwischen dem Fernsehsender CNN und dem Video-Portal Youtube, auf dem Wähler ihre Frage an einen der Kandidaten einstellen können. Im Fernsehen nehmen die Kandidaten dann Stellung.

Und nicht zu vergessen: Es geht auch ums Geld. Der amerikanische Journalist und Gründer des Weblogs „Buzzmachine“, Jeff Jarvis, weist darauf hin, dass Obama nicht nur „eine riesige Menge Geld“ durch Internetspenden erhalten habe, sondern dass das Geld auch von „einer riesigen Menge von Leuten“ gespendet worden sei.

„Wenn Millionen Menschen nur zehn Dollar übers Netz einzahlen“, schreibt Barack Obama selbst, „habe ich genug Geld für den Wahlkampf!“ Zahlt der Internetnutzer 125 Dollar, so kann er möglicherweise ein Dinner mit Barack Obama gewinnen. Pseudoereignisse, die jedoch wirksam sind. Vor allem deshalb, weil Spender ohne großen Aufwand wieder und wieder aufgefordert werden können, weiteres Geld für seinen Kandidaten oder seine Kandidatin zu geben.

Diese Tatsache dürfte Obama dazu verholfen haben, in puncto Finanzen mittlerweile sogar besser dazustehen als die ehemalige „Spendenkönigin“ und Konkurrentin im demokratischen Vorwahlkampf, Hillary Clinton. Mehr als 100 Millionen Dollar machten ihre Anhänger im vergangenen Jahr für sie locker. Und dann folgte auf den „Super Tuesday“ die verblüffende Kunde: Clinton führt einen „Wahlkampf auf Pump“, musste im Januar aus ihrem privaten Fundus fünf Millionen Dollar zubuttern, um vor dem „Super-Dienstag“ alle Werberegister ziehen zu können.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nun setzt auch Clinton verstärkt auf das Web

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