Nach dem Sieg in Oregon und einer deftigen Niederlage in Kentucky hat Barack Obama die Mehrheit der normalen Delgierten gewonnen und sieht seine Nominierung als Präsidenschaftsbewerber der Demokraten "in Reichweite". Hillary Clinton will weiterkämpfen bis ein Kandiat feststeht. Formal geht der Kampf weiter – aber de facto haben die beiden Demokraten einen Waffenstillstand geschlossen.
Die Demokraten kosten das Spektakel der Vorwahlen bis zum Ende aus. Am Dienstag teilten sich die beiden Bewerber, Senator Barack Obama aus Illinois und Ex-First-Lady Hillary Clinton wie bereits gewohnt den Sieg. Clinton gewann den ländlich geprägten Bundesstaat Kentucky dank seiner eher armen und unterdurchschnittlich gebildeten weißen Bevölkerung mit 65,5 Prozent der Stimmen, 35 Prozentpunkte vor Obama.
Im eher liberalen und wohlhabenden Oregon an der Westküste gewann dagegen Obama mit 57 Prozent, rund 15 Prozentpunkte vor seiner Konkurrentin. Die Nominierung als offizieller Präsidentschaftskandidat seiner Partei sei nun „in Reichweite“, sagte der 46-Jährige bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa, wo er im Januar mit einem Überraschungssieg seine Erfolgsserie begonnen hatte.
Bei der entscheidenden Zählung der Delegierten konnte Clinton am Dienstag rund zehn Mandate auf Obama gut machen, der aber immer noch mit rund 180 Delegierten in Führung liegt. Seit gestern hat Obama immerhin die Mehrzahl der normalen Delegierten, die über die Vorwahlen vergeben werden, hinter sich gebracht. Und auch die Superdelegierte, die in ihrer Stimme freien Vertreter des Parteiestablishments, sprechen sich in immer größerer Zahl für den Afroamerikaner aus. Damit ist klar, dass ihm die Nominierung nicht mehr zu nehmen ist.
Dennoch will Hillary Clinton ihren Kampf auch in den letzten Vorwahlen in Puerto Rico, South Dakota und Montana durchziehen - erst am 3. Juni ist damit Schluss. "Ich bin entschlossener denn je dafür zu sorgen, dass jede einzelne Stimme gewertet wird". Damit spielte sie auf die Wahlen in Florida und Michigan an, deren Ergebnisse von den Demokraten nach Verstößen gegen die Parteiregeln nicht gewertet werden. Am 31. Mai entscheidet ein Parteiausschuss, ob und wie diese beiden für die Präsidentschaftswahl am 4. November wichtigen Bundesstaaten dennoch mitgezählt werden können - und Clinton hofft, dadurch bei der Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen Obama doch noch überholen zu können.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Beide gewohnt kämpferisch
In ihren Rede am Wahlabend gaben sich beide Demokraten gewohnt kämpferisch - sie richteten ihre Angriffe aber demonstrativ auf John McCain, den Gegner bei den Republikanern. Obama lobte Clinton für ihren Kampfgeist und für ihre Errungenschaft in "ihren 35 Jahren im Dienst der öffentlichen Sache", vor allem für die Recht der Frauen. Davon würden alle Amerikanerinnen profitieren, "Eure Töchter genauso wie meine".
Clinton betonte, dass sie und Obama eng zusammenarbeiten werden, um die Partei nach den Vorwahlen zu einen und den demokratischen Kandidaten - Clinton wörtlich: "wie immer sie heißen wird" - gemeinsam ins Weiße Haus zu bringen. Ganz offensichtlich haben die beiden Bewerber nach den zum Teil sehr bitteren Anwürfe der letzten Wochen einen Waffenstillstand getroffen, um die Wahlchancen gegen die Republikaner nicht zu beschädigen.
Allerdings wird es Obama nicht einfach haben, im Fall seiner Nominierung Clintons Stammwähler hinter sich zu bringen. Exit Polls zeigen, dass die Wählerschaft nach wie vor haarscharf in zwei Teile zerfällt: während Clinton in Kentucky bis zu 80 Prozent der weißen Arbeiterklasse gewann zieht Obama die überdurchschnittlich gebildeten und verdienenden Wähler auf seine Seite. Und die Mehrheit der Clinton-Wähler in Kentucky gab an, eher gar nicht zu wählen oder für John McCain zu stimmen, als für Obama.
