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08.07.2008 
Anhänger attackieren Kandidaten auf eigener Website

Obama in der Internet-Falle

von Christina Otten und Brian Melican

Ungewohnter Gegenwind für Barack Obama: Der demokratische Präsidentschaftskandidat gerät ins Visier der eigenen Anhänger. Ausgerechnet auf seiner berühmten Wahlkampf-Website – einer der Hauptgründe für seinen Erfolg – mehren sich kritische Töne. Obamas Überlegenheit im Netz droht plötzlich zur Gefahr für die Kampagne zu werden.

Auf Obamas Website  machen eigene Anhänger gegen den demokatischen Präsidentschaftskandidaten mobil. Quelle: www.barackobama.comLupe

Auf Obamas Website machen eigene Anhänger gegen den demokatischen Präsidentschaftskandidaten mobil. Quelle: www.barackobama.com

DÜSSELDORF. Barack Obama hat seinem republikanischen Konkurrenten John McCain vor allem eins voraus: Er mobilisiert seine Anhänger nicht nur bei öffentlichen Wahlkampfauftritten und in Fernseh- und Radioansprachen, sondern vor allem im Internet. Die Website Mybarackobama.com ist einer der Hauptgründe für den Erfolg Obamas, der innerhalb eines Jahres vom Außenseiter zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten aufgestiegen ist.

Der Senator aus Illinois weiß wie kein anderer Politiker das Internet geschickt zu nutzen. Mehr als 600 000 Mitglieder und mehr als 8000 Support-Gruppen zählt seine Wahlkampf-Site: Houston for Obama, Texas for Obama, Gay People for Obama, Afro-Americans, US Marines, Soul Music Lovers, alle für Obama. Selbst Spendengeld fließt üppig über die Site in Obamas Töpfe. Auch für Wahlkampf-Ereignisse auf lokaler Ebene wird Mybarackobama.com zur Organisation und Kommunikation eingesetzt.

Obamas Internet-Strategie ging ohne Makel auf – bis jetzt. Denn ein Teil der Gefolgschaft des Demokraten fühlt sich gleich durch mehrere Entscheidungen und Äußerungen vor den Kopf gestoßen. Und ausgerechnet auf seiner eigenen Wahlkampf-Website muss sich der Senator plötzlich ungewohnt kritische Töne gefallen lassen.

Mehrere Tausend Anhänger wettern in einer erst Ende Juni gegründeten Online-Gruppe auf Mybarackobama.com heftig gegen den Senator. Besonders die Zahl der wütenden Obama-Fans beeindruckt: Mehr als 20 000 Mitglieder umfasst die Gruppe namens „Senator Obama - Please Vote NO on Telecom Immunity“ versammeln – und es werden täglich mehr.

Auf Mybarackobama.com lassen sie ihrem Unmut darüber freien Lauf, dass ihr Kandidat ein Kompromiss-Abhörgesetz billigt, das einst an illegalen Schnüffelaktionen beteiligten Telefongesellschaft Straffreiheit einräumt. Eine solche Garantie hatte Obama zuvor stets abgelehnt. Dass er applaudierte, als das Oberste Gericht kürzlich den US-Bürgern ein Recht auf Waffenbesitz bescheinigte, und dass er die Absage an die Todesstrafe für Kinderschänder kritisierte, kommt ebenfalls nicht gut an.

„Ich bin über das Abstimmungsverhalten von Senator Obama beim Abhörgesetz äußerst enttäuscht“, schreibt Partrick B. in einem aktuellen Kommentar auf der Site. „Diese Aktion lässt mich an den Gründen zweifeln, aus denen ich Obama bislang unterstützt habe. Ich werde kein weiteres Geld mehr spenden.“ Hart ins Gericht gehen auch andere User mit Obama: „Wollten wir denn nicht Obama unterstützen, weil er für Aufrichtigkeit steht? Wollten wir nicht weg von der Scheinheiligkeit der Bush-Ära? Aber stattdessen brüskiert uns Obama beim Thema Abhörgesetz, Waffenbesitz, Todesstrafe, Kampagnen-Finanzierung und Gelder für religiöse Organisationen? Heuchelei. Nichts außer Heuchelei. Gebt eure Stimme lieber Nader.“ (Anm. d. Red. Ralph Nader ist unabhängiger Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2008)

Obamas Basis übt im Netz zunehmend Druck aus, „damit er sein Wort hält“. Die Gruppe der Abhörgesetz-Gegner organisierte vor wenigen Tagen gar eine E-Mail-Aktion, mit der sie Anhänger zum Protest aufforderte: „Bitte lasst Obama wissen, was ihr über das Gesetz denkt. Senator Obama, ein Verfassungsrechtler, hat sich stets gegen Einschränkungen bei den Bürgerrechten gewehrt – nur in diesem Fall nicht. Wir wollen ein Führung, die das Abhörgesetz verhindert.“

Obamas Team reagiert gelassen: „Wir glauben, dass ein offener Dialog ein wichtiger Bestandteil eines jeden Wahlkampfs ist“, sagte ein Sprecher Obamas. Dabei zeichnet sich schon wieder neuer Ärger ab. Nachdem Obama angedeutet hatte, dass er den im Fall seines Wahlsieges versprochenen Truppenabzug aus dem Irak binnen 16 Monaten möglicherweise etwas verlangsamen müsse, waren viele seiner Anhänger schlicht entsetzt und die Republikaner beglückt. Denn diese Äußerungen werden als Abschwächung seiner bisherigen Position verstanden, mit der er im innerparteilichen Kampf um die Kandidatur die frühere First Lady Hillary Clinton aus dem Rennen geworfen hat.

User Lisa bemerkt empört auf Obamas Homepage: „Leider habe ich nicht das Gefühl, dass Barack die Macht der Ausrüstungsindustrie brechen wird. Hier scheinen Werte zu verfallen.“

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