Wehrt sich Obama auch vehement gegen jeden Umfaller-Vorwurf, sind sich die US-Medien einig: Der Senator ist seit seinem Vorwahlsieg in Richtung Mitte gerückt, „sein Ton hat sich verschoben“, wie die „Washington Post“ es formuliert. Tatsächlich hat Obama in jüngster Zeit in Kernfragen moderatere Positionen bezogen. Er verspricht nicht mehr, die Verhandlungen über die Nordamerikanische Freihandelszone (Nafta) wieder aufzunehmen. Er hat nichts dagegen gesagt, dass das Oberste Gericht in der vergangenen Woche jedem Amerikaner das Recht auf eine eigene Waffe zusprach. Er hat zuletzt eben auch Unterstützung für die Erweiterung des Abhörgesetzes signalisiert.
Es ist ein Drahtseilakt für Obama, eine Gratwanderung zwischen dem Wunsch, gemäßigte Kreise für sich zu gewinnen, und dem Risiko, Teile der eigenen Anhängerschaft zu verprellen. Bisher sind es zumeist noch leise Zweifel in Obamas Gefolgschaft, es ist noch keine Welle der Enttäuschung - aber es könnte eine werden, räumen auch demokratische Wahlkampfberater ein.
Ein Ende der „Obamania“?
„Vielleicht ist er am Ende doch nur ein Politiker wie jeder andere“, geht es Anhängerin Janet Binder durch den Kopf. Auch in ihrem bisher von „Obamania“ beherrschten Freundeskreis hat sie einen Anflug von Ernüchterung registriert. „Aber natürlich hoffen wir, dass wir uns irren.“
Unter den Obama-Anhängern und vor allem auch auf Mybarackobama.com macht sich nach der anfänglichen Euphorie erste Ernüchterung breit. Doch wissen sie auch, dass es ihnen an wirklichen Alternativen fehlt. Ein Blogger mit dem Usernamen Independent4Obama bringt es auf den Punkt. „Lasst uns doch ehrlich sein. Es ist entweder Obama oder McCain. Und Was ist da die bessere Wahl?“

