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28.08.2008 
Presseschau zur Nominierung von Barack Obama

Obamas Antritt mit vielen Unbekannten

von Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse ist unentschieden, ob der offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gekürte Barack Obama von der Rückendeckung durch Joseph Biden, Hillary und Bill Clinton profitieren kann: Obama bleibe ein mysteriöser Kandidat, während seine frühere Rivalin möglicherweise bereits einen Plan B verfolge.

Fans von Barack Obama. Foto: dpaLupe

Fans von Barack Obama. Foto: dpa

Nachdem die US-Demokraten offiziell Barack Obama zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt haben, zeigt sich das Wall Street Journal skeptisch: „Jetzt kommt der mysteriöseste demokratische Präsidentschaftskandidat, den die Wähler je erlebt haben – Barack Obama. Nach dessen 19-monatigem Lauf zur Präsidentschaft kennen wir ihn immer noch nicht.“ Anders als fast alle bisherigen Anwärter auf das Amt, bei denen die Wähler von der bisherigen politischen Bilanz auf die mögliche Präsidentschaft hätten schließen können, überzeuge Obama weiterhin nur durch seine Person. „Es ist keine Überraschung, dass dies nur in einem Zeitalter des Star-Kultes funktioniert.“ Vor diesem Hintergrund werde es für Obama besonders schwierig, die weiße Arbeiterklasse ohne College-Erfahrung zu gewinnen – seine Biografie lege nah, dass diese Schicht für ihn nicht viel mehr als eine „politische Abstraktion“ sei.

Die Londoner Times glaubt, dass die US-Demokraten unter dem Phänomen des „buyer's remorse“ leiden: unter der „Reue des Käufers“, der sich von der schönen Oberfläche eines Produkts hat blenden lassen, nachher jedoch einsieht, dass er auf schlechte Qualität oder ein überteuertes Produkt hereingefallen ist. Dieser Eindruck sei durch die eindrucksvollen Reden von Hillary und Bill Clinton noch verstärkt worden, die alle Ereignisse in Denver bislang dominiert hätten. Zwar sei es weiterhin denkbar, dass Obama mit einer mitreißenden Rede nicht nur die 70.000 Fans im Stadion von Denver betört – ebenso wahrscheinlich sei jedoch, dass jeder Anschein von Massenhysterie eine große Anzahl von Wählern abschrecken und den Spott der Republikaner über die „Obamamania“ noch verstärken könnte. Fazit: Die Demokraten hätten noch nicht verstanden, dass es bei diesen Wahlen primär um Zurechnungsfähigkeit gehe, nicht um Persönlichkeit, Rhetorik, Rasse, Alter oder Geschlecht.

„Heute sind die Demokraten einen Schritt in Richtung Klarheit weitergekommen“, kommentiert The New Republic den bisherigen Verlauf des Parteitags. Bill Clinton habe eine der besten Reden des bisherigen Wahlkampfes gehalten und mit seiner zentralen Aussage, dass Obama bereit für die Präsidentschaft sei, für seine Wiedergutmachung unter den Erzdemokraten gesorgt. Joseph Biden demgegenüber habe einen soliden, jedoch keinen spektakulären Auftritt hingelegt. Grundsätzlich sei Biden in der Lage, „magische Höhen“ zu erreichen, wenn er über die Nöte der US-Arbeiterklasse referiere – gestern jedoch habe er nicht „gesungen“, sondern lediglich Refrains wie „Das ist der Wandel, den wir brauchen“ aufgesagt. Alles entscheidend sei jedoch die heutige Rede von Obama, die darüber entscheide, ob man sich an diesen Parteitag als Triumph oder „Wirrwarr“ erinnern werde.

Le Figaro aus Frankreich wundert sich über die die Art und Weise, wie Obama gestern zum Kandidaten gekürt wurde: Keine andere als Hillary Clinton habe die Abstimmung nach Einzelstaaten abgebrochen und vorgeschlagen, Obama per Akklamation zu wählen. Spätestens mit diesem Schritt sei Clinton zum eigentlichen Star des Parteitags avanciert. „Was Obama auch immer am heutigen Donnerstag sagen wird, die Anmut und Eleganz, die Clinton am Mittwoch mit ihrer Pro-Obama-Rede und ihrem ,Aufstand' bewiesen hat, werden als die markantesten Momente des Parteitags in Erinnerung bleiben. (...) Eines Tages wird es vielleicht sogar ihr Name sein, der am Ende einer Wahl per Akklamation zu hören sein wird.“

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